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Claudia Klages

Medaillen BTHVN 1- 10: Folge 6

Zehn neue Kunstwerke zu Beethoven im kleinen Format

Zu Beethovens Ehren wurden nach seinem Tod über 460 Medaillen und Plaketten gestaltet – die größte Anzahl, die je einem Musiker gewidmet wurde. Anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten im Jahr 2020 schufen zehn Medailleurinnen und Medailleure jeweils eine neue Medaille oder Plakette auf den Komponisten. Dabei entstanden zehn spannende Arbeiten, die uns Person, Werk und Wirken Beethovens aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln nahebringen.

Medaille aus Bronze. Das Bildfeld ist mit Wellen gefüllt, davor steht ein Mann, der von hinten zu sehen ist.
Medaille Beethoven und Goethe, Andreas Jähnig (2020), Bronze, Dm 91 mm. Foto: L. Kornblum, LVR-LandesMuseum Bonn.

Zwei unterschiedliche Charaktere

1812 trafen in Bad Teplitz zwei große Geister aufeinander: Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven. Das böhmische Bad Teplitz, 100 km nordöstliche von Prag gelegen, war ein mondäner Kurort, der gerne von der vornehmen Gesellschaft aufgesucht wurde. Bettina von Arnim überliefert eine berühmt gewordene Szene, in der Beethoven und Goethe sich zu einem gemeinsamen Spaziergang dort trafen und dabei der österreichischen Kaiserin Maria Ludovika begegneten. Dabei soll es zu folgender Unterhaltung gekommen sein:
Goethe: „Seht doch mein lieber Beethoven. Dort kommt uns die Kaiserin mit ihrem Gefolge entgegen. Lasst uns beiseitetreten“.
Beethoven: „Bleibt nur in meinem Arm hängen. Sie müssen uns Platz machen. Nicht wir Ihnen!“.
Daraufhin habe sich Goethe aus Beethovens Arm freigemacht, sei zur Seite getreten und habe den Hut gezogen, während Beethoven mit unterschlagenen Armen mitten durch die Gruppe hindurchging. Er sah sich nicht an gesellschaftliche Konventionen gebunden und besaß das Selbstgefühl des Künstlers, der nicht nur zur gleichen Stufe wie die höchsten gesellschaftlichen Kreise gehört, sondern diesen noch überlegen ist.

Beide Künstler fühlten sich offenbar nicht ganz wohl mit der Haltung des jeweils Anderen. Der Komponist berichtete von der Szene in einem Brief und kommentierte Goethes Verhalten mit den Worten: „Goethe behagt die Hofluft zu sehr, mehr als es einem Dichter geziemt“. Goethe äußerte sich bei seinem Freund Zelter vielleicht etwas nachsichtiger über Beethoven: „Er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit. Sehr zu entschuldigen ist er hingegen und sehr zu bedauern, da ihn sein Gehör verlässt, das vielleicht dem musikalischen Teil seines Wesens weniger als dem geselligen schadet.

Medaille aus Bronze. Links ein Mann von hinten und recht zwei Männer, von denen sich einer verbeugt. Im Hintergrund ist ein Schloss zu sehen.
Medaille Beethoven und Goethe, Andreas Jähnig (2020), Bronze, Dm 91 mm. Foto: L. Kornblum, LVR-LandesMuseum Bonn.

Andreas Jähnig hat sich mit dieser Szene bzw. der Haltung Beethovens in seiner Arbeit beschäftigt. Ihn interessierte weniger der Musiker und Künstler als vielmehr der Mensch Beethoven innerhalb der damaligen Gesellschaft. Auf der Vorderseite steht Beethoven mit hinter dem Rücken verschränkten Händen, dem Betrachter (selbstbewusste?) den Rücken zukehrend, „wie ein Fels in der Brandung vor einer tobenden See“ (A. Jähnig). Auf der Rückseite zeigt Andreas Jähnig rechts im Vordergrund (am größten) den schreitenden Beethoven, scheinbar finster auf Goethe blickend, der hier eine sehr tiefe Verbeugung vor einem schmalen höfischen Herrn mit spitzer Kopfbedeckung und Stock vollführt.

Diese Medaille führt zu…

dem Draitschbrunnen in Bonn, Bad Godesburg.

Die Medaille verweist auf die Godesberger Draitschquelle. Dort traf sich Beethoven einmal mit Freunden, um im nahen Birgitten-Kloster Marienforst Orgel zu spielen. Über dieses Konzert schrieb ein Jugendfreund Beethovens: “Dabei variierte er ein Thema und gemeine Arbeitsleute, die unten in der Kirche das durch das Bauen Beschmutzte rein machten, wurden lebhaft davon afficiert, legten vor und nach ihre Werkzeuge hin, und hörten mit Staunen und sichtbarem Wohlgefallen zu.

Ein Mann mit langen grauen Haaren, die zum Zopf gebunden sind. Er spricht in ein Mikrofon.
Andreas Jähnig. Foto: Prof. Dr. B. Weisser.

Andreas Jähnig

Andreas Jähnig wurde in Leipzig geboren. Seine Ausbildung zum Bildhauer erhielt er an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, wo er bei Jo Jastram sein Diplom im Bereich „Plastik im Freiraum“ erwarb. Jähnigk legt seinen immer wieder Schwerpunkt auf aktuelle, politische Themen. Er lebt und arbeitet in Baruth im Landkreis Bautzen in Sachsen.

BTHVN 5/10 – Die nächsten Medaillen

Im Abstand von vier Wochen stellen wir euch die Beethovenporträts folgender Medailleurinnen und Medailleure vor:

Noch ein Hinweis!

alle Medaillen und Plaketten sind aktuell im Beethoven-Haus Bonn in einer Ausstellung zu sehen!

Mehr Informationen gibt es hier.


[Dr. Claudia Klages, Wiss. Referentin Numismatik, LVR-LandesMuseum Bonn]


Anmerkung

Manfred van Rey, ehemaliger leitender Stadtarchivar von Bonn und Autor einer gerade erschienenen, umfassenden Publikation von Beethoven-Medaillen war Initiator des Projektes BTHVN 1-10.

Diese Publikation über Medaillen zu Ludwig van Beethoven wurde von Manfred van Rey erarbeitet: M. van Rey, Numismatische Gesellschaft Bonner Münzfreunde e.V., Hrsg., Bonner Numismatische Studien Band 3, Ludwig van Beethoven in Nummis, Bonn 2020.

Das LVR-LandesMuseum Bonn war in die Erstellung des Kataloges involviert.

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