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Claudia Klages

Medaillen BTHV 1 – 10: Folge 8

Zehn neue Kunstwerke zu Beethoven im kleinen Format

Zu Beethovens Ehren wurden nach seinem Tod über 460 Medaillen und Plaketten gestaltet – die größte Anzahl, die je einem Musiker gewidmet wurde. Anlässlich des 250. Geburtstages des Komponisten im Jahr 2020 schufen zehn Medailleurinnen und Medailleure jeweils eine neue Medaille oder Plakette auf den Komponisten. Dabei entstanden zehn spannende Arbeiten, die uns Person, Werk und Wirken Beethovens aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln nahebringen.

Beethoven in motion

Eher selten wurde Beethoven am Klavier sitzend bzw. das Instrument spielend wiedergegeben. Dabei war er auch ein hervorragender Pianist mit einer ungewöhnlich kraftvollen Art zu Spielen. Ein zeitgenössischer Kritiker schwärmte: „Sein Spiel unterscheidet sich auch so sehr von der gewöhnlichen Art, das Klavier zu behandeln, dass es scheint, als habe er sich einen ganz eigenen Weg bahnen wollen, um zu dem Ziel der Vollendung zu kommen, an welchem er jetzt steht.“

Schwärzliche Medaille. In der Mitte die Figur von Beethoven, die auf einem Stuhl sitzt und Klavier spielt. Umlaufend Schrift.
Medaille (Vorderseite), Dieter von Levetzow (2019), Eisen, geschwärzt, Dm 75 mm, Umschrift: LUDWIG VAN BEETHOVEN 1770-1827, Monogramm DvL.
Foto: L. Kornblum/LVR-LandesMuseum Bonn.

Diese geschwärzte Eisenmedaille der BTHVN-Serie von dem Medailleur und Bildhauer Dieter von Levetzow ist eine der wenigen Darstellungen Beethovens, die ihn am Klavier sitzend, besser gesagt: das Klavier spielend, zeigen.

Die Betonung des aktiven Elementes verwundert nicht, denn sie passt sehr gut in das übrige Œvre des Medaillen-Künstlers, der zahlreiche ausdrucksstarke, vor allem rundplastische Darstellungen von Menschen in extremen Bewegungen – die Drehungen oder Sprünge vollführen, tanzen, schaukeln, sich verbiegen und vieles andere mehr – schuf.

Das Instrument, im Verhältnis zu Beethoven eher klein dargestellt, ist in den Details stark reduziert. Wir erkennen grob dessen kastige Form, die Tastatur und wohl ein Fußpedal. Alles erscheint in einer Perspektive von schräg oben, wodurch das Instrument eine starke optische Diagonale durch das Rund der Medaille bildet. Etwa die gleiche Fläche wie das Klavier nimmt der Körper Beethovens ein. Rumpf, Arme und Beine wirken fast abstrakt gebildet und so der Formgebung des Klavierkörpers angeglichen. Er scheint zugleich „Gegenspieler“ und ein Teil des Instrumentes zu sein, mit ihm verbunden und verzahnt. Beethoven senkt seinen von wild bewegtem Haar umgebenen Kopf auf die Brust. Seinen linken Arm streckt er gerade aus und greift in die Tasten. Mit dem rechten Arm holt er weit aus, bevor sich die Hand im nächsten Moment auf die Tastatur herabsenken wird. Leicht knickt die Hand im Gelenk ab, der Zeigefinder ist angehoben. Die kraftvolle Armhaltung gewinnt ein Element der Ruhe und Bewusstheit.

Dieter von Levetzow zeigt Beethoven als Musiker, als Pianisten in Aktion. Das Musizieren wird zu einem konzentrierten physischen Akt, der den ganzen Körper des Musikers erfasst. Auf die Rückseite seiner Medaille setzte der Medailleur in vier Zeilen den Anlass für diese Ehrung.

Schwärzliche Medaille mit vierzeiliger Inschrift.
Medaille (Rückseite), Dieter von Levetzow (2019), Eisen, geschwärzt, Dm 75 mm, Inschrift: Ihrem großen Sohn / Ludwig van Beethoven / gedenkt die Stadt Bonn / zum 250. Geburtstag. Foto: L. Kornblum/LVR-LandesMuseum Bonn.

Dieter von Levetzow

Dieter von Levetzow. Er trägt eine helle Hose, eine dunkle Lederjacke, seine Haare sind weiß. Er blickt auf eine Büste hinab, die er in Händen hält.
Der Medailleur Dieter von Levetzow mit einem seiner Objekte. Foto: Dieter von Levetzow

Der Maler, Bildhauer und Medailleur wurde 1925 in Gronau in Niedersachsen geboren. Dank einer Sondergenehmigung des Kultusministeriums nahm er, erst minderjährig, sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar auf. Erst nach dem Krieg und sowjetischer Kriegsgefangenschaft konnte er es dort auch abschließen.

Einen großen Raum in seinem Œvre nehmen rundplastische Darstellungen von Menschen und Tieren ein, die sich vielfach in ungewöhnlich lebhaften, oft momenthaften Bewegungen befinden.

Heute lebt und arbeitet er in Kranenburg im Kreis Kleve.

Diese Medaille führt zu…

…der Orgelbaufirma Johannes Klais. Etwa einhundert Jahre nach Beethovens Geburt ist die Firma Johannes Klais Orgelbau in Bonn entstanden und über den Bau ihrer berühmten Orgeln weltweit bekannt.

BTHVN 5/10 – Die nächsten Medaillen

Im Abstand von vier Wochen stellen wir euch die Beethovenporträts folgender Medailleurinnen und Medailleure vor:

Noch ein Hinweis!

Alle Medaillen und Plaketten sind aktuell im Beethoven-Haus Bonn in einer Ausstellung zu sehen!

Mehr Informationen gibt es hier.


[Dr. Claudia Klages, Wiss. Referentin Numismatik, LVR-LandesMuseum Bonn]

Anmerkung

Manfred van Rey, ehemaliger leitender Stadtarchivar von Bonn und Autor einer gerade erschienenen, umfassenden Publikation von Beethoven-Medaillen war Initiator des Projektes BTHVN 1-10.

Diese Publikation über Medaillen zu Ludwig van Beethoven wurde von Manfred van Rey erarbeitet: M. van Rey, Numismatische Gesellschaft Bonner Münzfreunde e.V., Hrsg., Bonner Numismatische Studien Band 3, Ludwig van Beethoven in Nummis, Bonn 2020.

Das LVR-LandesMuseum Bonn war in die Erstellung des Kataloges involviert.

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