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LVR-LandesMuseum Bonn

Opfer für das neue Heim

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

Bei Ausgrabungen auf dem Gelände eines römischen Landgutes in Kerpen-Manheim, Rhein-Erft-Kreis, legten Archäolog*innen der LVR-Bodendenkmalpflege eine Grube mit eng beieinanderliegenden Metallobjekten frei. Durch die lange Zeit in der Erde waren sie zu einem Block zusammengebacken. Deswegen wurden die Objekte nicht direkt vor Ort einzeln geborgen, sondern in einem großen Block. Die Restaurator*innen des LVR-LandesMuseums Bonn konnten die Einzelteile unter Laborbedingungen frei präparieren und restaurieren.

Auf Sand liegen verschiedene metallene Objekte.
Die freigelegten Objekte des Bauopfers. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Arbeiten brachten unterschiedliche Gegenstände zum Vorschein: einen S-förmigen Schlüssel, zwei Armringe, ein Ringbruchstück, acht Fibeln, die zum Schließen von Kleidungsstücken benutzt wurden und zwei Bleche. Sowohl aufgrund der Datierung in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., also den Beginn der Besiedlung, als auch aufgrund der kompakten Deponierung in einer Grube dürfte es sich um ein initiales Bauopfer handeln. Das bedeutet, dass bei der Errichtung des Landguts diese Gegenstände absichtlich unter dem Haus vergraben wurden.

Da keine einzelne Person so viele Fibeln trägt, wird eine kleine Personengruppe an der Deponierung beteiligt gewesen sein. Vermutlich legte die erste Familie auf dem Hof gemeinsam diese Kleidungsbestandteile und die weiteren Objekte nieder. Der S-förmige Schlüssel eines Fallriegelschlosses wird späteisenzeitlich – und damit etwas älter als die frührömischen Fibeln – datiert. Vielleicht war er ein Andenken an das vorherige Zuhause. Das Bauopfer mag einerseits den Abschied hiervon und andererseits den Neubeginn für die Familie symbolisiert haben, die hier vor 2000 Jahren ihr neues Heim bezog.


Der Fund des Monats ist im Foyer des LVR-LandesMuseum Bonn ausgestellt.

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