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Fund des Monats Juni 2019

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in einer Vitrine im Foyer unseres Museums einen besonderen Gegenstand – den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich

Das Bild zeigt eine fast unversehrt gehaltene Bronzekanne. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Fund des Monats Juni 2019: Bronzekanne, gefunden Nördlich von Kerpen-Manheim. LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Zeugnisse dramatischer Ereignisse

Nördlich von Kerpen-Manheim konnten im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Hambach weite Teile eines römischen Gutshofes freigelegt werden. Zutage kamen die Reste eines Hauptgebäudes und mindestens fünf Nebengebäude, darunter ein großer Speicherbau und eine Darre zum Trocknen von Lebensmitteln, sowie mehrere Gräber. Oberflächenfunde wie eine goldene Haarnadel, die auch schon als Fund des Monats gezeigt wurde, sowie bronzene Löwentatzen weisen auf wohlhabende Gutsherren hin.

Ein Brunnen barg an seiner Sohle neben Bauschutt und Keramik auch überraschende Funde: Eine fast unversehrt erhaltene Bronzekanne, die zum gehobenen Tafelgeschirr gehörte, aber auch die direkt darunter aufgefundenen Skelettreste eines jungen Mannes. Trotz seines Alters von erst 21–25 Jahren wies er starke Abnutzungsspuren an einem Lendenwirbel und am Ellbogengelenk auf, die eine starke körperliche Belastung anzeigen. Zudem litt er an einer chronischen Nasen- und Stirnhöhlenentzündung. Ob er gewaltsam zu Tode kam, ließ sich am vorhandenen Skelettmaterial nicht feststellen.

Die menschlichen Skelettreste an der Sohle des Brunnenschachts weisen dennoch auf dramatische Ereignisse hin. Kontext und Datierung der Brunnenfunde sprechen für einen Zusammenhang mit der Krise des Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts. Hierbei ist weniger an einfallende und plündernde Germanen zu denken, die niemals Metallgegenstände wie die Bronzekanne in einen Brunnen geworfen, sondern mitgenommen hätten. Vielmehr ist der Bürgerkrieg in den 260er-Jahren in Betracht zu ziehen, der zwischen Truppen des römischen Kaisers Gallienus und Postumus, dem Kaiser des Gallischen Sonderreiches, tobte. Die politischen Umbrüche führten zum Verlassen zahlreicher römischer Villen, aber auch zur Regeneration von Wäldern wie dem Hambacher Forst.

Der Fund des Monats Juni 2019 ist im LVR-LandesMuseum Bonn im Erdgeschoss ausgestellt.

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