Klimawandel auf Social Media – Wenn sich 13 archäologische Museen zusammentun

Was #fridaysforfuture, Greta Thunberg und die Archäologie gemeinsam haben

Der Klimawandel ist zwar nicht erst seit #fridaysforfuture ein brandaktuelles Thema, aber die weltweiten Freitagsdemonstrierenden zeigen uns, dass der Klimawandel ein gesellschaftlich relevantes Anliegen ist. Nicht nur in der Gesellschaft setzt man sich mit Fragestellungen und Hinweisen zu dieser drängenden Thematik auseinander. Auch Museen und insbesondere die archäologische Wissenschaft beschäftigen sich mit den Veränderungen des natürlichen und menschengemachten klimatischen Wandels und erforschen diesen. Es lag also nahe, dass der diesjährige #ArchaeoSwap unter dem thematischen Schwerpunkt Klimawandel gestanden hat.
Falls ihr das jetzt zum ersten Mal hört und euch jetzt fragt: #ArchaeoSwap – was soll das denn sein? Keine Sorge – ihr seid nicht allein. Auch wir waren dieses Jahr zum ersten Mal Teilnehmende dieser Aktion! Heute möchte ich deshalb mit euch einen Blick zurückwerfen, sowohl auf den Inhalt, als auch auf die Organisation einer solchen Aktion und den Vorbereitungen auf diesen Tag.

Wenn ihr uns auch auf unseren anderen Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und Twitter folgt, habt ihr im letzten Monat vielleicht bemerkt, dass wir an einem Tag einen virtuellen Gast hatten. Am 17.6. sind nicht etwa Beiträge von uns, sondern Inhalte aus dem VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land – Museum und Park Kalkriese erschienen. Denn zum dritten Mal fand an diesem Tag der sogenannte #ArchaeoSwap statt. Bei dieser Aktion tauschten deutschlandweit insgesamt 13 archäologische Museen für einen Tag die Social-Media-Kanäle. Dieses Jahr sollte der Klimawandel als Thema im Mittelpunkt der Beiträge stehen.

Eine Social-Media Aktion durchführen oder in 4 Schritten zum ArchaeoSwap-Erfolg

Schritt 1– Die Hühner:

Am Anfang der Aktion stand – neben der hervorragenden Koordination durch das LWL-Museum für Archäologie – natürlich die Auslosung. Eine absolut unumgängliche und wichtige Rolle hierbei spielten die Hühner aus dem Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Weshalb? Schaut hier am besten selbst nach:

Auslosung des ArchaeoSwap im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen

Schlussendlich stand fest, dass wir an besagtem Tag die Kanäle des Archäologischen Museums Hamburg (AMH) übernehmen würden und die genannten Osnabrücker Kollegen unsere. Nachdem die Hühner also ihre Arbeit getan hatten, hieß es nun auch für uns: ran ans brainstormen, texten, fotografieren, filmen, sprechen, malen und bearbeiten.

Schritt 2 – Das Brainstorming:

Den thematisch alles umkreisenden Mittelpunkt bildete also der Klimawandel. Für uns als archäologisches Museum ist das sowieso ein Thema, das in vielen Kontexten in der Forschung auftaucht. So lebte unser Neandertaler etwa in einer Kaltzeit und hatte dementsprechend einen ganz anderen Körperbau als wir Menschen heute. Auch die Tiere und die Vegetation waren eine andere als heute. In unserem Museum wird das unter anderem in einer interaktiven Kartenprojektion dargestellt. Es gab also genügend Ansatzpunkte für mögliche Inhalte. Ich trommelte das Social-Media Team des Museums zusammen, um gemeinsam Beiträge auszuarbeiten.
Dabei musste zunächst geklärt werden, welche Kanäle wir überhaupt bespielen wollen. Das AMH bietet eine ganze Reihe an Möglichkeiten: Facebook, Twitter, Instagram, einen Blog oder einen Podcast. Wir entschieden uns dafür, über den Tag verteilt, vier zentrale Beiträge zum Thema Klimawandel auf Facebook und Instagram zu posten. Twitter und die Instastories sollten an dem Tag spontan mit Inhalten bespielt werden. Darüber hinaus wollten wir die Chance nutzen, einen ausführlicheren Text auf dem Blog zu veröffentlichen. Damit wir am Tag des Swaps Zeit für Interaktionen, spontane Beiträge und die weiteren Tagesaufgaben hatten, beschlossen wir, die zentralen Beiträge inklusive Texte und Bilder in den Tagen vor der eigentlichen Aktion fertigzustellen.
Daneben ging es dann auch um die Inhalte: Schnell kamen wir auf einige zum Thema passende Gemälde, archäologische Funde, Installationen und Aktionen, die wir den Followern des Archäologischen Museums Hamburg präsentieren wollten und verteilten die Aufgaben hierzu untereinander.
Parallel zu den inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitungen haben wir gemeinsam mit den Kolleg*innen aus den anderen teilnehmenden Museen noch eine Presseinformation vorbereitet.

Das Bild zeigt Objekte aus den verschiedenen archäologischen Museen, z.B. die Schädelkalotte des Neandertalers.
Pressebild zum ArchaeoSwap2019.
Schritt 3 – Der letzte Sprint:

Nachdem wir also Ideen zu den Inhalten gesammelt und einen kleinen Redaktionsplan erstellt hatten, wurden dann die Beiträge wie geplant verfasst. Was wären allerdings Texte ohne Bilder? Neben der Inhaltsrecherche für die Texte, haben wir auch unser digitales Bilderarchiv durchsucht – teilweise hatten wir schon Fotos von unserem Hausfotografen, andere wiederum haben wir selbst noch erstellt.
Ihr seht – so ein Tag bedarf an Vorbereitung und an einem Zusammenspiel verschiedener Personen und Abteilungen; Fotograf, wissenschaftliche Fachreferent*innen, Marketing, um nur einige zu nennen. Das Zusammenarbeiten ging in diesem Fall auch über die eigene Institution hinaus, denn wir mussten mit unseren beiden Partnermuseen ebenfalls im Vorhinein absprechen, wie die einzelnen Inhalte auf die Plattformen kommen würden, ob Daten ausgetauscht oder Beiträge schon vorher eingereicht werden sollten. So haben wir den Text und die Bilder für unseren Blogbeitrag beispielsweise schon eine Woche vor der Aktion eingereicht – die Kolleg*innen aus dem AMH haben diesen dann netterweise für uns in ihren Blog eingepflegt. Damit beim ArchaeoSwap dann nichts mehr schief läuft und ich alle Inhalte, die auf Facebook und Instagram online gehen sollten, nur noch per copy&paste hochladen musste, habe ich die drei zentralen Beiträge in einem Worddokument organisiert und schon die entsprechenden Hashtags hinzugefügt.

Schritt 4 – Der Tag des #ArchaeoSwap:

Am Tag des Swaps durften selbstverständlich eine Begrüßung und einige Fakten über das Museum nicht fehlen – auf Twitter haben wir uns deshalb erst einmal vorgestellt, bevor es dann in die inhaltliche Vertiefung ging. Die vorbereiteten Beiträge musste ich nur noch mit einem zeitlichen Abstand auf den Kanälen des AMH veröffentlichen und den Link zum bereits online gestellten Blogbeitrag posten. Für die einfachere Verteilung und das Planen solcher Beiträge bieten sich auch Apps wie Trello oder Hootsuite an. Die Plattform Facebook bietet selbst auch die Möglichkeit, Beiträge für einen bestimmten Zeitraum vorzubereiten und zu planen.
Der Tag war gefüllt mit posten, faven, antworten, liken, retweeten und followen, denn es kamen einige tolle Beiträge aus den 13 Museen zusammen. Ganz besonders hat uns gefreut, dass wir es gemeinsam mit den Kolleg*innen in die Twittertrends geschafft haben!

Die Fundstücke aus unserem Museum und ein Resümee

Falls ihr den Tag verpasst habe, bekommt ihr wie versprochen hier zum Nachlesen die Beiträge, die wir auf Facebook und Instagram gepostet haben:


Projektion zur Ausbreitung des Menschen und Klimaveränderungen
Das Bild zeigt einen auf einem schrägen Podest auf dem Boden befestigten Bildschirm mit einer Projektion zur Ausbreitung des Menschen und die Veränderungen des Klimas der letzten neun Millionen Jahre. Foto: A. Dämgen, LVR-LandesMuseum Bonn.
Projektion zur Ausbreitung des Menschen und die Veränderungen des Klimas der letzten neun Millionen Jahre. Foto: A. Dämgen, LVR-LandesMuseum Bonn.


Die Veränderungen des Klimas und der Kontinente sind wichtige Themen, die die Archäologie bei ihren Erforschungen früher Menschenformen beschäftigt. So weiß man, dass sich das Klima im Laufe der Erdgeschichte immer wieder sehr stark veränderte. Wir sprechen von Eis- oder Kaltzeiten und Warmzeiten. In den Kaltzeiten waren weitere Teile Europas von Eis bedeckt, es gab andere Pflanzen und Tiere als in den Warmzeiten. So hat das Klima auch uns Menschen geformt: der Neandertaler zum Beispiel lebte in einer Kaltzeit und hatte deshalb einen ganz anderen Körperbau als wir heute. Unsere Projektion zeigt die Ausbreitung des Menschen und die Veränderungen des Klimas der letzten neun Millionen Jahre. Bis in unsere heutige Zeit waren die Klimaveränderungen natürlichen Ursprungs. Die jetzige, sehr extreme Erwärmung des Klimas ist jedoch menschengemacht.

Bernstein

Bernstein ist das Harz einer Kiefernart, die vor 60 Millionen Jahren im Gebiet der heutigen Nord- und Ostsee wuchs. Zu dieser Zeit war dort Festland und auf der Erde herrschte ein ganz anderes Klima. Heute wird der Bernstein vom Meer aus den verschiedenen Gesteinsschichten gewaschen. Seit der Bronzezeit war Bernstein in Europa sehr begehrt. Besonders in römischer Zeit wurden zahlreiche Schmuckstücke daraus gefertigt. Ein paar unserer besonders schönen Exemplare sind auf den Fotos zu sehen.

Leo Breuer – Der Kohlenmann
Das Bild zeigt das Gemälde "Der Kohlenmann" von Leo Breuer (1931). Auf dem Gemälde ist ein Mann abgebildet, der eine Treppe hinaufkommend mit einer Tragevorrichtung die Kohlen auf seinem Rücken transportiert. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Der Kohlenmann – Gemälde von Leo Breuer (1931). Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Wenn es draußen kalt ist, sind wir es gewohnt ein kuschelig warmes Wohnzimmer zu haben. In der Regel drehen wir die Heizung auf und innerhalb von Minuten ist es warm. Das ist für die Meisten von uns so normal, dass wir nicht einmal mehr darüber nachdenken, woher die Energie dafür kommt und was es bedeutet, unsere Wohnungen jederzeit genau so warm zu haben wie wir wollen. Dabei würde eine kleine Zeitreise entlang einiger unserer Museumsobjekte zeigen, wie wertvoll Wärme, Licht und Energie für die Menschen aller Zeiten waren und dass sie über Jahrtausende und Jahrhunderte hinweg keineswegs selbstverständlich und immer verfügbar waren. Als der Bonner Maler Leo Breuer 1931 seinen „Kohlenmann“ malte, der mit einer Tragevorrichtung die Kohlen aus dem Keller holte, war dieser Brennstoff ein wertvolles Gut und Heizen ein „Luxus‘“ den man sich nur bei großer Kälte gönnte. Das Heraufholen der Kohlen für den Ofen war zudem anstrengende Arbeit und ein kuschelig warmes Wohnzimmer keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Einen Blogbeitrag zu unseren neuen tierischen Mitarbeiterinnen findet ihr hier.


Wenn ihr stöbern wollt, was die Kolleg*innen aus den anderen Museen für kreative, spannenden und informative Beiträge gepostet haben, schaut doch auf Facebook, Twitter und co. mal unter dem Hashtag #ArchaeoSwap2019 nach. Alternativ könnt ihr euch eine Zusammenfassung der Beiträge auch auf dieser Social Media Wall anschauen:


Ich muss sagen, dass diese Aufgabe trotz der Vorbereitung eine tagesfüllende war. Es hat uns allerdings viel Spaß gemacht; nicht nur eigene Beiträge dem sehr relevanten und wichtigen Thema entsprechend zu erstellen und vorzubereiten. Sondern auch die Objekte und Themen der anderen archäologischen Museen aus Deutschland zu entdecken und Synergien zu schaffen.
Wir hoffen, dass diese Aktion nicht nur uns einen Mehrwert geboten hat und wir uns als archäologische Museen zu einem Thema äußern konnten, dass uns nicht nur alle betrifft und wo wir als Museen Überschneidungen und Multiplikationen generieren können, sondern auch die Follower Spaß hatten und das ein oder andere Neue gelernt haben.

 [Anna-Katharina Dämgen, LVR-LandesMuseum Bonn]

Werbeanzeigen

3 Gedanken zu „Klimawandel auf Social Media – Wenn sich 13 archäologische Museen zusammentun

  1. Tolles Museumsthema und aktueller denn je. In der Tat, vergessen wir moderne Menschen, was Luxus wirklich bedeutet, kannst du schweigen von unserem CO2 Abdruck, denn wir hinterlassen. Die #fridaysforfuture Jugendbewegung beweist, so unvollkommen wie sie ist, dass die Zukunft, die Jugend nicht verloren ist.

    Kunst, Museen können durchaus eine wichtige Rolle, diese Welt mitzunehmen, verstehen lernen und vielleicht sogar begeistern, auch für den unsexy Klimawandel.
    Dankeschön.

    Nic Hammaburg

    Liken

    1. Genau das versuchen wir aktuell und im nächsten Jahr, wenn wir den Neandertalerbereich (inklusive frühe Menschheitsgeschichte) neu präsentieren. Die Themen Klima und vor allem auch Klimawandel spielen dabei eine große Rolle.
      Viele Grüße
      Stephanie Müller (LVR-LandesMuseum Bonn)

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.