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LVR-LandesMuseum Bonn

Fund des Monats Januar 2022

Zwei sehr alte Spaten

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

Vor über 100 Jahren wurde in der Grube Lüderich bei Rösrath altes Werkzeug von Bergleuten entdeckt. Diese Art Werkzeug wird Gezähe genannt. Die Objekte waren vermutlich zwischen 1890-1920 unter Tage von Kumpeln in Hohlräumen gefunden worden, die noch aus weit älteren Bergbautätigkeiten stammten. Diese Funde wurden dann an das damalige Bensberger Heimatmuseum übergeben, das vom Bensberger Bürgerverein gegründet worden war.

Es war damals nicht bekannt, wie alt das Gezähe ist. In jüngster Zeit konnten allerdings dank der C14-Methode Datierungen vorgenommen werden. Dafür wurden drei der hölzernen Objekte und ein Ledersack zum Transport des Erzes (eine sogenannte Bulge) untersucht – mit überraschenden Ergebnis! Die Objekte stammen aus der Karolingerzeit und dem Hochmittelalter. Jüngst wurden vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland die Proben zur Altersbestimmung auf 14 Objekte erweitert und der mittelalterliche Schwerpunkt bestätigt.

Karolingischer Bergbau im Lüderich war an sich bereits eine große Überraschung. Doch es wurden auch Anzeichen gefunden, dass es in der Region bereits seit der Zeit um Christi Geburt den Abbau von Bleierz und die Gewinnung von Silber gab. Und das fast 20 km östlich von Köln und damit außerhalb des römischen Reiches.

Zwei hölzerne Arbeitsgeräte, die aussehen wie Spaten. Sie sind verwittert und nicht mehr vollständig erhalten.
Sog. Gezähe, Werkzeug aus der Eisenzeit (ca. 800 v. Chr. bis ums Jahr 0), gefunden bei Rösrath.
Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Doch damit hörten die Überraschungen bezüglich des Alters der gefundenen Gegenstände nicht auf: Bei zwei Holzspaten mit einer Länge von etwa 60 cm wurde eine eisenzeitliche Datierung festgestellt!

Diese Werkzeuge wurden aus jeweils einem Brett eines radial gespaltenen Eichenstammes gefertigt. Die neuen Datierungen belegen, dass diese Bäume bis mindestens ins 4. oder 1. Jahrhundert v. Chr. wuchsen. Der Fertigungszeitpunkt der Spaten könnte zwar wegen der Langlebigkeit der Eichen auch noch in römischer Zeit liegen, dennoch spricht einiges für eisenzeitlichen Bergbau. Gräber und eine Wallanlage beweisen eine Besiedlung in dieser Zeit und der eisenzeitliche Abbau von Erzen ist beispielsweise auch im Siegerland belegt. Zudem sind diese Spaten nicht singulär. Hölzerne Spaten wie diese sind an verschiedenen Stellen Europas sowohl im Bergbau als auch in anderem Kontext in der Eisenzeit des Rheinlandes (800 v. Chr. bis um Christi Geburt) bekannt.

Diese Werkzeuge sind Leihgaben des Bergischen Museums für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, wo auch weitere Gezähe vom Lüderich aufbewahrt werden.


Der Fund des Monats ist im Foyer des LVR-LandesMuseum Bonn ausgestellt.

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