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Endlich Online! Die Bonner Jahrbücher

Unsere Grünen Bände sind nun auch online zugänglich.

Am 4. März 2022 schlug auf dem Mond zum ersten Mal ungeplant ein Raketenteil ein, was keiner gesehen hat, weil es ein Event auf der anderen Seite des Trabanten war. Hier auf Erden schlug an diesem Tag vor aller Augen die Nachricht ein, dass alle Bonner Jahrbücher nun für alle Menschen im Universum mit Internetanschluss lesbar sind!

Seit langem sind unsere dicken rheinländisch-grünen Bände der Bonner Jahrbücher eine Informationsplattform für die Archäologie im Rheinland und weltweit. Keine Krisen und Weltkriege, nicht Inflation und Weltwirtschaftseinbrüche, nicht Verlust und Wiedergewinnung der deutschen Einheit haben sie kleinkriegen können. Das lässt manchmal vergessen, dass sie dennoch jedes Jahr wieder neu finanziert und hier bei uns im LVR-LandesMuseum erstellt und ertrotzt werden müssen.

Bei aller Beständigkeit sind die Grünen Bände in stetem Umbau, auch wenn man das nicht gleich sieht. Das Zeitalter sich ändernder Informationstechnik fordert, dass Ergebnisse der Wissenschaft universell und barrierefrei allen zur Verfügung stehen. Und wo geht das besser als im World Wide Web?

Aufnahme von vielen Büchern in grünem Einband, die spiralförmig aufgestellt sind.
Alte und neue Exemplare der Bonner Jahrbücher, die wegen der Farbe ihres Umschlags auch „Grüne Bände“ genannt werden. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Deshalb hatten sich die Herausgeber der Bonner Jahrbücher – der Altertumsverein, das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege in Rheinland und das LVR-LandesMuseum – das Ziel gesteckt, unsere Zeitschrift als Ganzes online zu stellen. Viele wissenschaftliche Organe gehen heute mit ihren Zeitschriften ins Netz, aber die Grünen Bände sind ein besonderes Kaliber, schon von der schieren Menge und zeitlichen Tiefe her. Dafür braucht man einen langen Atem. Vor allem dann, wenn man nicht einfach kopflos drauflos scannt, sondern sich dem Grundsatz des fairen Umgangs mit den Urheberrechten verschreibt. Und das halten wir für geboten, daran sind wir gebunden. Dafür muss man beharrlich mehrere tausend Korrespondenzen führen und geduldig am Ball bleiben.

Dieses Projekt hatte ziemlich genau sieben Jahre zuvor begonnen, am 26. Februar 2015 in einer Sitzung in der Uni Bonn im Kreise der Redaktion, der Herausgeber, der Partner von der UB Heidelberg und der Leitung des Rechtsamtes des Landschaftsverbandes Rheinland. Viele haben uns unterstützt, so das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege mit Mitteln aus dem Denkmalförderprogramm des Landes NRW und der Landschaftsverband mit seinen Fördermitteln. Kontaktpartner an allerhand Orten waren zu Diskussion, Rat und Klärung bereit, so das Rechtsamt des LVR, die Redaktion des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin, der LVR-Fachbereich Zentrale Dienste, die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und die Abteilung Digitales Kulturerbe des LVR. Unser Verlag gab uns geduldig Rückendeckung. Unser zuverlässigster Hauptpartner war und ist die Universitätsbibliothek Heidelberg, die die Last der technischen Abwicklung getragen hat und das Portal Propylaeum betreibt, das unsere Daten im Netz bereitstellt. Engagierte Kolleginnen führten über Jahre mit vielen, vielen Urhebern die Schriftwechsel und prägten das Geschäft persönlich.

Nach alledem bekam die Redaktion dann am 04. März 2022 die berührend schlichte Nachricht aus Heidelberg, die Digitalisierung der historischen Bestände sei nunmehr lückenlos abgeschlossen. Eine kleine Lacuna wird zuletzt doch noch nachgetupft, aber von dem 1842 erschienenen ersten Band bis in die Gegenwart ist die Reihe beeindruckend:
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bjb/index

Screenshot einer Website. Die Bonner Jahrbücher sind nach den Jahrzehnten geordnet.
Screenshot der Website mit den chronologisch geordneten Ausgaben der Bonner Jahrbücher. Die Artikel können alle als PDF gelesen und heruntergeladen werden. Link: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bjb/issue/archive

Entscheidend ist uns die Nutzerfreiheit: Bei uns muss man nicht artikelweise zahlen oder sich erst einmal unter Preisgabe der Identität registrieren lassen, man braucht nicht in eine Bibliothek zu gehen, die eine Lizenz erworben hat oder zu einer Organisation zu gehören, die freigeschaltet ist. Es gibt auch keine Beschränkungen, etwa auf die aktuellen Ausgaben oder auf die Volumina des neunzehnten Jahrhunderts. Bei uns heißt es: Egal, wo Sie auf diesem Planeten sind und einen Internetanschluss haben – schwuppdiwupp rein und Bonner Jahrbücher lesen, so einfach wie Wikipedia. Alle Themen und Texte sind mit jeder Suchmaschine in Volltextsuche auffindbar. Und die optische Qualität ist 1A.

Dennoch stehen wir weiterhin zur Tradition des Buches. Unsere gedruckten Bände sind bestens lesbar, zitierbar und zumindest vom Einstellen ins Regal an völlig klimaneutral, was für die Onlineausgabe ja leider überhaupt nicht gilt. Natürlich werden auch gedruckte Exemplare der erschienenen Bonner Jahrbücher dauerhaft und weltweit greifbar sein. Wir sind gespannt, wie die Reise weitergeht.


[Olaf Dräger, Redaktion, LVR-Landesmuseum Bonn]

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