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LVR-LandesMuseum Bonn

Roms fließende Grenzen – Leben am Limes

Plakat zur Archäologischen Landesausstellung NRW 2021/22 "Roms fließende Grenzen".
Plakat zur Archäologischen Landesausstellung NRW 2021/22 „Roms fließende Grenzen“. Gestaltung: Mikko Kriek.

Seit dem 25. November ist unsere große Sonderausstellung „Roms fließende Grenzen. Leben am Limes.“ eröffnet. Sie ist Teil der Archäologischen Landesausstellung NRW 2021/22, die an fünf verschiedenen Orten das Thema des Limes und des Rheins als Grenze zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Gebieten beleuchtet.

Die Ausstellung nimmt die Menschen entlang des Limes in den Blick. Wer waren sie? Was verschlug sie in diese weit von Rom entfernte Grenzregion? Wie wohnte und arbeitete man in den Militärlagern und Zivilsiedlungen? Wie war man zu Lande und zu Wasser und über die „nasse Grenze“ hinweg miteinander verbunden? 

In der Ausstellung möchten wir zeigen, wie es sich entlang des Limes lebte. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Limes nie eine Grenze im Sinne einer Linie am Boden mit Grenzübergängen und Schlagbaum war. Er war ein Bereich, eine Übergangsregion, ein Zwischenraum. Wirklich sichtbar wurde er nur dann, wenn ihm physischer Ausdruck verliehen wurde. Eines der Beispiele dafür ist der Hadrianswall, der in Britannien den Limes markierte. Am Niedergermanischen Limes ist es der Rhein, der als Fluss eine erfahrbare Grenzsituation erzeugte.

Wenn der Limes nun aber nie eine deutliche Linie am Boden war, kann es auch kein klares „hier“ und „dort“, „innerhalb“ und „außerhalb“ gegeben haben. Vielmehr ist der Limes ein Ort der Interaktion, der Begegnung und des Austausches. So war er auch weniger als Verteidigungseinrichtung gedacht als vielmehr als eine Zone, in der die römischen Truppen die Bewegungen der Bewohner an und über die Grenze beobachteten.

Modell des Niedergermanischen Limes.
Modell des Niedergermanischen Limes. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Helm eines Soldaten. Der bronzene Helm ist reich verziert und kann dank einer Inschrift einem Soldaten namens Lucius Fabius zugeordnet werden.
Helm eines Soldaten. Der bronzene Helm ist reich verziert und kann dank einer Inschrift einem Soldaten namens Lucius Fabius zugeordnet werden. 1Jh. n. Chr. LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Damit wir uns überhaupt vorstellen können, welchen riesigen Bereich der Niedergermanische Limes umfasste, zeigt das LVR-LandesMuseum am Beginn der Ausstellung ein großes Limes-Modell. Es verdeutlicht seine Ausmaße und erklärt mit dem Limes zusammenhängenden Themen wie beispielsweise Straßen, Baumaterial oder die römische Rheinflotte.

In den weiteren Ausstellungsbereichen begegnen uns dann die verschiedenen Menschen, die in und um Bonn lebten und arbeiten.

So lernen wir Soldaten kennen und erfahren etwas über ihren (mal mehr, mal weniger) spannenden Alltag am Legionsstandort Bonn. Die Bedeutung der Armee und ihre Organisation im Römischen Reich wird erklärt und es überrascht vielleicht, wie sehr das Leben damals unserem heutigen ähnelt. Manche Nöte der Soldaten sind nämlich auch für uns im 21. Jahrhundert absolut nachvollziehbar…

Auszug aus einem Brief. Vindolanda schreibt "Ich bitte Euch, mein Herr Cerialis, dass Ihr mich für würdig haltet, mir Urlaub zu gewähren..."
Aus Briefen wissen wir, dass die Menschen damals mit sehr ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten, wie wir heute… Foto: LVR-LandesMuseum Bonn.

Aber es lebten nicht nur Soldaten in Bonn. Es kamen Händler, Geschäftsleute, Handwerker*innen und deren Familien (darunter auch viele Personen aus den „barbarischen“ Gebieten) genauso wie politische Gesandte und versklavte Menschen aus dem gesamten Römischen Reich. Alle brachten ihre Herkunft und Kultur mit – es ging kosmopolitisch zu. Diese unterschiedliche Herkunft, die Kulturen und Einflüsse können wir in der Ausstellung dank vielfältiger Zeugnisse entdecken: Schmuck und Zierobjekte; Töpferware, Gläser und Arbeitsgerät; Kultobjekte wie Statuen, Statuetten und Grabmonumente. Sie wurden hier gefertigt, mitgebracht oder von weit her gehandelt.

Ansicht des Ausstellungsbereichs zum Thema Handel. Ein Wandbild zeigt, wie die Hafensituation vielleicht ausgesehen hat.
Der Handel wurde sowohl über das exzellente Straßennetz wie auch über den Rhein abgewickelt. So kamen Güter aus dem gesamten Römischen Reich nach Bonn. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Wir werden mitgenommen auf die Routen der Händler und sehen, wie die Waren aus dem ganzen Römischen Reich (und darüber hinaus) nach Bonn transportiert wurden. Wir erhalten Einblick in das Leben in einer villa rustica, einem Landhaus der begüterten Oberschicht, das das Flair der römischen Lebensart verströmte (warme Bäder inklusive).

Foto einer Vitrine mit Töpferware, Flaschen und Töpfen.
Töpferware in allen möglichen Formen wurden von Zugezogenen nach Bonn gebracht, aber auch vor Ort hergestellt. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Ausstellung „Roms fließende Grenzen. Leben am Limes“ führt uns das damalige Leben vor Augen als wäre es gerade mal ein paar Jahrzehnte her. Sicherlich sind zweitausend Jahre eine Grenze, die nicht leicht zu überwinden ist, aber die Ausstellung lässt diese Barriere verschwimmen und macht sie durchsichtig: Man meint, sich die Menschen vorstellen zu können. Die Schmuckstücke wären heute wieder en vogue und auch die Töpferwaren unterscheiden sich maximal durch zwei, drei Sprünge von denen, die heute in jedem Einrichtungsgeschäft zu finden sind.

Wer selbst einen Ausflug ins römische Bonn unternehmen und einen Blick in das Leben der Menschen damals werfen möchte, hat bei uns im LVR-LandesMuseum Bonn noch bis zum 29. Mai die Möglichkeit dazu.


Mehr Informationen zur Ausstellung „Roms fließende Grenzen. Leben am Limes.“ im LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Archäologische Landesausstellung NRW „Roms fließende Grenzen“ findet an 5 Standorten statt, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Alle Informationen gibt es auf Roemer.NRW

Bitte informiert euch vor dem Besuch des LVR-LandesMuseums über die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie!

Eine Antwort auf „Roms fließende Grenzen – Leben am Limes“

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