Was macht eigentlich ein*e…Kurator*in? [Museum für Zuhause]

In den letzten Wochen habt ihr schon Menschen im Museum kennengelernt. Zum Beispiel die Kunsthistoriker*innen und die Archäolog*innen. Beide können in einem Museum auch noch eine wichtige Aufgabe übernehmen. Nämlich eine Ausstellung kuratieren. Das ist ein schwieriges Wort und meint eigentlich eine Ausstellung planen, organisieren, sie zu gestalten und sich darum zu kümmern. Wenn man eine solche Aufgabe übernimmt, wird man als Kurator*in bezeichnet. Als Kurator*in muss man natürlich viel über die Sammlung und Ausstellungsstücke im Museum wissen.

Dieses Wissen ist wichtig für die Planung von den Ausstellungen. Die Planung einer Ausstellung ist spannend und kann sehr unterschiedlich sein. Vielleicht hast du ja schon einmal eine Ausstellung bei uns im Museum besucht. Zum Beispiel Ritter und Burgen oder MUSIC!. Bevor die Ausstellung von euch besucht werden kann, muss vieles geplant, vorbereitet und organisiert werden.

Im Vorfeld muss der*die Kurator*in zusammen mit den Kolleg*innen überlegen, wovon die Ausstellung handeln soll. Also müssen sie ein Thema festlegen. Die Auswahl eines guten Themas ist gar nicht so leicht. Dabei müssen einige Dinge beachtet werden: Jede Ausstellung muss zur Art des Museums passen und am besten hat man schon einige Objekte, die man dazu ausstellen könnte in der Sammlung. Natürlich sollte es ein Thema sein, das möglichst viele Besucher*innen interessiert. Im allerbesten Fall sollte das Thema sowohl für Kinder als auch Erwachsene spannend sein. Außerdem ist es wichtig, dass die Besucher*innen etwas im Museum lernen können und nochmal gerne wiederkommen.


Werde selbst zum*zur Kurator*in

1. Wähle ein Thema aus:

Möchtest du auch ein*e Kurator*in sein? Dann kannst du heute deine eigene Ausstellung planen. Dazu brauchst du nicht viel. Nur etwas Fantasie und Spaß am planen.

Wie du gerade schon gelesen hast, ist die Auswahl eines guten Themas der erste Schritt für eine spannende Ausstellung. Schau dich mal bei dir zu Hause um. Hast du eine Idee, worüber du eine Ausstellung planen könntest? Eigentlich ist alles möglich. Du könntest zum Beispiel eine Ausstellung über dein Lieblingsspielzeug, über deine Bücher, Fotos oder Lieblingshosen machen. Wenn du eine Idee hast, dann schreibe dein Thema auf den Kurator*innen-Arbeitsplan.

Den Kurator*innen-Arbeitsplan findest du hier


Wenn die Kurator*innen sich für ein Thema entschieden haben, wartet viel Arbeit auf sie. Zuerst müssen sie sich ein Konzept, also einen Plan überlegen. Dazu müssen sie viele Fragen beantworten und Dinge beachten. Zum Beispiel:

  • Wer soll sich die Ausstellung angucken?
  • Was sollen die Besucher*innen lernen?
  • Was ist besonders wichtig für die Ausstellung?

2. Überlege dir Leitfragen:

Auch du solltest dir bei deiner eigenen Ausstellung zu Hause über diese Fragen Gedanken machen. Wenn du dich zum Beispiel für eine Ausstellung über deine Lieblingsbücher entschieden hast. Überlege dir mal, was dir dabei besonders wichtig ist – was die Besucher*innen deiner Ausstellung lernen sollen. Notiere deine Gedanken auf deinem Kurator*innen-Arbeitsplan.


Als nächstes wählen die Kurator*innen die Objekte aus, die sie in ihrer Ausstellung zeigen wollen. Die Auswahl der Ausstellungsstücke sollte dabei zum Thema und zum Ziel der geplanten Ausstellung passen. Dabei können durch die ausgesuchten Objekte ganz unterschiedliche Blickwinkel auf ein und dasselbe Thema entstehen. Meistens ist es sinnvoll, nicht einfach alles zu nehmen. Denn hier hilft manchmal das Motto „Weniger ist Mehr“.


3. Triff eine Auswahl:

Jetzt wird es langsam richtig spannend. Auch du solltest eine Auswahl treffen. Diese sollte zu deinem Thema passen. Wenn du dich für deine Lieblingsbücher entschieden hast, dann überlege dir gut, welche du gerne ausstellen möchtest. Du kannst entweder direkt die Bücher ausstellen, aber auch Sachen, die mit Büchern allgemein zu tun haben. Du könntest dir zum Beispiel überlegen, wie Bücher entstehen und auch noch Papier und Stift ausstellen. Du solltest darauf achten, nicht zu viele Stücke auszuwählen. Schreibe sie in den Kurator*innen-Arbeitsplan.


Haben sich die Kurator*innen für Objekte entschieden, die sie in ihrer Ausstellung zeigen wollen, beginnen sie ganz viel darüber zu forschen. Dazu wälzen sie Bücher, tauschen sich mit Kolleg*innen aus und recherchieren im Internet. Das ist ein bisschen so wie Detektiv-arbeit. Nur so können sie sich sicher sein, dass sie alle wichtigen Informationen haben und später den Besucher*innen möglichst viel Spannendes vermitteln können. Im Anschluss an die Recherche notieren die Kurator*innen ihre gesammelten Informationen sorgfältig.

Um an Informationen über die Objekte zu kommen, müssen viele Bücher gewälzt werden. Foto: J. Vogel, LandesMuseum Bonn.
Um an Informationen über die Objekte zu kommen, müssen viele Bücher gewälzt werden. Foto: J. Vogel, LandesMuseum Bonn.

4. Forsche über deine Objekte:

Jetzt sind auch deine detektivischen Fähigkeiten gefragt. Versuche etwas über deine Ausstellungsstücke herauszufinden. Wenn du dich für deine Lieblingsbücher entschieden hast, dann könntest du zum Beispiel folgende Dinge raussuchen:

– Wer hat die Bücher geschrieben?

– Wann wurden die Bücher geschrieben?

– Was passiert in den Büchern?

– Wie viele Seiten haben die Bücher?

– Warum ist es dein Lieblingsbuch?

– Gibt es auch Filme zu den Büchern?

Das sind nur einige wenige Fragen. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Versuche einfach so viel wie möglich über deine Ausstellungsstücke herauszufinden.

Schreibe die Informationen auf, die du gefunden hast.


Nachdem der*die Kurator*in alle Informationen gesammelt hat, macht der*die Kurator*in einen Plan, wie die ausgewählten Objekte gezeigt werden sollen. Dabei überlegt er*sie sich eine Reihenfolge für die Objekte. Die Objekte könnten zeitlich gezeigt werden. Das heißt, dass das älteste Objekt ganz am Anfang steht und das neuste Objekt am Ende der Ausstellung. Eine andere Möglichkeit ist, die Objekte nach ihrem Aussehen zu sortieren. Zum Beispiel könnte man zuerst alle grünen Objekte, dann alle roten Objekte und zum Schluss alle gelben Objekte zeigen. Oder man kann thematisch vorgehen und die Objekte nach Unterthemen anordnen. Bei der Wahl kommt es auch darauf an, was man sich vorher als Ziel der Ausstellung gesetzt hat und was die Besucher lernen sollen.

Für den Aufbau einer Ausstellung darf nicht vergessen werden, wie die Objekte aufgebaut werden. Bilder können zum Beispiel an die Wand gehängt werden, aber wie ist das mit Skulpturen? Wenn diese größer sind, kann man sie auf den Boden stellen. Kleinere Figuren müssen aber auf einen Sockel gestellt werden, damit niemand dagegen läuft. Um nichts zu vergessen, zeichnet der*die Kurator*in die Stücke in einen Raumplan ein. Im nächsten Schritt werden die Ausstellungsstücke dann im Raum selbst Probe gestellt. Dabei kann es durchaus passieren, dass das ein oder andere Objekt noch einmal verschoben oder umgestellt werden muss.

Hat sich der*die Kurator*in für eine Anordnung entschieden, kann er die Objekte entweder an die Wand hängen, in eine Vitrine oder auf einen Sockel stellen.

Hier siehst du unsere Ausstellung „Im Meer versunken – Sizilien und die Unterwasserarchäologie“, die wir 2017–2018 im Museum gezeigt haben. Auf dem Bild erkennt man gut die unterschiedlichen Möglichkeiten die Objekte auszustellen. Zwei hängen an der Wand und andere liegen in einer Vitrine oder auf einem Sockel. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du unsere Ausstellung „Im Meer versunken – Sizilien und die Unterwasserarchäologie“, die wir 2017–2018 im Museum gezeigt haben. Auf dem Bild erkennt man gut die unterschiedlichen Möglichkeiten die Objekte auszustellen. Zwei hängen an der Wand und andere liegen in einer Vitrine oder auf einem Sockel. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

5. Erstelle einen Aufstellungsplan:

Auch du musst dir jetzt genau überlegen, wie du deine Lieblingsbücher präsentieren möchtest. Überlege dir zum Beispiel eine Reihenfolge. Du hast ja schon ganz viel über deine Lieblingsbücher herausgefunden. Diese Informationen können dir bei deinem Plan helfen. Du könntest deine Lieblingsbücher zum Beispiel zeitlich ordnen. Dann könntest du mit dem ältesten Buch anfangen und mit dem Neusten deine Ausstellung beenden. Oder du gehst nach dem Aussehen vor und sortierst nach Größe, Farbe oder Dicke.

Du bist in der Gestaltung völlig frei. Du kannst die Reihenfolge zuerst in deinen Plan eintragen. Wenn du dir dann eine Reihenfolge überlegt hast, kannst du die Bücher mal Probe stellen. Wenn du noch nicht ganz zufrieden bist, stelle sie ruhig noch einmal um und überlege ob vielleicht eine andere Sortierung besser passt.


Hier kannst du dir anschauen, wie unsere MUSIC!-Ausstellung aufgebaut wurde:


Nachdem die Kurator*innen alle Informationen gesammelt haben, müssen sie sich noch überlegen, wie sie die Inhalte vermitteln wollen. Deshalb ist ein Einleitungstext wichtig. Darin wird erklärt, welches Thema die Ausstellung hat und was für dieses Thema wichtig ist. Nicht jede*r Besucher*in kennt sich mit jedem Thema gut aus, deshalb muss man die wichtigsten Sachen kurz erklären.

Außerdem werden Labels geschrieben. Das sind die kurzen Texte in der Ausstellung, in denen die Ausstellungsstücke erklärt werden. Doch was gehört alles auf ein Label? Als erstes natürlich der Name des Objektes. Wenn es sich zum Beispiel um ein Bild oder ein Foto handelt, dann auch der Name des*der Künstlers*Künstlerin. Außerdem kann eine kurze Beschreibung des Ausstellungsstücks gegeben werden. Die Labels sollten dabei aber auf keinen Fall zu lang werden. Die Herausforderung dabei ist, alle wichtigen Informationen in einen kurzen, interessanten Text zu verpacken. Ein Text, den die Besucher*innen gerne lesen möchten.

Hier siehst du unsere Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“, die vom 1.10.2019 bis zum 22.3.2020 zu sehen war. Links kannst du den Einleitungstext erkennen. Siehst du auch die Labels unter den Fotos? Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du unsere Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“, die vom 1.10.2019 bis zum 22.3.2020 zu sehen war. Links kannst du den Einleitungstext erkennen. Siehst du auch die Labels unter den Fotos? Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Eine andere Möglichkeit für die Besucher*innen, die noch mehr Informationen möchten oder vielleicht auch nicht so gerne lesen, sind Audioguides. Das sind die Geräte, die einem über Kopfhörer noch mehr Informationen zu den Ausstellungsobjekten geben. Die Kuratoren*innen schreiben die Texte für den Audioguide und gucken, dass dieser zu den Labels passt. So können noch weitere spannende Geschichten zu den Objekten erzählt werden, die keinen Platz auf den Labels hatten.


6. Schreibe deine Labels:

Um deine Ausstellungsplanung abzuschließen, müssen noch Labels geschrieben werden. Du kannst zum Beispiel die Namen der Bücher und den Inhalt aufschreiben. Deine gesammelten Informationen helfen dir dabei. So könnte der Inhalt eines Labels aussehen:

Das ist nur ein Bespiel für ein mögliches Label. Es liegt bei dir, was du alles darauf schreiben möchtest und wie du dein Label gestaltest. Achte nur darauf, dass die Texte nicht zu lang werden, damit es auch für alle spannend bleibt. Du kannst die Labels auf etwas dickeres Papier oder Karton schreiben, gestalten und ausschneiden. Wenn du zufrieden bist, bringe die Labels an den passenden Stellen an.

Hier siehst du Beispiele, wie Labels aussehen können. Manchmal haben sie mehr Text und manchmal weniger. Foto: L. Stein, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du Beispiele, wie Labels aussehen können. Manchmal haben sie mehr Text und manchmal weniger. Foto: L. Stein, LVR-LandesMuseum Bonn.

Wenn du für deine Ausstellung auch einen Audioguide möchtest, schreibe zu deinen Objekten noch weitere Texte und nimm sie mit dem Handy auf.


Befindet sich alles an Ort und Stelle, kann die Ausstellungseröffnung bald kommen. Damit möglichst viele Menschen von der neuen, spannenden Sonderausstellung mitbekommen, muss noch etwas Werbung gemacht werden. Das kann zum Beispiel durch ein Plakat passieren. Hierzu setzt sich der*die Kurator*in mit den Kolleg*innen der Marketing- und Presseabteilung zusammen. Gemeinsam überlegen sie sich ein gutes Motiv für ein Werbeplakat. Auf einem solchen Plakat sollte auf jeden Fall der Titel und das Datum der Ausstellung zu finden sein. Außerdem muss ein gutes Bild ausgewählt werden.


7. Gestalte dein eigenes Plakat

Wenn du möchtest, kannst du für deine eigene Ausstellung auch ein Plakat entwerfen. Deiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Probiere es einfach mal aus!


Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, kann die Ausstellung endlich eröffnet werden. Dazu werden Getränkekaltgestellt und viele Gäste eingeladen. Manchmal halten die Kurator*innen noch eine Rede, um die Gäste zu begrüßen und die Ausstellung zu erklären. Danach schauen sich die Gäste die Ausstellung an. Man unterhält man sich dann noch über die einzelnen Objekte oder was man neues gelernt hat.

Viel Spaß bei deiner eigenen Ausstellung!

Wir wünschen dir einen tollen Tag als Kurator*in

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Den gesamten Tag findet ihr auch hier als Kurator*in

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