Was macht eigentlich ein*e…Archäolog*in? [Museum für Zuhause]

Archäologie. Das Wort hast du bestimmt schon gehört, aber was bedeutet das eigentlich? Es besteht aus zwei griechischen Wörtern: „archaios“ heißt alt, und „logos“ bedeutet Lehre. Übersetzt heißt es also „Lehre von dem, was alt ist“.

Archäologie ist eine Wissenschaft und ein Archäologe oder eine Archäologin erforscht all das, was alt ist. Wie du dir sicher vorstellen kannst, ist das ganz schön viel. Deswegen muss man Archäologie erst an der Universität studieren. Dort wählen Archäolog*innen ihre Spezialgebiete aus. Denn die Archäologie teilt sich in viele verschiedene Richtungen auf.

Hier geht es heute aber um die Archäolog*innen, die die Zeit erforschen, in der die Römer bei uns lebten. Und wenn du dich auch schon immer wie ein*e Archäolog*in fühlen wolltest, dann bist du hier genau richtig. Denn heute kannst du Teil einer archäologischen Ausgrabung werden.

Ausgrabung des römischen Vicus im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Foto: C. Credner, Trier.
Ausgrabung des römischen Vicus im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Foto: C. Credner, Trier.

Viele denken bei Archäologie an Menschen, die im Dreck buddeln und mit Pinseln goldene Schätze und riesige Knochen freilegen.

Aber woher wissen die Archäolog*innen immer so genau wo die Dinge unter der Erde verborgen sind? Tatsächlich wissen Sie es nicht immer. Häufig werden die Archäolog*innen zum Beispiel zu Baustellen gerufen oder begleiten den Bau eines Gebäudes, weil zum Beispiel römische Überreste von Gebäuden, Friedhöfen oder Straßen vermutet werden. Diese müssen dann von den Archäolog*innen untersucht werden. Erst, wenn die Archäolog*innen alles dokumentiert haben, darf weiter gebaut werden.

Die andere Möglichkeit ist, dass eine Ausgrabung geplant wird. Dabei müssen sich die Archäolog*innen natürlich ganz genau überlegen, wo sie graben. Schließlich kostet das viel Geld und Zeit.

Bei der Planung und Suche können heute verschiedene Methoden helfen. Eine Möglichkeit ist die Luftbildarchäologie.

Dabei fotografiert man die Landschaft aus der Luft. Diese Fotos helfen den Archäolog*innen dabei, Gebäude oder andere Bauwerke zu finden, die heute unter der Erde liegen. Selbst dann, wenn nur winzige Reste da sind.

Denn Pflanzen wachsen dort, wo zum Beispiel alte Gebäudereste liegen, nicht mehr so hoch. Das liegt daran, dass sie dort weniger Wasser bekommen. Wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartet, kann man das aus der Luft gut erkennen.

Luftbild einer römische villa rustica. Ruhr-Universität Bochum/Baoquan Song.
Luftbild einer römische villa rustica. Foto: Ruhr-Universität Bochum/Baoquan Song.

Hier kannst du noch mehr über die Methoden der Archäolog*innen lernen:

Haben die Archäolog*innen eine Stelle gefunden, die ihnen interessant erscheint, können die Ausgrabungen beginnen. Dafür muss erst der Boden abgetragen werden. Bei großen Grabungsflächen übernimmt das ein Bagger. Doch es kann auch vorkommen, dass die Archäolog*innen selbst mit Spaten und Schaufel arbeiten müssen.

Ausgrabung im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Hier siehst du die Reste einer römischen Mauer. Wenn du genau hinschaust, kannst du sogar die unterschiedlichen Schichten im Boden erkennen. Foto: C. Credner, Trier.
Ausgrabung im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Hier siehst du die Reste einer römischen Mauer. Wenn du genau hinschaust, kannst du sogar die unterschiedlichen Schichten im Boden erkennen. Foto: C. Credner, Trier.

Dabei gehen die Archäolog*innen ganz vorsichtig vor. Sie möchten ja nichts kaputt machen. Dazu wird eine Schicht Erde nach der anderen abgetragen. Denn sie arbeiten stratigrafisch. Das ist ein wirklich schwieriges Wort. Es bedeutet, dass die Archäolog*innen eine Schicht im Boden nach der anderen abtragen. Dabei gehen sie sehr behutsam vor. Du kannst es dir fast wie bei einem Kuchen mit unterschiedlichen Füllungen vorstellen. Zuerst isst du die oberste Schicht, die Erdbeeren. Danach isst du den Pudding, der unter den Erdbeeren lag. Und schließlich isst du den fluffigen Teig, der die Grundlage für den Kuchen ist. So hast du den Kuchen stratigrafisch gegessen.

Sind die Archäolog*innen auf eine spannende Schicht gestoßen, legen sie das große Werkzeug beiseite und rüsten sich mit ihren besonderen Kellen aus. Die Kelle ist ein sehr persönliches Werkzeug von den Archäolog*innen. Die meisten Archäolog*innen besitzen mehrere Kellen. Mit Hilfe der Kelle und anderen Werkzeugen können die Befunde und Funde freigelegt werden. Dabei müssen die Archäolog*innen sehr vorsichtig sein.

Ausgrabung des römischen Vicus im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Siehst du das orange Rohr im rechten Bildfeld? Das ist ein modernes Rohr. Als es verlegt wurde, wusste man nicht, dass es eine römische Mauer durchquert. Die Archäolog*innen sprechen dann von einem gestörten Befund. Foto: L. Stein.
Ausgrabung des römischen Vicus im Archäologischen Landschaftspark Nettersheim. Siehst du das orange Rohr im rechten Bildfeld? Das ist ein modernes Rohr. Als es verlegt wurde, wusste man nicht, dass es eine römische Mauer durchquert. Die Archäolog*innen sprechen dann von einem gestörten Befund. Foto: L. Stein.

Hier wird der Unterschied zwischen einem Befund und einem Fund nochmal etwas genauer erklärt:

https://www.youtube.com/watch?v=Ml81sNdxMVE


Doch was findet man denn eigentlich alles auf so einer Grabung aus der römischen Zeit? Das sind oft Gefäße und Scherben aus Ton, denn sie erhalten sich im trockenen Boden viel besser als zum Beispiel Gegenstände aus Holz oder Stoffe. Außerdem waren Dinge aus Ton schnell und einfach herzustellen. Die Archäolog*innen untersuchen die Form der Töpfe und die Verzierungen genau. Dann wissen sie, wie alt die Töpfe sind. Häufig finden die Archäolog*innen nur noch Scherben von solchen Gefäßen. Manchmal haben sie Glück und können die Scherben wieder zusammenfügen. Wie bei einem Puzzle.


Was für ein Scherbensalat…

Versuche es doch einmal selbst. Hier haben wir ein ganz schönes Scherben-Puzzle für dich. Schneide die einzelnen Scherben sorgfältig aus und klebe sie passend auf ein Blatt Papier.

Hier findest du das Scherbenpuzzle

So sollte die fertige Schale nachher aussehen:

Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Übrigens. Die Schale, die du gepuzzelt hast, ist eine besondere Schale: Das Sonntags-Geschirr der Römer. Heute bezeichnen wir die Keramik als Terra Sigillata. Das ist lateinisch und heißt: „gestempelte Erde“. Wie die Römer sie nannten, wissen wir nicht. Typisch für Terra Sigillata ist die glänzend orange-rote Farbe. Die Teller, Schalen und Becher sind sehr oft aufwendig verziert.


Gestalte deine eigene Terra Sigillata-Schale

Versuche es doch einmal selbst und gestalte deine eigene Schale. Deiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt! Du kannst deinen Namen schreiben, Blumen, Tiere oder Herzen malen. All das worauf du Lust hast! Natürlich kannst du auch viele bunte Farben benutzen.

Hier geht’s zum Download der Malvorlage


Wenn die Archäolog*innen einen Fund oder Befund haben, müssen Sie diesen sehr gut dokumentieren. Denn eine archäologische Ausgrabung hat immer den Zweck, die vergangene Geschichte besser zu verstehen.

Den Archäolog*innen ist es auch wichtig, ihre Ergebnisse für die späteren Generationen zu bewahren. Deswegen wird die Grabungsfläche fotografiert, beschrieben und gezeichnet. Das muss sehr ordentlich und genau geschehen, damit andere Archäolog*innen später noch gut nachvollziehen können, was und wie auf der Grabung vorgefunden wurde.

 

Hier siehst du eine Archäologin, die dabei ist den Befund zu zeichnen. Dabei müssen die Archäolog*innen sehr sorgfältig sein, damit alle Ergebnisse der Grabung festgehalten werden können. Foto: C. Credner, Trier.
Hier siehst du eine Archäologin, die dabei ist den Befund zu zeichnen. Dabei müssen die Archäolog*innen sehr sorgfältig sein, damit alle Ergebnisse der Grabung festgehalten werden können. Foto: C. Credner, Trier.

Hier kannst du dir noch spannende Videos zu archäologischen Ausgrabungen und Datierungsmethoden anschauen:


Natürlich finden Archäolog*innen auch noch andere Dinge als Keramik, Steine und Dreck. Sehr oft finden sie Münzen. Die Archäolog*innen freuen sich dann, denn die Münzen geben über ganz verschiedene Dinge Auskunft. Damit können Archäolog*innen dann auch die Funde, die neben der Münze lagen, datieren. Auf den Münzen sind meistens auch Bilder drauf. Zum Beispiel vom Kaiser.

Heute ist das ja auch noch so. Schau dir mal die Münzen in deinem Sparschwein an. Jedes Land hat ein eigenes Bild auf der Rückseite der Münze. So kann man die Münzen den Ländern zuordnen. Siehst du auch die Jahreszahl die darauf steht? Sie zeigt an, wann die Münze hergestellt wurde.

Das war bei den Römern ganz ähnlich. Auf der Vorderseite der Münze haben sich die Kaiser abbilden lassen. Außen am Rand, steht in der lateinischen Sprache ihr Name. Die Münzen wurden im ganzen römischen Reich benutzt. Damit die Menschen die Kaiser erkennen konnten, wurden ihre Gesichter sehr genau abgebildet. Daher wissen die Wissenschaftler*innen heute, wann die Münze benutzt wurde.

Die Wissenschaftler*innen, die sich mit Münzen beschäftigen, heißen Numismatiker*innen. Und die Wissenschaft heißt Numismatik. Das ist ein sehr spannender Bereich und erfordert sehr viel Wissen und ein gutes Gedächtnis. Die Numismatiker*innen müssen in der Lage sein die Münzen sehr sorgfältig zu untersuchen. Sie müssen lernen ganz genau hinzuschauen und schon kleine Details zu erkennen, denn nicht jede Münze ist noch so gut erhalten. Durch all ihr Wissen und die dadurch erlernten Fähigkeiten, sind sie in der Lage sehr viel über die Geschichte der Münze zu erfahren. Durch die Numismatik können wir noch ganz viel über Münzen lernen.


Ordne die römischen Kaiser ihren Münzen zu

Möchtest du dich auch mal wie ein*e richtige*r Numismatiker*in fühlen? Dann haben wir hier genau das Richtige für dich. Hier siehst du sechs Porträtköpfe von römischen Kaisern. Diese passen zu den sechs Münzen.

Kannst du die Köpfe den richtigen Münzen zuordnen?

Schau dir dazu die Köpfe einmal genau an und überlege dir, woran man sie wiedererkennen könnte: Erkennst du Unterschiede in ihren Gesichtern? Vielleicht hat einer ja eine ganz spitze Nase? oder einen Bart und ein ganz dünnes Gesicht? oder ein anderer hat vielleicht lockige Haare?

Wenn du möchtest, kannst du dir die Merkmale der Köpfe auch einkreisen. Schau dir dann die Münzen an. Entdeckst du die Merkmale wieder?  Es ist nicht leicht, aber wenn du genau hinschaust, schaffst du es bestimmt!

Trage hier die richtige Münze ein:

A.) Augustus (27 v. Chr. – 14 n. Chr.)                      Münze: __________

B.) Nero (54 n. Chr. – 68 n. Chr.)                              Münze: __________

C.) Trajan (98 n. Chr. – 117 n. Chr.)                         Münze: __________

D.) Hadrian (117 n. Chr. – 138 n. Chr.)                   Münze: __________

E.) Caracalla (198 n. Chr. – 217 n. Chr.)                 Münze: __________

F.) Gordian III (238 n. Chr. – 244 n. Chr.)               Münze: __________


Auf so einer archäologischen Ausgrabung passieren immer spannende Dinge. Doch auch so ein Tag muss einmal zu Ende gehen. Denn Archäolog*innen arbeiten nicht nur draußen auf einer Ausgrabung, sondern auch in Büros. Dort können Sie zum Beispiel die Funde und Erkenntnisse der Ausgrabung auswerten und untersuchen.

Dazu müssen die Archäolog*innen alle Funde ganz genau verpacken, beschriften und dokumentieren. Doch natürlich machen sie das nicht für sich selbst. Denn Archäolog*innen dürfen ihre Funde nicht behalten. Und das wollen sie auch gar nicht. Denn es geht ihnen nicht darum, die tollsten Schätze zu finden und damit reich zu werden. Sie sind ja keine Schatzsucher*innen, sondern Wissenschaftler*innen, deren Ziel es ist, möglichst viel über die Vergangenheit zu lernen.

Außerdem wollen sie das Vergangene schützen und bewahren und ihr erlerntes Wissen an andere Menschen weitergeben. Deswegen gelangen die Funde zum Beispiel in die Museen. Dort können sie sicher aufbewahrt werden. Gleichzeitig bekommen so auch die Menschen, die keine Archäolog*innen sind, die Möglichkeit, viel über die Vergangenheit zu lernen.

Wenn das Museum wieder geöffnet hat, kannst du dir dort ja mal einige der archäologischen Funde anschauen:

https://landesmuseum-bonn.lvr.de/de/startseite.html

Heute hast du gelernt, dass nicht nur die Funde wichtig sind. Sondern auch die Reste, die noch im Boden liegen und zum Beispiel nicht im Museum ausgestellt werden können. Diese wertvollen Überreste nennt man Bodendenkmäler. Deswegen gibt es bei uns in NRW auch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Das kümmert sich zum Beispiel darum, dass die alten Denkmäler im Boden weiterhin erhalten bleiben. Eine sehr wichtige Aufgabe.


Hier gibt es eine Suchmaschine. Dort kannst du gucken, ob auch in deiner Nähe Bodendenkmäler verborgen liegen:

https://www.kuladig.de/


Heute hast du bestimmt viele neue Wörter kennengelernt. Einige davon waren bestimmt schwieriger als andere. Findest du die Fachbegriffe in unserem Archäologie-Suchsel wieder.

Wir wünschen dir einen tollen Tag als Archäolog*in

Download

Den gesamten Tag findet ihr auch hier als Ein Tag als Archäolog*in

2 Gedanken zu „Was macht eigentlich ein*e…Archäolog*in? [Museum für Zuhause]

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