Ein Tag mit Fotografie -Teil II [Museum für Zuhause]

Das LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert: Ein Tag mit Fotografie – Teil II

Erst die technischen Entwicklungen der letzten 200 Jahre machten es möglich, Augenblicke, Ereignisse und Menschen mit einer Fotografie schnell und einfach festzuhalten. Ein Familienbild im Fotostudio zu machen konnten sich vor 100 Jahren allerdings nur reiche Menschen leisten. Bald wurden auch andere Gruppenfotos immer beliebter, zum Beispiel beim Sport oder auf der Arbeit. Sicher kennst du auch solche Fotos oder Momente, in denen Familienbilder oder Gruppenfotos gemacht werden. Vielleicht bei einer Einschulung? Zum Geburtstag? Oder Klassen- und Mannschaftsfotos? Sicher fallen dir noch viele Gelegenheiten ein.

Vor 100 Jahren etwa war die Fotografie dann in unserem Alltag angekommen: Die Fotokameras wurden immer kleiner und konnten immer günstiger hergestellt werden. Vor allen Dingen wurden die Filme und das Herstellen von Fotografien immer preiswerter. So konnten viele Menschen die Fotografie als Hobby für sich entdecken. Trotzdem sollte es noch weitere 80 Jahre dauern, bis mit der Erfindung der digitalen Fotografie uns die Fotografie täglich begleitet. Ein Foto zu machen ist für uns heute nichts Besonderes mehr. Es gehört zu unserem Leben dazu, aber nicht nur zu unserem privaten Leben. Fotografieren kann ein Beruf sein. Fotos werden in der Werbung eingesetzt und spielen in den Nachrichten eine Rolle. Die Bilderflut, der wir heute begegnen, überschwemmt uns mit so vielen Eindrücken, das es schwierig ist, Wahrheit und Lüge auseinander zu halten.

Für uns heute ist es ganz normal Fotos überall zu sehen und zu machen. Mit dem Smartphone ist es kinderleicht geworden und mit verschiedenen Apps können wir die Farbigkeit verändern, das Licht umkehren, verschiedene Filter ausprobieren oder Sticker und Emojis einfügen. Früher war das natürlich nicht so einfach.

Hier siehst du ein altes Schwarz-Weiß-Foto. Foto: A. Fuhrmann.
Hier siehst du ein altes Schwarz-Weiß-Foto. Foto: A. Fuhrmann.

Auf den Spuren der Fotografie:

Doch fragt mal eure Eltern und Großeltern, wie selbstverständlich Fotos in ihrem Leben waren? Gibt es überhaupt Kinderfotos von deinen Großeltern? Und welche Fotos gibt es aus dem Leben deiner Eltern? Während du vielleicht fast täglich Fotos machst, ist für deine Großeltern ein Foto aus ihrer Kindheit ein besonderer Schatz. Frag sie doch und lass sie dir die Geschichte zu dem Foto erzählen.


Heute ist es selbstverständlich, dass es berühmte Fotograf*innen gibt und genauso selbstverständlich ist es, dass Fotos in Museen ausgestellt werden. Das war nicht immer so, lange Zeit hat man sich darüber gestritten ob Fotografie überhaupt Kunst ist, schließlich wird sie ja nicht per Hand gemacht wie ein Gemälde und ist auch nicht einzigartig (ein Unikat). Auch das LVR-LandesMuseum Bonn hat eine große Sammlung von Fotos. Fotos sind wegen ihrer technischen Herstellung besonders lichtempfindlich. Sicher kennt ihr alte Familienfotos, die schon verblasst sind oder wo die Farben ganz verändert sind. Um solche Veränderung zu vermeiden, können Fotografien nicht lange im Museum (im Licht) gezeigt werden und müssen daher regelmäßig gewechselt werden. 

Da wir dir hier leider nicht alle Fotograf*innen und deren Fotos vorstellen können, haben wir drei besonders berühmte Fotograf*innen aus unserer Sammlung ausgewählt: Liselotte Strelow sowie Bernd und Hilla Becher.

Hier siehst du einen Bilck in unsere letzte große Fotografie-Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“, die vom 1.10.2019 bis zum 22.03.2020 zu sehen war. Foto: J.Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du einen Bilck in unsere letzte große Fotografie-Ausstellung „Fotografie in der Weimarer Republik“, die vom 1.10.2019 bis zum 22.03.2020 zu sehen war. Foto: J.Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Bis zum März hatten wir im Museum eine große Ausstellung zum Thema Fotografie. Wir haben fast 400 Fotografien aus der Zeit der Weimarer Republik gezeigt. Die Weimarer Republik war der erste demokratische Staat in Deutschland. Er bestand von 1918-1933.

Wenn du mal wissen möchtest, wie es ist, mit einer Linse aus den 1920er Jahren zu fotografieren, dann haben wir hier genau das Richtige für dich. Schau dir unser kleines Experiment mit einer Balgenkamera, ihrer Linse und einem Handy an.

Du fragst dich, was eine Balgenkamera ist? Dann schau rein:


Liselotte Strelow

Liselotte Strelow war eine der bekanntesten deutschen Berufsfotograf*innen nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurde 1908 in Redel geboren und ist 1981 in Hamburg gestorben. Liselotte Strelow nahm in Berlin Kurse in Fotografie und lernte dann 1932 im Fotostudio bei einer Fotografin, deren Fotostudio sie später übernahm.  Nach dem zweiten Weltkrieg eröffnete Sie ein Fotostudio in Düsseldorf und spezialisierte sich auf Porträt- und Theaterfotografie.

Ihre Fotos waren so beeindruckend, dass Liselotte Strelow bald bekannt wurde. Berühmt wurde sie 1959, nachdem die Deutsche Post ihr Porträt des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss als Vorlage für eine Briefmarke auswählte. Von da an machte sie Porträtfotos von vielen berühmten Menschen. Ein großer Teil dieser Porträtfotos ist nach ihrem Tod in die Sammlung des LVR-LandesMuseums gekommen.

Hier siehst du die Briefmarke für die das Porträtfoto, das Liselotte Strelow 1957 von dem Bundespräsidenten Theodor Heuss machte, als Vorlage diente. Foto: St. Fuhrmann.
Hier siehst du die Briefmarke für die das Porträtfoto, das Liselotte Strelow 1957 von dem Bundespräsidenten Theodor Heuss machte, als Vorlage diente. Foto: St. Fuhrmann.

Bestimmt hast du schon mal deine Freund*innen fotografiert. Oder deine Freund*innen haben dich fotografiert. Einfach so. Vielleicht hat deine Freund*in gerade ein total witziges Gesicht gemacht, das musstest du einfach fotografieren. Oder es war ein besonderer Moment – zusammen in der Achterbahn oder Pommes essen bei einer Geburtstagsparty. Und dann gibt’s die Fotos, da guckt man zusammen mit Freund*innen drauf und denkt „Typisch Paul, wie der wieder guckt.“, oder „Schau mal, Anna Lena, die erkennst du schon am Grinsen.“, oder „Boah, da muss der Max aber einen miesen Tag gehabt haben, der guckt ja als hätte man ihm das Handy geklaut!“.

Berühmte Fotograf*innen wie Liselotte Strelow haben auch häufig Menschen fotografiert. Manche haben sich ganz besonders dafür interessiert, Menschen in „speziellen Momenten“ abzubilden. Andere haben versucht die Laune und Stimmung der Personen einzufangen, die sie fotografiert haben. In manchen Porträts hat der*die Fotograf*in versucht festzuhalten, was ganz typisch für die fotografierte Person ist. Und wieder andere Fotograf*innen wollten gerade von prominenten Personen gerne mal eine ganz andere Seite im Bild festhalten und sie zeigen, wie sie sonst keiner kennt.

Hier siehst du verschiedene Porträts u.a. von Liselotte Strelow, die in der aktuellen Fotografie-Ausstellung „Fotografische Ausstellungen 1974-1999“ zu sehen sind. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du verschiedene Porträts u.a. von Liselotte Strelow, die in der aktuellen Fotografie-Ausstellung „Fotografische Ausstellungen 1974-1999“ zu sehen sind. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Schau dir hier das Porträt an, das Liselotte Strelow 1963 von der deutschen Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich gemacht hat. Marlene Dietrich war ein Weltstar. Sie hat Hollywood-Filme gedreht und ist auf der ganzen Welt aufgetreten. Sie war vielleicht so berühmt wie Beyoncé heute. Dann kannst du dir gut vorstellen, was für eine Frau Marlene Dietrich war: selbstbewusst, unabhängig, wunderschön und talentiert. Sie hatte eine Ausstrahlung, die jeden in den Bann gezogen hat.

Das Porträt, das Liselotte Strelow von ihr gemacht hat, ist ein Schwarz-Weiß-Foto. Da es keine Farben gibt, bilden sich die Linien und Formen durch verschiedene Grautöne ab. Je nachdem wie die Fotograf*innen das Licht einsetzen, also bestimmen aus welcher Richtung starkes oder schwaches Licht auf den Gegenstand fällt, können sie beeinflussen, ob die Linien auf dem Foto weich oder hart werden. Wenn du dir das Gesicht von Marlene Dietrich anschaust, kannst du das zum Beispiel an ihrer Nase gut sehen. Die Linien des Nasenrückens sind kaum zu erkennen. Während die Linien ihrer Augen sehr deutlich zu sehen sind.

Durch die Art wie Liselotte Strelow das Licht einsetzt, fallen die Falten von Marlene Dietrich gar nicht auf und ihre Haut wirkt weich und glatt. Schau dir die hellen und dunklen Bereiche in dem Foto an. Fällt dir auf, dass der Hintergrund ganz hell ist? Erkennst du, dass Marlene Dietrich einen Hut trägt? Und dass die runde Kante ihres Hutes ihr Gesicht einrahmt? Das hat Liselotte Strelow ziemlich clever gemacht. Findest du nicht? Indem sie Hell und Dunkel, Licht und Schatten gegensätzlich einsetzt, gibt sie dem Foto eine Tiefe. Man hat das Gefühl, als würde das Gesicht von Marlene Dietrich aus dem Foto herauskommen.   

Natürlich gab es auch Menschen, die sich ganz bewusst ausgesucht haben, von welchen Fotograf*innen sie sich gerne fotografieren lassen wollten. Sie wollten gerne ein ganz bestimmtes Bild von sich zeigen – ein bisschen so, wie wenn man heute sein Profilbild für Insta und Snapchat auswählt.


Mitmachen: Und du? Was fragst du dich, wenn du Fotos von Menschen anschaust? Vielleicht, was die Person wohl gerade gedacht hat, als sie fotografiert wurde? Hatte sie gute Laune oder schlechte? Und ob sie wohl mit dem Foto zufrieden wäre? Was würde sie über sich erzählen, wenn sie könnte? Sieht der*die Politiker*in auf dem Foto wie ein*e typische*r Politiker*in aus? Und der*die Schriftsteller*in wie ein*e typischer Schriftsteller*in? Und was für ein Mensch ist wohl diese unbekannte Person, die mir aus einem anderen Foto entgegen schaut?

Du kannst dir Fotos als Fenster vorstellen. Fenster, die sich uns beim Betrachten öffnen. Uns neue Sichtweisen oder Geschichten erzählen. Uns zum Nachdenken oder Staunen bringen. Uns neue Dinge und andere Meinungen zeigen. Und uns anregen darüber nachzudenken und Fragen zu stellen.


Bernd und Hilla Becher

Als nächstes wollen wir dir gleich zwei Fotograf*innen vorstellen. Bernd und Hilla Becher waren verheiratet und haben zusammen gearbeitet. Niemand weiß, wer von beiden welches Foto geschossen hat, deswegen tragen ihre Werke immer ihre gemeinsamen Namen.

Bernd Becher wurde 1931 in Siegen geboren und hat nach dem zweiten Weltkrieg eine Ausbildung zum Dekorationsmaler in der Werkstatt seines Vaters gemacht. Danach hat er an der Staatlichen Akademie der freien Künste in Stuttgart studiert und ist 1957 an die Düsseldorfer Kunstakademie gewechselt. In Düsseldorf hat Bernd Becher auch seine spätere Frau Hilla kennengelernt, die dort bei einer Werbeagentur arbeitete. Hilla Becher kam aus Potsdam und hatte eine Fotografie-Ausbildung gemacht. Später studierte sie auch an der Düsseldorfer Kunstakademie. Einer ihrer Lehrer ermöglichte ihr eine Fotografieabteilung an der Kunstakademie einzurichten. Ab da konnten die Studierenden auch Fotografie studieren. Ab 1976 hat Bernd Becher dort unterrichtet. Viele heute berühmte Fotograf*innen haben bei ihm gelernt.

Bekannt wurden Bernd und Hilla Becher durch ihre Fotos von Industriegebäuden  und Fachwerkhäusern. Die Fachwerkhäuser waren ihr erstes gemeinsames Projekt. Sie haben im Siegerland, das ist eine Region um die Stadt Siegen herum, so viele Fachwerkhäuser fotografiert, wie sie finden konnten. Wenn man diese Bilder dann nebeneinander anschaut, kann man gut erkennen, wie die typischen Siegerländer Fachwerkhäuser aussehen. Sie haben diese Art von Gebäude festgehalten, so wie sie ist. Das nennt man auch Dokumentation. Bernd und Hilla Becher haben sich auch an der Neuen Sachlichkeit orientiert, die kennst du ja schon.

Hier siehst du ein Blick in die Ausstellung „Fotografische Ausstellungen 1974-1999“. Erkennst du die Fachwerkhäuser? Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du ein Blick in die Ausstellung „Fotografische Ausstellungen 1974-1999“. Erkennst du die Fachwerkhäuser? Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

In unserer Sammlung haben wir aber auch noch etwas andere Fotoserien von den Bechers. Sie haben nämlich auch ganze Serien zu nur einem einzigen Gebäude gemacht, das nannten sie dann Abwicklung.

 Auf dem Foto siehst du zwei solcher Abwicklungen von Fachwerkhäusern. In jeweils acht Bildern haben sie das ganze Haus rundherum aufgenommen. Hier kannst du gut erkennen, dass sie versucht haben, immer gleich zu fotografieren. Die Bilder sind alle schwarz-weiß und wirken ein bisschen düster.

Das liegt auch daran, dass es immer wolkig war, wenn sie die Bilder gemacht haben. Kannst du dir vorstellen warum? Wenn die Sonne hell scheint, sieht man auf dem Foto Schatten. Dadurch würden die verschiedenen Seiten des Hauses auch ganz unterschiedlich hell aussehen. Das wollten die Bechers nicht. Nichts sollte das ganz neutrale Bild stören. Außerdem ist das Haus immer in der Mitte vom Bild und aus ungefähr der gleichen Entfernung aufgenommen. Für eine Ausstellung wurden die Bilder im Museum dann zusammen angeordnet. So kann man alle Seiten des Hauses auf einmal sehen. Wirkt es nicht so, als würde sich das Haus um sich selbst drehen?

Aber warum ausgerechnet die Siegerländer Fachwerkhäuser? Besonders hübsch sind sie nicht, oder? Das ist genau der Grund, warum sie sich dafür und für die Industriegebäude interessiert haben. Diese Gebäude sind weniger hübsch gebaut worden, sondern eher praktisch. Bernd und Hilla Becher fanden diesen Gegensatz zwischen praktischen Gebäuden und der künstlerischen Sicht darauf  besonders spannend. Außerdem wurden diese Gebäude nach und nach abgerissen. Man hatte entweder keine Verwendung mehr für sie oder sie waren einfach nicht mehr modern. So haben die Bechers auch Gebäude festgehalten, die es schon bald darauf nicht mehr gab.


Mach deine eigene Bilderserie:

Probiere einmal selber eine Bilderserie wie die Bechers zu machen.

Suche dir einen Gegenstand aus, von dem es bei dir Zuhause mehrere gibt. Zum Beispiel gibt es bestimmt jede Menge verschiedene Lampen bei dir Zuhause. Versuche alle Lampen genau gleich zu fotografieren: von vorne, in der Mitte vom Bild, ein- oder ausgeschaltet. Vielleicht kannst du bei deiner Kamera einstellen, dass die Fotos schwarz-weiß werden? So wie bei den Bechers. Nun sieh dir die Fotos zusammen an. Jetzt hast du die Lampen in deinem zu Hause dokumentiert. Vielleicht kannst du die Fotos ausdrucken und an eine Wand hängen. Wie gefällt dir dein Werk? Magst du es noch mit einem anderen Gegenstand versuchen? Wie wäre es mit Stühlen, Tischen, Betten oder deinem Lieblingsstofftier? Mach doch auch ein paar Abwicklungen.


Wenn wir nun dein Interesse für Fotografie geweckt haben, dann kannst du unter diesen Links noch mehr spannende Dinge darüber erfahren.

https://www.geo.de/geolino/forschung-und-technik/1497-rtkl-fotowissen-fotografieren

https://lvrlandesmuseumbonn.wordpress.com/2020/01/16/auf-den-spuren-der-kameralosen-fotografie/


Hier kannst du an einem Foto-Wettbewerb teilnehmen. Schau mal rein:

http://www.kamerakinder.de/


Wir wünschen dir einen tollen Tag mit der Fotografie!

Download

Den gesamten Tag findet ihr auch hier als Ein Tag mit Fotografie

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