Ein Tag mit den Erfindern der Fotografie [Museum für Zuhause]

Das LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert: Ein Tag mit den Erfindern der Fotografie

Fotografieren gehört heute ganz selbstverständlich zu unserem Leben und bestimmt gibt es viele, schöne Fotos von dir. Die meisten Leute können sogar mit ihrem Handy Fotos machen. Aber wie war das mit der Fotografie eigentlich? Es hat eine lange Zeit und viele technische Entwicklungen gebraucht bis Fotografieren so einfach geworden ist, wie es heute ist.

Hier siehst du eine 400 Jahre alte Zeichnungaus einem Studienbuch, die das Prinzip der Camera Obscura erklärt. Foto: Unknown author, Camera.obscura.17.jh, gemeinfrei.
Hier siehst du eine 400 Jahre alte Zeichnungaus einem Studienbuch, die das Prinzip der Camera Obscura erklärt. Foto: Unknown author, Camera.obscura.17.jh, gemeinfrei.

Die erste wichtige Entdeckung wurde schon in der Antike vor etwa 2400 Jahren gemacht: die Camera Obscura. Das ist Latein und heißt übersetzt “dunkle Kammer“. Seitdem wurden mit der Camera Obscura viele Experimente gemacht.

Du kannst du dir das so vorstellen: Die Fenster eines Zimmers werden komplett mit Holzlatten verkleidet, sodass kein Licht mehr hereinkommt. Dann wurde ein kleines Loch in eine Holzlatte gebohrt. Gegenüber vom Loch war eine helle Wand. Darauf konnte man nun ein Bild sehen. Und zwar den Baum, der draußen vor dem Fenster im Sonnenlicht stand. Nur, dass der Baum auf dem Kopf und seitenverkehrt war. Du fragst dich jetzt sicher, wie das sein kann? Jeder Punkt des Baumes wirft Licht zurück, so wie ein Spiegel. Diese Lichtpunkte zwängen sich dann durch das kleine Loch und zwar von oben nach unten und von rechts nach links. Sie treffen dann auf die Wand im dunklen Zimmer und bilden dann den Baum verkehrtherum auf der Wand ab.


Hier haben wir dir ein schönes Video von „Löwenzahn“  zur Camera Obscura rausgesucht.

Und bei „Wissen macht Ah!“ haben sie eins der frühen Experimente nachgebaut (zu sehen ab Minute 17). Das ist echt beeindruckend!

https://kinder.wdr.de/tv/wissen-macht-ah/sendungen/sendung-harry-und-heike-100.html

https://kinder.wdr.de/tv/wissen-macht-ah/bibliothek/dasfamoseexperiment/sehen/bibliothek-camera-obscura-100.html


Konnte man denn mit einer Camera Obscura schon Fotos machen?

Nein. Das ging leider noch nicht. Das wollte man aber auch gar nicht. Die Camera Obscura benutzte man früher, um die Sonne zu beobachten. Man wusste nämlich schon damals, dass man nicht direkt in die Sonne schauen darf, weil man sich sonst die Augen verletzt.

Seit dem Mittelalter kennt man die Camera Obscura auch bei uns in Europa. Dann gab es auch kleine Vorstellungen zur Unterhaltung der Leute. Die Besucher*innen setzten sich mit dem Rücken zur Öffnung und draußen machten verkleidete Leute und Schauspieler*innen Kunststücke. Kannst du dir vorstellen, wie die Leute sich erschreckt haben, als plötzlich Menschen auf der Wand auftauchten, die auch noch auf dem Kopf standen? Sie hielten sie für Gespenster, denn so etwas hatten sie noch nie gesehen!

Erst 200 Jahre später hat man dann tatsächlich angefangen, die Camera Obscura auch als Hilfsmittel für Künstler*innen einzusetzen. Zeichner*innen benutzten sie nun, um Gegenstände so realistisch wie möglich abzubilden. Das war besonders für Baumeister*innen und Architekt*innen wichtig. Aber auch Landschaftsmaler*innen verwendeten sie. Die Camera Obscura war nun natürlich kein großer Raum mehr, sondern ein handlicher Kasten, den man mitnehmen konnte. Schräg zur Öffnung war dort ein Spiegel eingelegt, der das Bild nach oben auf eine Glasplatte warf. Wenn man dort ein durchscheinendes Papier auflegte, konnte man das Bild ganz leicht nachzeichnen. Nun kam auch eine Linse zum Einsatz. Diese wurde in die Öffnung gesetzt und so hatte man ein schärferes Bild.

Auf diesem Bild kannst du sehen, wie genau diese Zeichenkameras benutzt worden sind. Die Abbildung stammt aus einem Lexikon aus dem 19. Jahrhundert. Foto: unknown illustrator, Camera Obscura box18thCentury, gemeinfrei.
Auf diesem Bild kannst du sehen, wie genau diese Zeichenkameras benutzt worden sind. Die Abbildung stammt aus einem Lexikon aus dem 19. Jahrhundert. Foto: unknown illustrator, Camera Obscura box18thCentury, gemeinfrei.
Hier siehst du eine tragbare Camera Obcura. Sie war so klein, dass man sie einfach überall hin mitnehmen konnte. Foto: Hajotthu, Goethes tragbare Camera obscura@Weimar Schiller-Haus, CC BY-SA 3.0.
Hier siehst du eine tragbare Camera Obcura. Sie war so klein, dass man sie einfach überall hin mitnehmen konnte. Foto: Hajotthu, Goethes tragbare Camera obscura@Weimar Schiller-Haus, CC BY-SA 3.0.

Bastel deine eigene Camera Obscura

Du brauchst:

  • einen Schuhkarton
  • ein Cutter-Messer
  • schwarze Farbe oder schwarzes Papier
  • schwarzer Edding oder Filzstift
  • Klebeband
  • Alufolie
  • Transparentpapier
  • eine Stecknadel
  • eine*n Bastelhelfer*in zum Ausschneiden

So geht’s:

1. Zuerst brauchen wir eine Öffnung an einer der kleinen Seiten des Schuhkartons. Dafür nimmst du das Cutter-Messer und schneidest ein etwa 8 cm breites und 5 cm hohes Fenster hinein. Auf der gegenüberliegenden Seite bleibt an den Seiten und am unteren Rand nur ein 1 cm breiter Rand stehen. Am besten du zeichnest es dir vorher an und lässt dir beim Ausschneiden helfen. Je nachdem, was für einen Karton du hast, kann es sein, dass er jetzt ein wenig auseinanderfällt. Du kannst jedoch mit Klebeband die Seitenwände des Kartons befestigen. Unser Karton sieht jetzt so aus:

Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

2. Jetzt nimmst du ein Stück Alufolie, das etwas größer ist, als das kleine Fenster. Klebe es mit Klebeband über das Fenster. Sei dabei ganz vorsichtig, die Alufolie darf nicht reißen.

Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

3. Als nächstes muss der Karton von innen ganz schwarz werden. Male ihn mit schwarzer Farbe an oder beklebe die Innenflächen mit schwarzem Papier. Vergiss nicht den Deckel! Es muss nicht hübsch aussehen, hinterher sieht man das nicht. Die Alufolie bemalst du am besten mit einem schwarzen Edding.

Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

4. Nachdem die Farbe oder der Kleber getrocknet ist, kann es weitergehen. Nimm ein Stück Transparentpapier und schneide es so zu, dass es etwas größer als die verbleibende Öffnung ist. Nun klebst du auch das mit Klebeband fest.

Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

5. Jetzt kann der Deckel drauf. Am besten klebst du ihn auch mit Klebeband fest, damit wirklich kein ungewolltes Licht in deine Camera Obscura kommen kann. Zuletzt brauchst du die Stecknadel. Mit ihr stichst du ein kleines Loch mitten in die Alufolie hinein.

Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
Fotos Camera Obscura: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

6. Jetzt kannst du deine Camera Obscura benutzen. Richte die Seite mit der Alufolie auf etwas sehr Helles. Vielleicht steht vor deinem Fenster auch ein Baum in der Sonne. Auf dem Transparentpapier solltest du jetzt ein Bild erkennen können. Das funktioniert am besten, wenn du selber im Schatten bist. Probiere vielleicht eine Decke über dich und den hinteren Teil deiner Camera Obscura zu legen. Wenn das Bild sehr unscharf ist, probiere näher ran oder weiter weg zu gehen.


Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt hat auch eine Anleitung für eine Camera Obscura auf ihrer Seite. Da kann man sogar die Schärfe und Größe des Bildes verstellen. Probier doch mal beides aus. Was gefällt dir besser?

https://www.dff.film/basteltipp-lochkamera/


Bis zur Digitalkamera und zum Handyfoto war es von der Camera Obscura noch ein weiter Weg. Der erste Fotoapparat, mit dem man wirklich die Bilder aus Licht auf einer Platte dauerhaft festhalten konnte, wurde erst 1826 erfunden. Vorher fehlten dazu die richtigen Chemikalien. Aber von diesem Moment an änderte sich etwas Grundsätzliches in der Welt der Bilder: man konnte Bilder nicht mehr nur malen und zeichnen, man konnte sie auch technisch als Abbildung von der Welt machen.

Dieses Bild zeigt die älteste Fotografie der Welt. Sie ist nicht wie heute auf Papier, sondern auf einer polierten Zinnplatte entstanden. Man nennt sie „Heliografie“. Foto: Nicéphore Niépce, Point de vue du Gras by Niépce, 1826, gemeinfrei.
Dieses Bild zeigt die älteste Fotografie der Welt. Sie ist nicht wie heute auf Papier, sondern auf einer polierten Zinnplatte entstanden. Man nennt sie „Heliografie“. Foto: Nicéphore Niépce, Point de vue du Gras by Niépce, 1826, gemeinfrei.
Dieses Bild zeigt eine nachbearbeitete Version des ersten Fotos von Niépce. Rechts und links kann man Hausmauern und Dächer erkennen. Und in der Mitte ein niedriges Gebäude mit einem abgeschrägten Dach. Außerdem noch den Horizont, bei genauem Hinsehen. Foto: Joseph Nicéphore Niépce Nicéphore Niépce, View from the Window at Le Gras, Joseph Nicéphore Niépce, gemeinfrei .
Dieses Bild zeigt eine nachbearbeitete Version des ersten Fotos von Niépce. Rechts und links kann man Hausmauern und Dächer erkennen. Und in der Mitte ein niedriges Gebäude mit einem abgeschrägten Dach. Außerdem noch den Horizont, bei genauem Hinsehen. Foto: Joseph Nicéphore Niépce, View from the Window at Le Gras, Joseph Nicéphore Niépce, gemeinfrei .

Viele Künstler*innen hat das sehr interessiert. Manche wollten mit ihrer Phantasie und ihrer Kunst zeigen, dass die Bilder, die sie machen, etwas ganz anderes sind, als diese technisch hergestellten Bilder mit dem Fotoapparat. Andere Künstler*innen aber hatten schon bald die Idee, dass man die Fotografie auch künstlerisch und phantasievoll nutzen kann – und nicht nur als (einfaches) Abbild der Wirklichkeit. Von diesen Künstler*innen und davon, dass es Fotografie heute auch im Museum gibt, erzählen wir im zweiten Teil.


Hier haben wir dir ein paar interessante Links zur Geschichte der Fotografie zusammengestellt.

https://www.kidsville.de/atelier/foto/geschichte/

https://klexikon.zum.de/wiki/Fotografie

https://www.planet-wissen.de/kultur/medien/geschichte_der_fotografie/index.html


Wir wünschen dir einen tollen Tag mit den Erfindern der Fotografie!

Download

Den gesamten Tag findet ihr auch hier als Ein Tag mit den Erfindern der Fotografie

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