Ein Tag mit schwungvollem Pinsel [Museum für Zuhause]

Das LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert: Ein Tag mit schwungvollem Pinsel – die Kunst des 20. Jahrhunderts – Teil 2

Ausschnitt aus „Composition 02“ von Leo Breuer. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Ausschnitt aus „Composition 02“ von Leo Breuer. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Kunst nach 1945 bis heute wird Moderne Kunst genannt. Mit diesem Begriff werden wie in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts viele Stilrichtungen zusammengefasst. Einige Stilrichtungen kündigten sich bereits vor dem Krieg an, andere entwickelten sich nach dem Krieg ins Abstrakte hinein. Der Zweite Weltkrieg beeinflusste vor allem die Kunstentwicklung in Europa. Er trennte Künstlergruppen, zerriss Freundschaften und machte den Austausch zwischen den Künstler*innen fast unmöglich.

Künstler mussten wie andere Männer Militärdienst leisten und im Krieg kämpfen. Viele wurden wegen ihrer Meinung oder Religion gefangengenommen oder vertrieben. Viele Künstler*innen mussten aus Angst um ihr Überleben in andere Länder fliehen und wieder andere starben in diesem Krieg. Manche Kunst wurde von Politiker*innen verboten. Abstrakt malen durfte man zum Beispiel nicht.

Nach dem zweiten Weltkrieg war nichts mehr wie es war. Viele Menschen litten unter den Folgen des Kriegs. Sie hatten Angst, Hunger und waren krank. Außerdem waren ganze Städte zerstört und die Leute hatten keinen Ort zum Leben. Auch für die Künstler*innen änderte sich die Situation. Fast alle Kunst, die sie bisher gemacht hatten, war aus der Zeit vor dem Krieg. Aber sie wollten nicht so weitermachen wie bisher. Er hatte die ganze Welt verändert und kaputt gemacht. Und wie viele andere Menschen auch, hatten viele Künstler*innen in der Zeit vor und während dem Zweiten Weltkrieg schreckliche Dinge erlebt. „Da kann man doch nicht einfach die gleichen Bilder malen wie vorher“, dachten viele Künstler*innen.

Beeinflusst durch ihre Erlebnisse haben die Künstler*innen  viel über die Kunst an sich und über den Sinn der Kunst nachgedacht. Sie waren sich nicht sicher, welche Rolle die Kunst oder Künstler*innen in der Gesellschaft spielen, wenn so schreckliche Dinge wie der Zweite Weltkrieg und die schrecklichen Verbrechen passieren können. Viele fühlten sich schuldig. Viele haben die Kriegserlebnisse in ihren Bildern dargestellt und viele haben begonnen ganz anders zu malen als vor dem Krieg. Außerdem war es nun endlich wieder erlaubt, abstrakte Bilder zu malen und mit der Kunst und dem Malen herumzuexperimentieren. Daher sind in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg viele neue Kunstrichtungen entstanden oder andere aus der Zeit von dem Krieg haben sich durchgesetzt.


Hier haben wir dir einige Videos und interessante Homepages zusammengestellt.

Die kannst du dir anschauen, wenn dich die Kunstrichtungen oder Künstler aus der Zeit interessieren oder wenn du etwas über die Kunst im Nationalsozialismus erfahren möchtest.

https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/stil-epochen/stil-epochen144.html

https://www.planet-schule.de/wissenspool/nie-wieder-keine-ahnung-malerei/

Kunst im Nationalsozialismus: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/kunst/artikel/nationalsozialismus-und-kunst


Doch es entstanden nicht nur verschiedene Kunstrichtungen. Die Künstler*innen versuchten auch, die Grenzen der Kunstgattungen aufzulösen. Sicher erinnerst du dich an die verschiedenen Gattungen der Malerei, die wir bei unserem Beitrag zu der Düsseldorfer Malerschule kennengelernt haben. Auch für die Kunst allgemein gibt es so eine Aufteilung in Gattungen. Die Künstler*innen verbanden Malerei und Skulptur in einem Kunstwerk und erzeugten dadurch eine neue Wirkung. Einige von ihnen haben mit ihrer Kunst sogar die Leinwand oder den durch Wände begrenzten Raum verlassen. Andere Künstler*innen haben ihre Bilder in Bewegung versetzt oder schufen große sich bewegende Skulpturen.


Wie das geht, kannst du dir hier anschauen:

Jean Tinguely und Alexander Calder


Bau dein eigenes Mobile:

Du brauchst:

  • eine Schere
  • Klebe, Klebeband
  • ein Lineal
  • einen Bleistift
  • Gartendraht oder Pfeifenputzer
  • buntes Papier

1. Schneide das bunte Papier etwa in viel Finger-breite Streifen und falte es dann in der Mitte. So musst du die Form nämlich nur einmal pro Streifen aufmalen und kannst gleich zwei komplett gleiche Formen ausschneiden.

2. Nun brauchst du die Pfeifenputzer oder den Gartendraht. Du nimmst 5 Pfeifenputzer oder schneidest mit einer Schere 5 Stücke Gartendraht an. Das längste Stück Gartendraht sollte etwa 15 cm haben. Die anderen 4 jeweils immer ein Stückchen kürzen. Schau am besten mal auf dem Bild.

3. Wenn du den Draht zurechtgeschnitten hast, dann biege ihn in gleichmäßige Bögen.

4. An die Enden des kleinsten Bogens klebst du jeweils eine bunte Form. Dafür befestigst du den Draht mit dem Klebeband auf einen Teil der Papierform. Den zweiten Teil der Form klebst du dann mit Klebe oben drauf, so dass man der Draht verdeckt wird.

5. Deine restlichen Papierformen klebst du auf die gleiche Art jeweils an ein Ende der übrigen Drahtbögen.

6. Nun legst du dir das Mobile, wie auf dem Bild zurecht. Du beginnst mit dem Kleinsten Bogen. Der wird ganz unten hängen. Die anderen Bögen verteilst du der Größe nach abwechselnd nach oben. Die Bögen werden später von groß nach klein geordnet untereinander hängen.

7. Nun knickst du jeweils das Ende des Drahtes um den Mobilebogen. Damit das Mobile mehr Stabilität hat kannst du auch den Bogen leicht knicken. So haben die beiden Drähte einen besseren halt und rutschen nicht ständig. Nun bist du fast fertig!

8. Jetzt brauchst du nur noch ein Stück Schnur, um dein Mobile aufhängen zu können. Die Materialien aus denen du das Mobile gebastelt hast sind so leicht, dass sie sich bei der kleinsten Bewegung in der Luft drehen bewegen werden. Durch verändertes Licht werfen die Formen auch einen anderen Schatten. So wird dein Mobile immer eine andere Wirkung erzeugen. Achte mal darauf!

Fotos Mobile: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.
Fotos Mobile: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.

In diesem Beitrag möchten wir dir drei Maler aus dieser Zeit vorstellen. Alle haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Alle drei wollten nach dem Krieg neue Ideen in ihre Kunst und ihre Bilder bringen.  Ihre Bilder kannst du dir im LVR-LandesMuseum Bonn anschauen, wenn es wieder geöffnet ist.

Leo Breuer

Leo Breuer hast du ja bereits in unserem ersten Teil zur Moderne kennengelernt. Da haben wir dir den „Kohlenmann“, ein Bild aus seinem Frühwerk vorgestellt. In dieser Zeit hat Leo Breuer Menschen und Landschaften gemalt.

„Zwei“ von Leo Breuer, 1946. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
„Zwei“ von Leo Breuer, 1946. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Beeinflusst durch seine eigenen Erlebnisse und die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg, malte er keine Menschen, Dinge und Landschaften mehr.

Einfach gesagt, malte er nur noch Farbe auf die Leinwand. Er malte Formen, Flächen und Linien. Indem er verschiede Farben nebeneinander malte, entstanden verschiedene Formen. Es waren einfache Formen wie Rechtecke, Kreise, Dreiecke, Halbkreise. Manchmal umrandete er diese Formen mit schwarzen Linien. Manchmal malte er diese Formen in knalligen Farben auf einem schwarzen Hintergrund. Manchmal malte er mit vielen verschiedenen Farben in einem Bild und manchmal einfach nur schwarz und weiß. Nach dem Zweiten Weltkrieg findest du in Leo Breuers Werk keine Menschen oder Landschaften mehr, sondern nur noch Farben und Formen.

„Rhythmus bogenlinig“, Leo Breuer, 1955. Foto: St. Taubmann geb. Schröder, LVR-LandesMuseum Bonn.
„Rhythmus bogenlinig“, Leo Breuer, 1955. Foto: St. Taubmann geb. Schröder, LVR-LandesMuseum Bonn.

Das Bild, das du hier siehst ist 1955 entstanden. Es heißt „Rhythmus bogenlining“. Auf einem schwarzen Hintergrund hat Leo Breuer senkrechte und waagerechte Linien und Bögen gemalt. Die Linien und Bögen sind abwechselnd rot, orange, gelb und blau. Er ordnete die bunten Linien gleichmäßig nebeneinander an. Die Linien verlaufen sehr ordentlich. Die Abstände zwischen den Linien sind gleichmäßig. Sie erinnern an Schlangenlinien. Durch den starken Gegensatz von bunt und schwarz, wirkt es so, als würden die bunten Linien aus dem Bild herauskommen. Es entsteht der Eindruck, dass sich hinter den Linien ein schwarzer, dunkler, tiefer Raum befindet. Besonders auffällig sind die blauen Linien.                                                        

 Merkst du, wie dein Auge beim Betrachten des Bildes immer wieder auf die blauen Linien springt? Merkst du auch, wie durch die gleichmäßige und ordentliche Anordnung der Linien, dein Auge ihrem Verlauf folgt: von unten nach oben, wieder nach unten und nach oben und immer so weiter. Dadurch entsteht eine gleichmäßige schwunghafte Bewegung. Und man hat das Gefühl, dass sich die Linien im Bild bewegen, einem gleichmäßigen Rhythmus folgen. Das ist doch interessant, dass es in einem Bild auch um Bewegung und Veränderung gehen kann.

„Ja“ von Hann Trier, 1952. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
„Ja“ von Hann Trier, 1952. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Hann Trier

Ein anderer wichtiger Künstler aus dem Rheinland ist Hann Trier. Er wurde 1915 in der Nähe von Düsseldorf geboren. In Düsseldorf besuchte er auch die Kunstakademie. Seine Bilder wurden in ganz vielen unterschiedlichen Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt.

Seine Bilder gehören zum sogenannten Informel. Das ist ein Kunststil, bei dem die Künstler*innen besonderes Interesse am Malen selbst hatten. Es ging also nicht so sehr darum, was gemalt wurde, sondern wie es gemalt wurde. Wie man mit dem Pinsel die Farbe auf die Leinwand auftrug. Die Bewegung war das Wichtige.  Hann Trier war eigentlich Linkshänder. Lange galt es als normal, dass man vieles mit der rechten Hand tut. Kinder, die ihre linke Hand benutzen wollten, wurden umerzogen, damit sie die rechte Hand nehmen. So auch Hann Trier. Das nutzte er für seine Kunst. Manche Bilder malte er mit zwei Pinseln und mit beiden Händen gleichzeitig.

„Primavera“ von Hann Trier, 1964, Hann Trier Stiftung. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
„Primavera“ von Hann Trier, 1964, Hann Trier Stiftung. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Bist du Links- oder Rechtshänder? Probiere doch auch mal aus, mit beiden Händen gleichzeitig zu malen. Was passiert dann? Funktioniert es mit beiden Hängen gleich gut? Oder musst du dich bei einer Seite mehr anstrengen?


Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay wurde 1902 in Berlin geboren. Schon als Kind hat er gerne gemalt. Wie viele Künstler*innen, hat er eine Ausbildung gemacht, bevor er Kunst an einer Kunstakademie studierte.  Anfangs hat er viele Selbstporträts und Landschaftsbilder gemalt.  Dann malte er sehr expressiv. Sicher erinnerst du dich noch, was das bedeutet. Du kannst es aber auch in unserem Beitrag zum Expressionismus nochmal nachlesen. Außerdem wurden seine Bilder immer abstrakter. Als der Zweite Weltkrieg begann, musste er auch Militärdienst leisten. Ernst Wilhelm Nay hatte aber Glück, er wurde die meiste Zeit als Kartenzeichner in Frankreich eingesetzt. Dort wurde seine Kunst geschätzt und er konnte sogar ein wenig malen.

Nach dem Krieg veränderte sich seine Malweise immer mehr. Sie wurde abstrakt und gegenstandlos. In den Jahren 1963 und 1964 hat er sich viel mit der Form von Augen beschäftigt. Deshalb nennt man diese Bilder Augenbilder. Jetzt wunderst du dich vielleicht, weil ein Auge ja ein Gegenstand ist und wir eben noch gesagt haben, dass Nay gegenstandslos gemalt hat. Stimmt! Aber er malte keine richtigen Augen, sondern experimentierte nur mit der Form des Auges. Er malte zum Beispiel bunte Kreise auf schwarzem und weißem Hintergrund. Durch den Gegensatz dieser Farben wirkt es als würden die bunten Kreise vor dem Hintergrund im Raum schweben. Ernst Wilhelm Nay nutzte gerne leuchtende Farben. Besonders sehr gegensätzliche Farben wie Rot und Grün, Blau und Gelb. Denn wenn man sie zusammen benutzt, bringen sie sich gegenseitig so richtig zum Leuchten. Das kennst du vielleicht schon aus dem Expressionismus.


Da unser Museum noch geschlossen ist, kannst du die Bilder von Ernst Wilhelm Nay leider nicht in echt anschauen. Das ist sehr schade, da sie sehr beeindruckend sind. Wenn du diesem Link folgst, dann kannst du dir seine Bilder online anschauen.

http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/ernst-wilhelm-nay/


Wir wünschen dir einen tollen Tag im 20. Jahrhundert!

Download

Den gesamten Tag im 20. Jahrhundert findet ihr auch hier als Ein Tag mit schwungvollem Pinsel

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