Ein Tag bei den Freiluftmalern [Museum für Zuhause]

Das LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert: Ein Tag bei den Freiluftmalern

Im Jahr 1819 eröffnete in Düsseldorf die Königlich-Preußische Kunstakademie. Bis 1918 entwickelte sie sich zu einer der berühmtesten Kunstakademien in Deutschland. Die Maler, die dort lehrten und ausgebildet wurden und deren Freunde, fasst man unter dem Begriff der „Düsseldorfer Malerschule“ zusammen. Mit dem Ende des ersten Weltkriegs im Jahr 1918 endete auch die Düsseldorfer Malerschule. Die Kunstakademie blieb jedoch bestehen und es gibt sie auch heute noch in Düsseldorf.

Christian Eduard Boettcher: Heimkehr vom Schulfest („Maitag“), 1852. Foto H. Th. Gerhards, LVR-LandesMuseum Bonn.
Christian Eduard Boettcher: Heimkehr vom Schulfest („Maitag“), 1852. Foto H. Th. Gerhards, LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Maler der Düsseldorfer Malerschule kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Amerika, Russland und Skandinavien. Die Schule war dafür bekannt, dass es auf der einen Seite die sehr traditionelle Malerei der Akademie gab. Auf der anderen Seite malten die Künstler immer wieder neue spannende Themen, die es vorher in der Malerei noch nicht gegeben hatte. Denn durch ihre Nähe zu den Niederlanden sowie zu Frankreich fand ein regelmäßiger Austausch mit internationalen Künstlern statt. Und durch ihre Ferne zum preußischen Regierungssitz in Berlin, hatten die Düsseldorfer Maler mehr Freiräume. Du musst nämlich wissen, dass es für die Kunst strenge Regeln gab, die z.B. festlegten wie sie unterrichtet werden musste oder was gemalt werden durfte. Das bestimmte der König von Preußen, der zugleich Deutscher Kaiser war.

Die Malerei wurde nach den gemalten Motiven in verschiedene Gruppenaufgeteilt, die Gattung genannt werden. Diese Gattungen wurden in Fächern an der Düsseldorfer Kunstakademie unterrichtet. Die höchste war die Historienmalerei. Das waren z.B. Bilder von wichtigen politischen Ereignissen. Es folgten die Porträt-, die Genre– und die Landschaftsmalerei. Bei Genrebildern zeigten die Maler Alltagsszenen aus dem Leben der Menschen. Später kam die Stilllebenmalerei als eigenständiges Fach dazu. Zusätzlich wurden Aufbau des Körpers, Architektur, Bildhauerei und Kunstwissenschaften unterrichtet. Die Lehrer der Düsseldorfer Malerschule gaben auch Privatstunden. Das ermöglichte im 19. Jahrhundert Künstlerinnen, sich wie an einer Kunstschule ausbilden zu lassen. Enge Verbindungen zum weltweiten Kunstmarkt, zu privaten Kunstsammlern und verschiedenen Unterstützern begünstigten den Einzug moderner Ansichten in die Unterrichtspläne.

Maler*innen gingen mit ihren Farben und Leinwänden in die Natur und malten dort die Landschaft. So konnten sie die Landschaft genau so malen, wie sie diese gerade in dem Moment sehen. Sie konnten Licht und Farben direkt aus ihren Beobachtungen auf die Leinwand bringen. Das war in dieser Zeit ganz neu. Vorher hatten die Maler*innen immer nur in ihrem Atelier gearbeitet. Die Landschaften wurden dann aus den Erinnerungen, ihren Skizzen und unterschiedlichen Vorlagen zusammengesetzt, wie ein Puzzle.

Die Landschaft ist von Eugène Dücker von 1885 und heißt „Abend auf Rügen“. Fotos: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Die Landschaft ist von Eugène Dücker von 1885 und heißt „Abend auf Rügen“. Fotos: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Wenn du noch etwas über Farben lernen möchtest, dann schau dir doch das Video von Checker Tobi an:


Male ein Landschaftsgemälde

Sicher hast du ein schönes Foto oder eine Postkarte von einer Landschaft. Klebe es auf ein Blatt Papier und überlege, wie es wohl darum herum aussehen könnte.

Fotos Landschaftsstillleben: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.

Dafür brauchst du:

Bild/ Foto oder Postkarte von einer Landschaft

Papier

Stifte/ Farbkasten

Schere und Kleber

So geht’s:

1. Klebe dein ausgewähltes Bild auf ein Blatt Papier. Überlege dir jetzt, wie die Umgebung ausgesehen haben könnte.

Fotos Landschaftsstillleben: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.

2. Wenn du eine Idee hast, dann kannst du loslegen und das Bild erweitern. Male so dein eigenes Landschaftsgemälde und tritt in die Fußstapfen der Maler*innen.

Ob mit Buntstiften, Wasserfarbe oder Wachsmalstiften:  Deiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Fotos Landschaftsstillleben: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.
Fotos Landschaftsgemälde: A. Fuhrmann, LVR-LandesMuseum Bonn.

Viel Spaß!


Einer der bekanntesten Maler der Düsseldorfer Malerschule ist Karl Wilhelm Hübner. Er malte vor allem Szenen aus dem Alltag. Besonders gerne menschliche und soziale Auseinandersetzungen. Dabei interessierte ihn vor allem das Leben von armen Menschen.

Hier siehst du das Bild „Die Schlesischen Weber“ von Karl Wilhelm Hübner. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier siehst du das Bild „Die Schlesischen Weber“ von Karl Wilhelm Hübner. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Sein bekanntes Bild „Die Schlesischen Weber“ hat er 1844 gemalt. Es zeigt, wie Kaufleute die Tuchballen der Weber prüfen. Da sie mit dem Tuch nicht zufrieden sind, wollen sie den Stoff nur für ganz wenig Geld oder gar nicht kaufen. Schau dir mal die Gesichter der Leute an, du kannst die Verzweiflung der Weber*innen gut erkennen. Den Weber*innen in Schlesien ging es besonders schlecht. Kurz nachdem dieses Bild entstanden ist, haben sie sich gewehrt und in einem Aufstand gegen die schlechten Bedingungen protestiert.


Das 19. Jahrhundert und die Industrie.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren alle Länder der Welt sogenannte Agrarstaaten. Das heißt, dass die meisten Menschen in der Landwirtschaft arbeiteten. Das änderte sich mit der Industrialisierung, die in England begann und sich nach und nach auch in anderen Ländern durchsetzte. Industrialisierung bedeutet, dass viele Dinge nicht mehr mit der Hand, sondern mit Hilfe von Maschinen in großen Fabriken hergestellt wurden. So ging die Produktion viel schneller, als mit der Hand zu Hause. Diese Entwicklung ging natürlich nicht von heute auf morgen, sondern dauerte ganz viele Jahre. Leider hatte die Industrialisierung auch große Nachteile für die Menschen. Es entstand eine neue Gesellschaftsschicht: die Arbeiter*innen. Diese waren oft sehr arm und mussten sehr viel arbeiten, bis zu 17 Stunden am Tag. Heute arbeiten die meisten Leute in Deutschland höchstens 8 Stunden am Tag und haben am Wochenende frei.


Industrialisierung, Maschinen und Fabriken? Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann schau doch mal hier:

https://www.planet-wissen.de/video-mit-dampf-in-eine-neue-zeit-industrialisierung-in-deutschland-100.html


Hier kannst du eine solche Industrielandschaft sehen. Das Bild wurde von August von Wille im Jahr 1870 gemalt und zeigt eine Ansicht von der Stadt Barmen mit rauchenden Schornsteinen. Foto: LVR-LandesMuseum Bonn.
Hier kannst du eine solche Industrielandschaft sehen. Das Bild wurde von August von Wille im Jahr 1870 gemalt und zeigt eine Ansicht von der Stadt Barmen mit rauchenden Schornsteinen. Foto: LVR-LandesMuseum Bonn.

Doch warum haben die Menschen in den Fabriken gearbeitet, wenn es ihnen dort so schlecht ging? Sie hatten meistens keine andere Wahl. Vor der Industrialisierung wurden viele Dinge zu Hause von Hand gefertigt. Doch die Menschen konnten nicht mit der Geschwindigkeit der Maschinen mithalten. Zum Beispiel bei der Herstellung von Stoffen. Dafür brauchte man zuerst einen Faden, der durch das verdrehen von Wolle oder Baumwolle entsteht. Das machten vor der Industrialisierung meistens Frauen zu Hause von Hand, die sogenannten Spinnerinnen. Dieser Faden wurde dann von Weber*innen zu einem Tuch verarbeitet. Ohne Maschinen brauchte man 10 Spinnerinnen um eine*n Weber*in mit Material zu versorgen.

Als dann die ersten Spinnmaschinen erfunden wurden, konnte man viel schneller und günstiger produzieren. Die Spinnerinnen wurden nicht mehr gebraucht und waren arbeitslos.

Die erste Stofffabrik in Deutschland wurde 1783/84 in Ratingen gegründet und hieß Cromford. Heute ist die Baumwollspinnerei Cromford Teil des LVR-Industriemuseums Textilfabrik Comford.

Hier siehst du ein Detail von einem Spinnkopf von der Baumwollspinnerei Cromford. Foto: LVR- Industriemuseum Textilfabrik Comford.
Hier siehst du ein Detail von einem Spinnkopf von der Baumwollspinnerei Cromford. Foto: LVR- Industriemuseum Textilfabrik Comford.

Hier kannst du dir anschauen, wie damals dort Baumwollfäden hergestellt wurden: https://industriemuseum.lvr.de/de/die_museen/ratingen/textilfabrik_cromford/textilfabrik_cromford.html

Da die Museen noch geschlossen sind, lohnt sich auch ein

Besuch der Homepage der Baumwollspinnerei Cromford, denn dort gibt es viele Bilder, Videos und Interessantes zu ihrer Geschichte.


Auch die Weber*innen verloren ihre Arbeit und fürchteten um ihr Überleben, denn ein mechanischer Webstuhl konnte die Arbeit von 100 Webern*innen ersetzen. Bedienen konnten die Maschinen einfache Arbeiter*innen. Das war sehr viel günstiger.

Hier siehst du einen mechanischen Webstuhl im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen. Foto: H. Dahmen.
Hier siehst du einen mechanischen Webstuhl im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen. Foto: H. Dahmen.

Schau dir hier an, wie schnell ein mechanischer Webstuhl gearbeitet hat. Solche Maschinen ersetzten die Arbeit der Weber*innen.

Du kannst den Webstuhl im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen besichtigen. Da die Museen noch geschlossen sind, lohnt sich auch ein Besuch der Homepage des Museums, denn dort gibt es viele Bilder, Videos und Interessantes zur Geschichte der Tuchfabrik Müller.


Jetzt weißt du schon sehr viel übers Spinnen und Weben. Probiere es doch mal selber aus! Hier haben wir eine Anleitung für dich:


Versuche einmal, selbst zu weben

Vielleicht hast du einen Webrahmen zu Hause. Wenn nicht, haben wir hier eine Anleitung, wie du dir selber einen basteln kannst.

Dafür brauchst du:

ein Stück feste Pappe oder Karton (vielleicht hast du einen alten Schuhkarton)

eine Schere, Kleber

einen Stift

ein Lineal

Wolle oder Kordel (es geht auch mit Geschenkband oder was du sonst noch finden kannst)

So geht’s:

  • Schneide aus deinem Karton ein größeres Rechteck (unseres ist 13 x 25 cm groß) und zwei kleinere Rechtecke, die so lang sein müssen wie die schmalen Seiten vom große Rechteck und etwa 3 cm breit (also bei uns 13 x 3 cm).
  • Klebe die kleineren Rechtecke etwa 2 cm von Rand der Schmalseiten entfernt auf das große Rechteck.
  • Schneide an beiden Schmalseiten gleich viele etwa 1cm tiefe und je 1 cm voneinander entfernte Schlitze in das große Rechteck. Am besten nimmst du ein Lineal und zeichnest dir alles an, damit es gleichmäßig wird.
  • Dein Webrahmen sieht jetzt so aus:
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
  • Jetzt kannst du den Webrahmen zum Weben vorbereiten. Dazu musst du zuerst die sogenannten Kettfäden spannen. Nimm deinen Webrahmen so, dass die Schmalseiten oben und unten sind, und lege deinen Faden von hinten in den ersten Schlitz oben links. Halte den Faden an der Rückseite fest und spanne ihn durch den ersten Schlitz unten links. Nun führst du den Faden an der Rückseite zum zweiten Schlitz an der Oberseite und wieder runter zum zweiten Schlitz an der Unterseite. So machst du immer weiter bis alle Schlitze besetzt sind. Schneide die Wolle ab und verknote die Enden an der Rückseite. Dein Webrahmen mit Kettfäden sollte jetzt so aussehen:
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
  • Nun beginnst du mit den sogenannten Schussfäden. Schneide dazu ein langes Stück Wolle ab und fädele es durch eine Stopfnadel (das ist eine dicke Nadel mit einer runden Spitze). Vielleicht hast du ja auch ein Weberschiffchen zu Hause oder du bastelst dir einfach eins. Nimm dazu ein weiteres Stück Karton, das etwa 3cm breit und etwas länger als die schmale Seite von deinem Webrahmen ist. Schneide es an den Enden etwas spitzer zu und mache je einen Schlitz hinein. Das sieht dann so aus:
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
  • Dann kannst du die abgeschnittenen Faden durch die beiden Schlitze führen und aufwickeln.
  • Als nächstes nimmst du deine Nadel oder dein Weberschiffchen und führst es von der Seite abwechselnd über und unter den Kettfäden entlang. Denk daran, das Fadenende festzuhalten.
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
  • Wenn du auf der anderen Seite angekommen bist, webst du wieder zurück. Dazu gehst du wieder abwechseln über und unter den Kettfäden entlang, nur diesmal andersherum. Das heißt, da, wo dein Faden nun über dem Kettfaden liegt, gehst du jetzt drunter durch und umgekehrt. Und so machst du immer weiter, Reihe für Reihe.
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
  • Ziehe den Faden immer wieder ein bisschen fest und drücke die Schussfäden zusammen. Du kannst dazu auch einen groben Kamm benutzen. Natürlich kannst du auch verschiedene Farben benutzten, Probiere auch verschiedene Materialien aus.
  • Wenn du mit der Länge zufrieden bist, schneide deine Kettfäden an der Rückseite durch und verknote immer zwei nebeneinanderliegende miteinander. Jetzt hast du ein Stück gewebten Stoff.
  • Damit kannst du zum Beispiel eine hübsche Deko für die Wand basteln. Nimm dazu einen kleinen Stock aus dem Wald oder Garten und binde die Fäden von einer Seite daran fest. Jetzt noch einen Faden an die Enden des Stockes binden und du kannst es an die Wand hängen.
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.
Fotos Webrahmen: L. Dolfen, LVR-LandesMuseum Bonn.

Viel Spaß!


Wir wünschen dir einen tollen Tag im 19. Jahrhundert!

Download

Den gesamten Tag im 19. Jahrhundert findet ihr auch hier als Ein Tag bei den Freiluftmalern

Das PDF in einfacher Sprache gibt es hier zum Download

4 Gedanken zu „Ein Tag bei den Freiluftmalern [Museum für Zuhause]

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