Fund des Monats April 2018

Ein Schleifstein aus der Jungsteinzeit

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in einer Vitrine im Foyer unseres Museums einen besonderen Gegenstand – den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

Spätjungsteinzeitlicher Schleifstein, um 2700 v. Chr. Fundort: Rheinbach, Rhein-Sieg-Kreis LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel / LVR-LandesMuseum Bonn.
Spätjungsteinzeitlicher Schleifstein, um 2700 v. Chr. Fundort: Rheinbach, Rhein-Sieg-Kreis
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / LVR-LandesMuseum Bonn.
Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Das Finderglück war den Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege bei einer Ausgrabung in einem Gewerbegebiet in Rheinbach (Rhein-Sieg Kreis) hold. Neben den erwarteten Resten der römischen Eifelwasserleitung waren es vor allem die unscheinbaren Reste von Tongefäßen, Steingeräten und Knochenbruchstücke, die das Archäologenherz höherschlagen ließen.

Diese Fundstücke konnten nämlich in die späte Jungsteinzeit um 2700 v. Chr. datiert werden. Da man nur wenig über diesen Zeitabschnitt weiß, sprechen die Fachleute auch von den „Dark Ages“ der rheinischen Jungsteinzeit. Keramikgefäße wie aus Rheinbach werden im Rheinland zwar hin und wieder entdeckt, doch ist eine genaue zeitliche Einordnung zumeist kaum möglich. So war es ein Glücksfall, dass die Keramik des Rheinbacher Fundplatzes mit Geweih- und Knochenresten zusammengefunden wurde, die sich mit Hilfe der 14C-Methode genauer datieren ließen.

Die Analysen der Knochen zeigte zudem, dass zu dieser Zeit Rind und Schwein als Haustiere gehalten wurden, zusätzlich aber auch Wildtiere wie Hirsch, Reh und Auerochse gejagt und verzehrt wurden.

Ein besonderes Fundstück stellt der vollständig erhaltene Schleifstein dar, der sich in einer Abfallgrube fand. Dieser diente – ausweislich der auf drei Seiten vorhandenen Gebrauchsspuren – höchstwahrscheinlich der Zurichtung von Beilklingen aus Feuerstein, die für das spätere Neolithikum charakteristisch sind. In Rheinbach selbst fehlten die Beilklingen, sie kommen im Rheinland insgesamt aber hundertfach als Oberflächenfunde vor. Eines der wesentlichen Beilproduktionszentren war in dieser Zeit der Lousberg bei Aachen. Möglicherweise wurden Beilhalbfabrikate von dort auf dem in Rheinbach gefundenen Schleifstein in ihre endgültige Form gebracht und in der Siedlung genutzt.

 

Der Schleifstein ist im Monat April 2018 im LVR-LandesMuseum Bonn als Fund des Monats im Erdgeschoss ausgestellt.

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2 Gedanken zu „Fund des Monats April 2018

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