Fund des Monats September 2017

Schatz im Schutt

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in einer Vitrine im Foyer unseres Museums einen besonderen Gegenstand – den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

Fund des Monats September, Deckeldose (Pyxis) aus Silber 1573. Fundort: Erkelenz-Borschemich, ehem. Rittergut Haus Palant LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel / LVR-LandesMuseum Bonn
Fund des Monats September, Deckeldose (Pyxis) aus Silber
1573. Fundort: Erkelenz-Borschemich, ehem. Rittergut Haus Palant
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland /
LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: J. Vogel / LVR-LandesMuseum Bonn

Immer wieder wird bei Vorbereitungen zum großflächigen Braunkohleabbau auch ein archäologischer Schatz ans Tageslicht geholt. Unser Fund des Monats September wurde so in Erkelenz-Borschemich auf dem Grundstück des ehemaligen Ritterguts Haus Palant gefunden – ein kleines, durch Gravierungen reich verziertes Silberdöschen.

Anhand des Vorburgfundaments der ehemaligen Wasserburg, welches im Zuge der Erweiterung des Tagebaus Garzweiler freigelegt wurde, sind einige Ereignisse in der Geschichte des Guts zu erkennen. Im Jahr 1586 wurde die Burg beispielsweise gleich zweimal im Zuge der Wirren des Truchsessischen Krieges (1583-1588) überfallen, geplündert und teilzerstört.

Das ebenfalls ins 16. Jahrhundert datierte Silberdöschen mit zylindrischem Corpus wurde ohne Inhalt gefunden und lässt sich beim Öffnen in zwei Hälften teilen. Auftraggeber zur Anfertigung war Franz Diederich von Palant zu Breitenbend (1530–1600). Vielleicht schenkte dieser es seinem 13-jährigen Sohn Christoph. Christoph von Palant heiratete im Jahr 1584 in das Rittergut in Borschemich ein. Über diese Ehe und den daraus hervorgegangenen Sohn – ebenfalls namens Franz Diederich – gelangte das Anwesen an die namensgebende Familie von Palant.

Die eingravierte Umschrift auf dem Deckel des Döschens ist in französischer Sprache verfasst und zeigt den Namen des adeligen Besitzers sowie ein vereinfachtes Wappen der Familie Palant in floraler Flächenzier.

REPOS • NE • C[H]ERCHE(?) • ICI • SWAEN • DE • PALLANT • 1573

(Die Übersetzung dieser Umschrift lautet: Ruhe nicht, suche(?) hier; ??? von Palant)

Da das dritte Wort vom Graveur mehrfach korrigiert werden musste, kann es nur erahnt werden. Auch die Bedeutung des niederländischen Wortes „SWAEN“ (Schwan) kann in diesem Zusammenhang nicht eindeutig geklärt werden. Eine mögliche Lesart wäre die Übersetzung des Wortes mit Jüngling, was auf das Verhältnis der Familienmitglieder untereinander schließen würde.

Das silberne Döschen ist im Monat September 2017 im LVR-LandesMuseum Bonn als Fund des Monats im Foyer ausgestellt.

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