Das Godesburg-Modell – Von der Entstehung bis zur Vollendung: Ein Interview mit Dr. Elke Nieveler

In der letzten Juni-Woche traf das bereits mit Spannung erwartete Modell der Godesburg aus Hamburg im LVR-LandesMuseum in Bonn ein. Schnell verbreitete sich die Nachricht unter den Kollegen/Innen, dass man sich das Godesburg-Modell im Werkstattgebäude vor dem Atelier des Fotografen anschauen kann. Was es mit diesem Modell auf sich hat, und wie es entstanden ist, erfahren Sie in dem folgenden Interview, dass ich mit Dr. Elke Nieveler, der Referentin für das Frühmittelalter im LVR-LandesMuseum Bonn, führen durfte.

Das Godesburg-Modell. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Das Godesburg-Modell. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Sarah-Maria Klose: Wie kamen Sie auf die Idee ein Modell der Godesburg in Auftrag zu geben?

Elke Nieveler: Für eine Kinderausstellung wurde eine möglichst lebensnahe Abbildung einer Burg benötigt. Da die Godesburg gut erforscht ist und auch den meisten Bonnern bekannt ist, bot sich die Rekonstruktion dieser Burg an. Ferner gibt es viele schriftliche Zeugnisse, z.B. Rechnungen, die uns von den vielen verschiedenen Bewohnern der Burg und ihren Berufen erzählen.

 

SMK: Für welche Ausstellung ist das Godesburgmodell gedacht?

EN: Zunächst wird das Godesburg-Modell auf einer Mitmachausstellung für Kinder international zu sehen sein und dann später in der Dauerausstellung des LVR-LandesMuseums Bonn. Die erste Station ist das Museon Den Haag („Ridders & Kastelen. Een nieuwe kijk op de Middeleeuwen“).

 

SMK: Auf welche historische Datierung bezieht sich das Godesburg-Modell?

EN: Das Modell zeigt die Burg am Ende des 14. Jahrhunderts, da über Schriftquellen wie archäologische Quellen die Bauweise in diesem Zeitraum sehr gut belegt ist.

 

SMK: Mit welcher Modellbaufirma haben Sie zusammengearbeitet?

EN: Für dieses Projekt haben wir mit der Firma Berkefeld und Ihlefeldt in Hamburg zusammengearbeitet. Dort sind viele Mitarbeiter seit fast 40 Jahren beschäftigt und verfügen über viel Erfahrung im Bau von technischen Funktionsmodellen. Diese müssen exakt nach Plänen erarbeitet werden. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Schiffsmodelle für Werften und lebensnahe Modelle für Modellbauanlagen.

 

SMK: Bekamen Sie finanzielle Unterstützung bei diesem Projekt? Wenn ja, von wem?

EN: Da Modelle dieser Art bis zum letzten Pinselstrich an einer Figur reine Handarbeit sind, sind sie auch entsprechend teuer. Etwa die Hälfte der Kosten – also rund 25.000 EUR – wurde dankenswerterweise von der Sparkasse KölnBonn über Gelder aus der Sparform PS-Sparen und Gewinnen gefördert.

Volker Schramm, stellvertretendes Mitglied des Vorstandes der Sparkasse KölnBonn, überreicht Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-LandesMuseums Bonn, den Check. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Volker Schramm, stellvertretendes Mitglied des Vorstandes der Sparkasse KölnBonn, überreicht Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-LandesMuseums Bonn, den Check. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

SMK: Was geschah im Vorfeld?

EN: Es gab eine Konzeption für eine Kinderausstellung zum Mittelalter. Neben digitalen Mitmach-Stationen sollte gerade auch für kleinere Kinder die Entdeckungslust zum Mittelalter gefördert werden. Wie in einem Bilderbuch sollten sie sich einzelne Themen und Bereiche zum Burgleben erschließen können. Unser Godesburg-Modell ist sozusagen als wissenschaftlich exaktes 3D-Wimmelbild zu verstehen. Ferner ist es für die Daueraustellung des LVR-LandesMuseums Bonn im Bereich Burgen gedacht, die das Rheinland als Burgenlandschaft mit den vielfältigen baugeschichtlichen wie auch sozialen Hintergründen darstellt. So schlagen wir sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

SMK: Welche Hilfsmittel haben Sie für die Rekonstruktion der Godesburg herangezogen?

EN: Zunächst die wissenschaftliche Auswertung der archäologischen Ausgrabungen an der Hauptburg durch Tanja Potthoff (erschienen in der Reihe Archäologische Ausgrabungen) und Bilder sowie Schriftquellen und Vergleichsbeispiele von Burgen ähnlicher Zeitstellung und Funktion.

SMK: Wie lange hat die Planungsphase angedauert?

EN: Voraussetzung für einen Auftrag in dieser Höhe ist eine Ausschreibung, die wissenschaftlich bereits exakte Angaben zu Farben, Maßen, Materialität aller dargestellten Gebäude, Personen und Landschaften für die Kalkulation zur Verfügung stellt. Dieses wissenschaftliche Exposé wurde in etwa einem Monat erstellt. Außerdem ist eine ständige Begleitung bis hin zu einem wissenschaftlichen Kolloquium in der Bauphase notwendig. Bei dem Kolloquium haben wir mit Frau Dr. Potthoff und Herrn Dr. Friedhoff sowie Herrn Dr. Friedrich von der Deutschen Burgenvereinigung über Einzelheiten, z. B. unsere Vorschläge zur Rekonstruktion der Türen, Fenster und Tore diskutiert.

 

SMK: Wie lange hat der Bau des Modells gedauert?

EN: Das Modell wurde innerhalb von drei Monaten gebaut.

 

SMK: Wie groß ist das Modell der Godesburg ungefähr?

EN: Die Grundfläche beträgt 1,40 x 1,00 m. Die Godesburg ist im Maßstab 1:100 dargestellt. Zu sehen ist nicht der gesamte Berg, sondern nur die Bergspitze, auf der die Burg sitzt.

 

SMK: Wie groß sind die Figuren ungefähr?

EN: Sie sind 1,8 cm groß, also etwa so groß wie ein 5 Cent-Stück.

 

SMK: Aus welchem Material bestehen die Burg und die Figuren?

EN: Die Burg besteht aus PU-Hartschaum mit hoher Brandschutzklasse und Holz, die Figuren aus Plastik. Letztere wurden nach zeichnerischen Vorgaben der Gewänder einzeln bemalt.

 

SMK: Ab wann ist das Godesburg-Modell hier im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen?

EN: Aktuell ist es noch bis zum 1.9.2017 ganz kurz bei uns im 1. Obergeschoss zu sehen. Dann reist das Godesburg-Modell nach Den Haag. Die nächste Station dieser Ausstellung wird im September 2018 hier bei uns in Bonn sein.

 

[Sarah-Maria Klose]

VERLOSUNG

Wir verlosen im Rahmen dieser Kurzpräsentation in Kooperation mit der Sparkasse KölnBonn jeweils zwei kleine Pakete mit Goodies. Dafür muss nur die Frage beantwortet werden:

Wann ist das Godesburg-Modell wieder in Bonn zu sehen?

Zur Teilnahme schicken Sie uns  die Antwort in einer Email an presse.landesmuseum-bonn@lvr.de. Wir losen unter allen Einsendungen bis zum 30.8.2017 die Gewinner aus. Die Gewinner werden per Email benachrichtigt.

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