Ole Fischer: Vergessen und Wiederentdeckt

Am 14. August dieses Jahres wäre Ole Fischer 73 Jahre alt geworden. Der 1943 in Remscheid-Lennep geborene Künstler wird zurzeit im LVR-LandesMuseum Bonn mit zahlreichen Werken ausgestellt. Dabei konzentriert sich die Ausstellung „Ole Fischer – Expressionen“ auf sein Spätwerk: Erst 1984 hat sich Fischer, der bis dahin als Lithograf gearbeitet hat, vollständig von der Lithografie gelöst und sich der Malerei zugewandt.

Fischers Kunst ist eigenwillig und auf den ersten Blick oft schrill. Beinahe überall spürt man einen gewissen horror vacui, der durch Unmengen an Formen und Farben gemindert wird. Doch erst, wenn man tatsächlich vor den Bildern steht, fällt auf, dass sich die Formen und Farben nicht nur in die Fläche ausbreiten, sondern auch in die Höhe. In unendlich vielen Schichten hat Fischer seine Werke aufgebaut, manchmal noch ein zweites Stück Leinwand mit Rahmen auf das Bild geklebt und erneut darüber gepinselt, als wäre die dadurch entstandene Dreidimensionalität gar nicht vorhanden. Manche Bilder dagegen erscheinen freier und geordneter und haben weniger von der schnellen, spontanen Arbeitsweise, die dem Großteil der Werke anhaftet. Die Methode, immer weiter (Farb-)Schicht um (Farb-)Schicht übereinander zu legen, mag Fischer aus der Lithografie in die Malerei übernommen haben. Dabei ist es nicht der Wille der Arbeiten, eine konkrete Aussage zu formulieren; vielmehr sind sie Ausdruck von Fischers Umgang mit seiner eigenen Kunst und der Kunst Anderer und Ausdruck dessen, was ihm im Moment des Malprozesses umtrieb.

Die Malereien sind ganz unmittelbar entstanden, ohne dass Vorzeichnungen oder Skizzen etwas vorweggenommen hätten. Dennoch sind die Kompositionen eben nicht nur Stücke expressiver Kunst, sondern auch Zitate anderer künstlerischer Prägungen, die er vor allem in seiner Zeit zwischen 1965 und 1971 in Amerika gesammelt hat. Dazu gehört vor allen Dingen das Prinzip des All-over-Paintings, einer flächendeckende Gestaltung ohne Hauptmotiv, die man auch bei Pollocks Drip-Paintings findet.

Fischer arbeitete dabei zum Bespiel auch mit Farbgemischen mit Öl sowie mit Wasser, sodass sich voneinander abstoßende Farbflächen entstanden.

Zu Lebzeiten bemühte sich Ole Fischer kaum um den Verkauf seiner Werke. Er wird beschrieben als nicht ganz einfacher Mensch, einsiedlerisch, klug und belesen, oft philosophierend über Gott und die Welt, besessen von einem Malfuror, mit der er immer größere Souterrainlager mit Gemälden füllte. Und trotz gelegentlicher Ausstellungen in mittelgroßen Museen und dem ein oder anderen Verkauf seiner Bilder in Galerien war lange vergessen, was und wie viel er Zeit seines Lebens produziert hatte. Eher zufällig wurden einige Werke Ole Fischers 2008, drei Jahre nach dem Tod des Künstlers, in Köln bei einer Immobilienbesichtigung entdeckt. Seitdem bemüht sich die Peter Sörries Kunst Kontor GmbH, auch nach Absprache mit Ole Fischers Tochter, darum, Fischers Werke einer breiteren Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Der Tochter soll Fischer bezüglich seines Erbes noch gesagt haben: „Du arme Socke, da kommt was auf dich zu!“ Angesichts der Massen, die er in diversen Ateliers und angemieteten Lagerräumen hinterlassen hatte, eine treffende Einschätzung.

Umso erfreulicher, dass die Werke Fischers nun sowohl Nachlassverwalter, als auch nach der letzten größeren Ausstellung 2002 wieder museale Räume fanden, um ein wenig von der Vielschichtigkeit des Künstlers zu präsentieren.

 

Das LVR-LandesMuseum Bonn zeigt die Ausstellung im Rahmen der Reihe „Szene Rheinland“ und verlängert die Ausstellungsdauer bis zum 8.1.2017.

 

[Anja Claus]

 

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