Fund des Monats Juni 2016

Grab oder Depot? Ein mittelbronzezeitliches Schwert

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in einer Vitrine im Foyer unseres Museums einen besonderen Gegenstand – den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

 

Griffzungenschwert aus Bergheim-Fliesteden. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.
Griffzungenschwert aus Bergheim-Fliesteden. Foto: J. Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Aus einer Ackerfläche in Bergheim-Fliesteden (Rhein-Erft-Kreis) ist ein außergewöhnliches Griffzungenschwert geborgen worden. Es wird auf die mittlere Bronzezeit (1500–1200 v. Chr.) datiert. Es gibt im Rheinland nur ein vergleichbares Exemplar aus Haan. Beide Schwerter markieren die westlichsten Fundpunkte dieses in Europa weit verbreiteten Schwerttyps.

Das Schwert war nur noch unvollständig erhalten – Spitze und Griffende fehlten – und in zwei Stücke zerbrochen. Ursprünglich kam das Schwert noch gebrauchsfähig in die Erde, was die Spuren an der Klinge belegen. Ob es sich um eine Grabbeigabe oder einen Depotfund mit mehreren niedergelegten Objekten handelt, ließ sich durch die Nachgrabung am Fundort nicht klären.

Ungewöhnliche ist auch die Herstellung des Schwertes. Diese erfolgte im zweiteiligen Schalengussverfahren. Danach arbeitete man die Oberfläche nach und schliff die Scheiden.

 

Das Schalengussverfahren:

Beim sogenannten Schalenguss handelt es sich um eine Verbesserung des verdeckten Herdgusses. Im Gegensatz zum verdeckten Herdguss werden beim Schalenguss Artefakte gegossen, die auf zwei Seiten plastisch ausgeformt sind. Beim verdeckten Herdguss ist es immer nur eine Seite gewesen. Für den Schalenguss werden zwei Schalen benötigt, die über Passstifte zusammengehalten werden.
Die Herstellung dieser Schalen war sicher nicht einfach, weil beide Hälften perfekt aufeinander abgestimmt sein mussten, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen wollte. Technische Details wie den Gusskanal und die Windkanäle finden wir auch bei dem Formen des Schalengusses wieder. Weil oftmals zwischen den beiden Schalen ein kleiner Raum war, floss stets etwas Bronze dorthin. Nach der Aushärtung wies das Artefakt deshalb noch „Gussnähte“ auf, die entfernt werden mussten.

Das Griffzungenschwert wird im Juni 2016 im Foyer des LVR-LandesMuseums Bonn als Fund des Monats präsentiert.

Das Schwert ist im Monat Juni 2016 als Fund des Monats im Foyer des LVR-LandesMuseums Bonn ausgestellt.

 

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