Bandkeramischer Linseneintopf – #jungsteinzeit2016

Die 3. Themenwoche läuft noch bis zum 21.3. Also schickt uns eure Fotos! Das Thema ist Landwirtschaft und Ernährung. Im letzten Blogbeitrag haben wir schon ein wenig darüber erzählt. Hier ist nun tatsächlich mal ein Rezept eines jungsteinzeitlichen Linseneintopfes. Dieser wurde schon ausgiebig von dem Verein Bandkeramiker e.V. ausgetestet und auch schon bei uns während des jungsteinzeitlichen Sommers gekocht. Es sei nur so viel gesagt, er war sehr schnell weg.

„Bandkeramischer“ Linseneintopf

Zutaten

1 Liter Wasser
Die Versorgung mit frischem Trinkwasser war für die Bandkeramiker kein Problem; sie holten es sich aus Quellen oder aus selbst gegrabenen Brunnen, die neuerdings immer häufiger entdeckt werden.

200 g Linsen (Lens culinaris)
Die Hülsenfrüchte wurden in Gärten angebaut. Die Linsensamen waren mit 2–5 mm Durchmesser allerdings viel kleiner als heutige Linsensorten.

1 Stück Schweinebauch (Sus scrofa f. domestica)
Hausschweine gab es in allen bandkeramischen Siedlungen.

3 Stangen Sellerie (Apium graveolens)
Diese Pflanzen verrottet schnell und ist deswegen schwierig nachzuweisen. Im bandkeramischen Brunnen von Kückhoven bei Aachen entdeckte man einen Samen und ein Pollenkorn. Der Sellerie ist in Mitteleuropa nicht heimisch und muss dem Mittelmeergebiet eingeführt worden sein.

1 kleine Knolle Fenchel (Foeniculum vulgare)
Siehe unter „Sellerie“ (gefunden in Luxemburg).

1 Prise Dost (Organum vulgare)
Das auch Oregano genannte Gewürz ist in Mitteleuropa heimisch und wuchs schon zur Zeit der Bandkeramiker hier (Nachweis z. B. aus dem Brunnen von Kückhoven). Dost ist an trockenen Standorten zu finden, und man kann Blätter, Blüten und Triebe verwenden. Er ist appetitanregend, verdauungsfördernd und wird u. a. in der Volksmedizin bei Husten, Blähungen und Menstruationsbeschwerden eingenommen. Auch wenn die medizinische Wirkung nicht in allen Fällen definitiv belegt ist, könnte der positive Einfluss auf die menschliche Gesundheit zu einer Nutzung des Dosts in prähistorischer Zeit geführt haben.

1 Kochlöffel Senfkörner (Acker-Senf – Sinapis arvenis)
Acker-Senf wächst auf offenen Flächen. Die Nachweise für sein Vorkommen in der Bandkeramik sind spärlich (Třtice/Rakovník in Tschechien). „Moderne“ Senfkörner stammen von anderen Arten und sind geschmacklich schärfer als die des Acker-Senfs.

1 Handvoll vorgekochte Brennnesselblätter (Große Brennessel – Urtica dioica)
Die Große Brennnessel wächst an vom Menschen gestörten Plätzen und an Waldsäumen. Sie könnte aufgrund ihrer Vitamine und Mineralstoffe genutzt worden sein. Es empfiehlt sich, nur junge Blätter zu verwenden, die etwa 15 Minuten gekocht werden sollten (den Sud verwerfen). Die in der Pflanze enthaltenen Giftstoffe werden durch diesen Vorgang unschädlich gemacht.

1 Handvoll Bärlauch (Allium ursinum)
Bärlauch ist verdauungsfördernd, leicht antiseptisch und soll bei Bluthochdruck helfen. Die Pflanze ist archäobotanisch schwer nachzuweisen (es finden sich Allium-Pollen, die nicht weiter differenzierbar sind), aber da sie im mitteleuropäischen Wald heimisch ist, haben auch die Bandkeramiker sie wahrscheinlich verwendet.

1 Prise Salz

Zubereitung

Den Topf mit Wasser füllen und zum Kochen bringen. Die über Nacht eingeweichten Linsen, den Schweinebauch sowie den kleinen geschnittenen Sellerie und Fenchel und das Salz hinzugeben. Den Dost fein wiegen (zerkleinern) und mit dem Acker-Senf ebenfalls in den Kochtopf geben. 1 ½ bis 2 Stunden köcheln lassen. Vor dem Verzehr mit den vorgekochten Brennnesseln und gewiegtem Bärlauch abschmecken.

Guten Appetit!

Das Rezept ist aus dem sehr lesenswerten Buch „Die Bandkeramiker. Erste Steinzeitbauern in Deutschland“, S. 136-137.

Jens Lüning und „Verein Bandkeramisches Aktionsmuseum e.V.“ (Hrsg.), Die Bandkeramiker. Erste Steinzeitbauern in Deutschland, VML Verlag 2012, 2. Auflage, 304 Seiten, 520 Abbildungen, ISBN 978-3-89646-027-1.

Schickt uns eure Fotos:

Ihr könnt uns noch Bilder zum Thema bis zum 21.3. als PN bei Facebook senden, dort direkt hochladen oder sie per Mail an boecker@masch-media.de senden.

Der Hashtag zur Aktion ist: #jungsteinzeit2016. Also nicht vergessen den Hashtag hinzuzufügen. Neue Einreichungen stellen wir regelmäßig vor und am Ende wird unter allen Einsendungen per Zufall ein Gewinner von zwei Freikarten und einem Katalogpaket für unser Museum ermittelt.

Zu den Teilnahmebedingungen gelangt ihr hier: http://bit.ly/1ToASz4

 

Am 17.3. wird eine Podiumsdiskussion zum Thema „Parasit Mensch? Perspektiven für die Zukunft unseres Planeten im LVR-LandesMuseum Bonn stattfinden. In einer Gesprächsrunde diskutieren Experten aus Wirtschaft, Archäologie, Landwirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Politik aktuelle Fragestellungen zur Zukunft unseres Planeten. Ist der Mensch die Krone der Schöpfung? Oder ist er nur eine in der Evolution optimierte Spezies, die sich wie ein Parasit auf der Erde ausbreitet und diese ausbeutet? Wie sieht unsere Welt in 50 Jahren aus? Wie verändern sich Umwelt, Energie, Ernährung oder auch Migration langfristig? Eine Führung um 18 Uhr durch die Ausstellung „Revolution Jungsteinzeit“ gibt Einblicke in die angesprochenen Themen. Die Podiumsdiskussion startet um 19:15 Uhr. Weitere Infos finden Sie/findet ihr auf unsere Homepage.

Der Eintritt zur Führung und Podiumsdiskussion ist frei. Um Anmeldung wird gebeten: per Mail: marketing@ga-bonn.de.

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