Fund des Monats Februar 2016

Von der Pionieraxt bis zur Münze: Funde aus einem neuen Legionslager

 

Jeden Monat zeigen wir in Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in einer Vitrine im Foyer unseres Museums einen besonderen Gegenstand – den Fund des Monats. Ob er nun aus einer aktuellen Grabung stammt, gerade frisch restauriert ist oder auch besonders schön und zu schade für das Depot, es gibt jedes Mal einen neuen Grund und die Vielseitigkeit der Archäologie wird sehr schön deutlich.

Die am Kapitelshof gefundene Dolabra. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn
Die am Kapitelshof gefundene Dolabra. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn

Eine archäologische Sensation war 2015 die Entdeckung eines bislang unbekannten Legionslagers in Bedburg-Hau-Till, Kapitelshof, unweit des römischen Hilfstruppenlagers Steincheshof gelegen. Erste Funde aus diesem Lager werden nun als Fund des Monats Februar präsentiert. Sie geben Auskunft über die Errichtungszeit, aber auch über die Ausstattung der römischen Legionäre.

Ein Highlight ist zum Beispiel die Dolabra, eine Pionieraxt. Sie gehörte zur persönlichen Ausstattung der Soldaten und diente als Multifunktionstool – Axt und Hacke – sowohl zum Holzfällen als auch zu Schanztätigkeiten. Auch der schildförmige Beschlag war Bestandteil der Ausrüstung. Von besonderem Interesse sind die ebenfalls ausgestellten Keramikgefäße und die wenigen, schlecht erhaltenen Münzen hinsichtlich der Errichtungszeit des Lagers, die wohl in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. liegt.

Luftbilder von Dr. Baoquan Song (Ruhr-Universität Bochum) zeigten eindeutige Hinweise auf ein stark befestigtes Lager im Bereich Kapitelshof. Durch gezielte Luftbildprospektion sowie Magnetometermessungen der Universität zu Köln und der Firma Terrana Geophysik konnten die Archäologinnen und Archäologen vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland mittlerweile eine komplexe Abfolge von wohl insgesamt sechs Lagerphasen nachweisen.

Das Lager umschloss einen Innenraum von etwa 15 Hektar und war mit zwei bis vier Gräben ungewöhnlich stark befestigt. Erste Ausgrabungen durch die Firma Artemus GmbH erbrachten zahlreiche Gruben und Öfen. Diese Befunde, die Anzahl der Gräben und die mehrfache Erneuerung lassen vermuten, dass es sich nicht um Marschlager, sondern um einen länger genutzten Platz für eine römische Legion handelte. Die Errichtung des Legionslagers könnte mit dem sogenannten Bataveraufstand (69/70 n. Chr.) in Zusammenhang stehen. Zu erwägen ist, ob es sich um das lange nicht eindeutig lokalisierte Arenacum, das Winterlager der 10. Legion aus dem Jahr 70 n. Chr. und kurz danach, handeln könnte.

Die Präsentation der Funde ist bis zum 14. März 2016 im 1. Obergeschoss (neben dem Sonnengott-Mosaik) des LVR-LandesMuseums Bonn zu sehen.

 

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