Das kommt 2016 – Ausstellungen im LVR-LandesMuseum Bonn

Es wird ein abwechslungsreiches Jahr mit Ausstellungen zur Fotografie (Boris Becker, Walter G. Schröter), zeitgenössischen Kunst (Zipora Rafaelov, Cony Theis) und einer großen kulturgeschichtlichen Ausstellung zu Schönheit und Schmuck im Spiegel der Zeiten (Eva’s Beauty Case).

Jahresprogramm-2016

Wir starten im Januar mit einer Ausstellung des Fotografen Boris Becker, in der er aktuelle Arbeiten präsentiert, die die inszenierte Unordnung zum Thema haben. 

27. Januar bis 20. März 2016

Boris Becker – Staged Confusion

Die Bilder werfen einerseits die Frage nach der Bedeutung gesellschaftlich anerkannter Ordnungsparameter auf und vermitteln andererseits durch ihre hohe ästhetische Wirkung in sich schlüssige, rein visuell funktionierende Bildsysteme. Ergänzt wird die Ausstellung durch frühe Werke, die in einem korrespondierenden Dialog zueinander stehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Essay von Gérard A. Goodrow im Sieveking Verlag München zum Preis von 29,00 € im Buchhandel und bei uns im Museumsshop sogar nur 19,90 € während der Ausstellungslaufzeit.

 

 

Im April geht es dann mit gleich zwei Ausstellungen weiter. Zunächst wird die Ausstellung der Preisträgerin des Rheinischen Kunstpreises des Rhein-Sieg-Kreises Zipora Rafaelov eröffnet.

15. April bis 12. Juni 2016

Zipora Rafaelov

Rafaelov setzt skulpturale und graphische Elemente miteinander in Beziehung, zum Teil in großen Rauminstallationen. Die Objekte, die sie in ihren Bildwerken verwendet, stammen aus der Ikonographie des Alltäglichen. Sie kombinieren Dinge des täglichen Gebrauchs, die jeder sofort erkennt, deren Kombination aber eine Unzahl von Geschichten lebendig werden lässt. Dabei verwendet sie fast ausschließlich Weiß, ganz selten Schwarz, und schafft mit Licht und Schatten Werke von großer Imagination.

 

 

Im April wird dann auch die Serie „Aus den Archiven“ fortgeführt. In der zweiten Fotografie-Ausstellung, die in Kooperation mit der Deutschen Fotothek in der SLUB Dresden und der Stiftung F.C. Gundlach, Hamburg, entstanden ist, wird der Bildjournalist Wolfgang G. Schröter vorgestellt.

28. April – 26. Juni 2016

Aus den Archiven II:

Wolfgang G. Schröter – Das große Color-Praktikum

Wolfgang G. Schröter zählt zur ersten Nachkriegsgeneration professioneller Farbfotografen in Deutschland. Mitte der 1950er Jahre etabliert er sich als freier Bildjournalist im Auftrag der kulturpolitischen Außendarstellung der DDR. Mit seinen avantgardistischen, ästhetisch und technologisch herausragenden Farbaufnahmen werben seit Mitte der 1960er Jahre international operierende foto-optische Unternehmen wie AGFA/ORWO in Wolfen und Carl Zeiss in Jena. Finanzielle und ideologische Beschränkungen seitens der Auftraggeber waren kaum gegeben. Seine Erfahrungen und sein technisches Know-how legte der Fotograf und Dozent 1966 im international vielbeachteten Standardwerk „Das Große Color-Praktikum“ nieder.

Schröters Umgang mit der angewandten und der Wissenschaftsfotografie – zunächst analog, schon seit Beginn der 1970er Jahre auch auf Basis elektronischer Bilderzeugung – erweist sich als visionäre Bildleistung. Er antizipiert eine Medienkunst, deren Ausmaß erst mit der digitalen Revolution um die Jahrtausendwende ihre ganze Tragweite entfaltet. In seinem freien Umgang mit Farbe, Fläche und Kontur unter Verwendung von fotografischen Verfahren wie Fotogramm und Strobo-Chromatographie erzeugt er visuell eindrucksvolle Abstraktionen. Er adaptiert verschiedene prädigitale Verfahren elektronischer Bildauswertung auf die Akt- oder Porträtfotografie und überträgt wissenschaftliche und astronomische Motivwelten in die Werbe- und Kunstfotografie.

Seine farbfotografischen Arbeiten in Werbedruckschriften, Zeitschriften und auf Messeständen entsprechen der Ästhetik der westlichen Industrie- und Wissenschaftsfotografie der Zeit und finden als solche dennoch Eingang in den Bildkanon der künstlerischen Fotografie in der DDR.

Mit den Werken Wolfgang G. Schröters aus den Archiven der Deutschen Fotothek erhalten wir in der Ausstellung die seltene und spannende Möglichkeit in äußerst komplexe, sowohl analoge als auch elektronische Prozesse der Bilderzeugung Einblick zu nehmen. Vor allem aber sehen wir einen Meister der frühen, kreativen und experimentellen Farbfotografie bei der Arbeit.

Als Extra erscheint die Begleitpublikation wie schon bei der ersten Ausstellung der Reihe „Aus den Archiven“ in Form einer Archivbox mit einer 64seitigen Begleitbroschüre und 20 qualitätvollen Prints auf Chromolux 200g-Papier. 50 Vorzugsexemplare enthalten zusätzlich ein Diapositiv.

 

 

Weiter geht es dann im Mai mit den „Gefangenen Geheimnissen“ von Cony Theis, einem partizipativen Porträtprojekt.

19. Mai – 3. Juli 2016

Cony Theis – Gefangene Geheimnisse. Kunst im Maßregelvollzug

Das partizipative Porträtprojekt entstandt mit Patienten in der forensischen Psychiatrie. Menschen, die in forensischen Kliniken leben, sind im Allgemeinen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit ausgegrenzt. Ziel des Projektes „Gefangene Geheimnisse“ ist die Entwicklung künstlerischer Arbeiten, die diese Menschen – zunächst im Kunstkontext – sichtbar werden lässt. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Frau Barbara Steffens.

 

 

Ab Juni steht die Schönheit in unserer großen kulturgeschichtlichen Ausstellung zu Schmuck und Styling im absoluten Vordergrund.

9. Juni 2016 bis 22. Januar 2016

Eva’s Beauty Case Schmuck und Styling im Spiegel der Zeiten

Das LVR-LandesMuseums Bonn besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen römischen Schmucks nördlich der Alpen und eine der größten und bedeutendsten frühmittelalterlichen Schmucks. Dazu gehören unter vielen anderen Objektgruppen auch die zahlreichen äußerst filigran gearbeiteten Goldscheibenfibeln als Beleg für die außerordentliche Kunstfertigkeit der Goldschmiede im frühen Mittelalter. Sie schöpften aus Technologien und Formenschatz der mediterranen Spätantike wie germanischer Tradition und schufen aus dieser Verbindung Kunstwerke ganz eigenen Stils.

Diese einzigartigen und kostbaren Funde stehen im Zentrum einer Ausstellung, die sich mit der Kulturgeschichte des Schmucks und der Schönheit beschäftigt. „Eva‘s Beauty Case“ lädt ein, die vielen Facetten des Ringens um menschliche Schönheit zu erleben: Die Schau spannt einen einzigartigen kultur- und epochenübergreifenden Bogen – von der Steinzeit bis in die Gegenwart; vom Bauplan der Natur über die wechselnden Schönheitsideale; von Edelsteinen als Schönheitsmittel, Handels- und Beutegut; von Schmuck, Frisur und Schminken als Statussymbol und als Ausdruck regionaler, herrschaftlicher und sozialer Identifikationen bis zum Schönheits- und Starkult der Gegenwart.

Zahlreiche interaktive Schauelemente, Medien- und Hands-On-Stationen ergänzen die Ausstellung.

 

 

Ende Juni folgen dann in unserer Reihe Szene Rheinland, die Werke von Ole Fischer.

30. Juni bis 28. August 2016

Ole Fischer – Malerei

Szene Rheinland

Die Bildwelten, die Ole Fischer mit seiner ihm eigenen Bildkonzeption entwickelt, erweisen sich als eine ungebrochene Dokumentation seiner – im Wesen unabgeschlossenen – Beobachtung über Welt, Philosophie und Kunst. Ole Fischers Bildsprache, mit der er seine Gemälde in einem unermüdlichen Prozess des Verwerfens, erneuten Überarbeitens und Aufeinanderschichtens aufbaut, bewegt sich zwischen abstrakt-expressionistischen und realistischen Farb- und Formsequenzen. Dabei entstehen jedoch keine Bildgeschichten, die einer inhaltlichen Verlaufsform folgen würden, sondern eine Stratigraphie der Assoziationen.

 

 

Im Juli feiern wir dann einen 200. Geburtstag. Geboren am 19. Juli 1816, wäre Hermann Schaaffhausen, der Erstbeschreiber unseres Neandertalers, in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden.

19. Juli bis 16. Oktober 2016

Hermann Schaaffhausen (1816-1893) zum 200. Geburtstag

In Zusammenarbeit mit der ZB Med – Leibniz Informationszentrum Lebenswissenschaften Köln

Professor Hermann Schaaffhausen hat als erster den berühmten Urmenschen-Fund aus dem Neandertal – den Neandertaler – wissenschaftlich untersucht und vor allem auch beschrieben. Das Originalskelett des Neandertalers ist seit 1877 fester Bestandteil und absolutes Highlight der Dauerausstellung des LVR-LandesMuseums.

In der Ausstellung wird anhand von Fundstücken und anderen Exponaten die Entwicklung der Archäologie, Anthropologie und verwandter Wissenschaften beleuchtet. Dabei werden einerseits Querbezüge zu Leben und Werk Hermann Schaaffhausens geschaffen, andererseits erfährt der Besucher, wie die Erkenntniswege der beteiligten Wissenschaften funktionieren. Mitmachstationen laden ein, Funde unter dem Mikroskop zu betrachten, eine Knochenprobe für eine Analyse zu entnehmen oder Röntgenbilder von Fundstücken zu interpretieren.

 

 

Fotografisch geht es im Herbst dann wieder weiter: In einem Kooperationsprojekt mit der Bundeskunsthalle zusammen, widmen wir uns dem Rhein.

9. September 2016 bis 22. Januar 2017

bilderstrom

Der Rhein und die Fotografie 2016-1853

Der Rhein lässt sich trefflich als ein Bilderstrom charakterisieren, und das gleich im doppelten Sinne. Schon mit Beginn der Bildproduktion avanciert der berühmteste aller europäischen Flüsse zu einem begehrten Motiv, das in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Stichen Verbreitung findet. In der Summe vermögen es die Rheinbilder wiederum, kollektive Vorstellungen zu erzeugen und zu modellieren. In ihren visuellen Ausprägungen changieren sie bewusst zwischen Zeugnis und Mythos, zwischen Klischee und Kunst. Solche Vorstellungsbilder prägen die Wahrnehmung auf den Rhein bis heute.

Die Ausstellung „Bilderstrom“ erkundet die ambivalenten Wechselwirkungen zwischen Fluss und Bild anhand der Fotografie. Eben jenem technischen Verfahren der Neuzeit, das seit seiner Patentfreigabe im Jahr 1839 in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Wirklichkeitstreue und einer kollektiven Sehnsucht nach Imagination steht. Die Schau vereint über 40 namhafte europäische Autorenpositionen der Fotografie, insbesondere aus Deutschland und den Anrainerstaaten Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Das Spektrum reicht von freien dokumentarischen und bildjournalistischen Arbeiten bis zu fotokünstlerischen Positionen. Damit eröffnet „bilderstrom“ facettenreich eine motivgebundene Geschichte der Fotografie.

In der Bundeskunsthalle ist zeitgleich die Ausstellung „Der Rhein – eine Europäische Flussbiografie“ zu sehen. Sie wird ein kulturgeschichtliches Panorama vom Neandertaler bis in die Gegenwart ausbreiten. Die Ausstellung wird das LVR-LandesMuseum mit bedeutenden Leihgaben unterstützen. Beide Ausstellungen können mit einem vergünstigen Kombi-Ticket besucht werden.

 

 

Das Jahr beschließen wir dann mit einem weiteren Highlight: Der Rekonstruktion der letzten ZERO-Ausstellung in Bonn.

26. November 2016 bis 26. März 2017

„ZERO in Bonn“

In Kooperation mit der ZERO-Foundation Düsseldorf

Im November 1966, also genau vor 50 Jahren, fand im Kunstmuseum der Stadt Bonn die letzte Ausstellung der Ursprungsgruppe ZERO mit Heinz Mack, Otto Piene und Günter Uecker statt. Diese Ausstellung, die mit einem großen Fest im Bahnhof Rolandseck endete, stellt einen Meilenstein der künstlerisch sehr bewegten Zeit der 60iger Jahre dar. Der LVR unterstützt die Zero Foundation seit geraumer Zeit zur Erforschung dieser wichtigen, aus dem Rheinland heraus strahlenden Kunstbewegung, die große internationale Bedeutung hat und die mit ihren Aktivitäten bis nach Amerika hin ausgestrahlt hat.

Rekonstruktion – Reflektion – Vision: Dies sind die drei Themenschwerpunkte der ZERO-Ausstellung. In Bonn wird die letzte Präsentation von ZERO rekonstruiert werden. Die Auswirkungen der ZERO-Bewegung auf andere Künstler und Kunstströmungen thematisiert der Bereich „Reflektion“ und schließlich trifft der Besucher im Bereich „Vision“ auf zeitgenössische Künstler, die ihre künstlerischen Aktivitäten mit der Intension der ZERO-Gruppe in der heutigen Zeit umsetzen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s