MuseobilBOX – Der jungsteinzeitliche Ofen

Im LVR-LandesMuseum erzählen viele Objekte von dem Leben der Menschen in der Jungsteinzeit: der Brunnen von Erkelenz-Kückhoven, Alltagsgegenstände und -gefäße aus Ton und Holz, Beile aus Feuerstein und vieles mehr. Es ist die Zeit der ersten sesshaften Menschen. Seit Juni 2015 befindet sich im Museumshof des LVR-LandesMuseums Bonn ein jungsteinzeitlicher Kuppelofen. Dieser Ofen wird ziemlich heiß. Aber er macht den Passanten und Museumsbesuchern eine große Freude, wenn er angefeuert wird, denn er backt ziemlich wohlschmeckende Fladenbrötchen wie nachfolgende Zahlen eindeutig beweisen:

  • Von 1 VIP getestet
  • Von 5 Kindern gebaut
  • Bisher schon 15 Mal befeuert
  • Bis jetzt 1,5 Festholzmeter verfeuert
  • 950 Brotlinge gebacken
  • und 1900 Mal den Brotschieber rein und raus geschoben.
Bernhard Hoëcker probierte am Familientag alles aus, auch das Brötchenbacken.
Bernhard Hoëcker probierte am Familientag alles aus, auch das Brötchenbacken.

Den Ofen verdanken wir einem besonderen Projekt, dass uns die „MuseobilBox“ im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ ermöglichte. Die MuseobilBox ist ein Projekt, das Kindern aus benachteiligten und bildungsfernen Familien einen besonderen Zugang zum Museum anbietet. Die Kinder begegnen den Wissenschaftlern und Fachleuten mit denen sie zusammenarbeiten auf Augenhöhe. Durch die intensive und enge Zusammenarbeit lernen die Kinder im Team zu agieren, genau zuzuhören, sich abzustimmen und aufeinander einzugehen. Sie werden ermutigt Fragen zu stellen, Gedanken zu äußern und Schwierigkeiten gemeinsam zu lösen. Unser Projekt befasste sich mit dem Bau eines jungsteinzeitlichen Backofens, wie er wahrscheinlich vor 7000 Jahren im Rheinland genutzt wurde.

Die Auseinandersetzung mit den originalen Objekten im Museum, das Zusammenarbeiten mit den Archäologen und das praktische Arbeiten nach historischem Vorbild öffneten den Kindern die Arbeitsmethoden des Museums und zeigten ihnen die Aufgaben und die Herausforderungen der Museumsmitarbeiter. Gemeinsam mit Archäologen vom Bandkeramischen Aktionsmuseum e.V. und unseren Museumspädagogen errichteten Kinder der Internationalen Begegnungsstätte Bonn und des Jugendzentrums Uns Huus der Caritas diesen Ofen aus Zweigen, Basaltsteinen und Lehm. Sie verwendeten nicht nur Baumaterialien aus der heimischen Natur, sondern nutzten für den Bau auch keinerlei technische Hilfsmittel. So wie früher wurde der Lehm mit den Füßen gestampft und die Hände als Schaufel und Transportgefäß genutzt. Das kleine Model unseres jungsteinzeitlichen Kuppelofens, das alle Kinder gemeinsam und zusätzlich während des Baus des großen Ofens hergestellt haben, befindet sich aktuell im Studiolo der archäologischen Landesausstellung „Revolution Jungsteinzeit“.

Und wie der Bau des Ofens aussah und wie genau das funktioniert, dafür gibt es hier nun noch eine kleine Anleitung:

Schritt 1: Hasel- und Weidenruten wurden eine Woche vor Baubeginn gewässert, damit sie sich leicht biegen lassen. Aus Holzpflöcken wurde die halbrunde Grundform abgesteckt.

Schritt 2: Die Hasel- und Weidenruten wurden längs und quer der Ofenform nach, wie beim Weben, ineinender gesteckt. Die Vorderseite bleibt frei.

Schritt 3: Der Lehm wurde aus Heu, Wasser, Sand und Pulverlehm zusammengemischt und auf dem Gerüst des Ofens innen und außen aufgebracht. Wichtig war dabei, dass er von beiden Seiten gleichzeitig am Gerüst angebracht wurde. Dadurch verband sich das Material einheitlich um das Ofengerüst.

Schritt 4: Der Ofenboden wurde mit Basaltsteinen ausgelegt, mit Lehm verfugt und am Ofenrand befestigt. Abschließend musste noch nasser Lehm glatt über diese Steinunterlage gestrichen werden. Diese sogenannte Tenne dient als Unterlage zum Backen des Brotes.

Schritt 5: Schließlich wurde die gesamte Außenwand des Backofens noch einmal mit einer heufreien Lehmschicht geglättet.

Schritt 6: Nach einer Trocknungszeit von 4-6 Wochen wurde der Ofen eingebrannt. Hierfür wurde im Inneren ein Feuer entzündet und einen ganzen Tag lang brennen gelassen. Auf diese Weise wurden die Materialien versiegelt und haltbar gemacht.

Der Ofen befindet sich im Hof des LVR-LandesMuseums und wird auch in Zukunft noch häufig bei Aktions- und Familientagen zum Brotbacken betrieben.

 

Anna Herber

 

Gefördert durch:

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