Der grüne Steinzeit-Daumen

Seit einigen Wochen hören sich die Gespräche zwischen den Museumsbüros und in den Werkstätten oft so an:

„Hast du schon gesehen, wie gut die Erbsen gewachsen sind?“ „Haben Sie schon die Erdbeeren probiert, super gut schmecken die!“ „Ich habe ja noch nie gesehen, wie Linsen wachsen. Hoffentlich sieht man da bald was!“

Gerste und Lein wachsen wie wild in den Pflanzkästen im Skulpturenhof. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum Bonn.
Gerste und Lein wachsen wie wild in den Pflanzkästen im Skulpturenhof. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum Bonn.

Im Skulpturenhof und vor dem Museum stehen seit Anfang April fünf Pflanzkästen, in denen die Mitarbeiterinnen der Museumspädagogik Pflanzen hegen und pflegen, die sich schon in der Jungsteinzeit nachweisen lassen. Ein solcher Nachweis erfolgt übrigens durch archäobotanische Untersuchungen. Die Forscher untersuchen dabei Pollen und Pflanzenreste, die sich erhalten haben. So können sie feststellen, welche Pflanzen schon damals wuchsen und sogar, welche Pflanzen von den Menschen schon angebaut und gegessen wurden.

Vor dem Museum steht der Emmer im schönsten Sonnenschein. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.
Vor dem Museum steht der Emmer im schönsten Sonnenschein. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.

Die wichtigsten Pflanzen waren für die ersten Bauern Getreide wie Emmer, Einkorn und Gerste. Daraus konnten sie Brot backen und Getreidebrei kochen. Heute werden Emmer und Einkorn nicht mehr so oft angebaut, sie sind sehr empfindlich und wenig ertragreich. Vor dem Museum können Sie diese seltenen Sorten noch sehen, bis die Erntezeit gekommen ist.

Linsen. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.
Linsen. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.

Erbsen und Linsen waren ebenfalls schon vor 7000 Jahren im Rheinland bekannt. Im Skulpturenhof wachsen sie so gut, dass wir die meisten Erbsen schon ernten konnten. Erbsen und Linsen waren beliebte Zutaten für Suppen und Eintöpfe. Neben der Gerste wächst im Skulpturenhof Lein. Aus Lein konnte man Stoffe weben, aber auch Öl herstellen. Beides können Archäologen jedoch nicht sicher für die Jungsteinzeit nachweisen. Durch unsere Pflanzkästen ist uns klar geworden, wie sehr die Bauern in der Jungsteinzeit vom Wetter abhängig waren. Bei Unwettern fragen wir uns zuhause immer bange, ob unser Getreide das wohl überlebt. Und in der Tat, letzte Woche ist ein Teil der Gerste vom Sturm abgeknickt worden. Blattläuse und andere Schädlinge machen auch vor unseren Pflanzen nicht halt. Wir ärgern uns dann ein bisschen, kaufen unser Mittagessen dann aber eben woanders. In der Steinzeit war das anders. Ein Unwetter oder ein Käfer konnte bedeuten, dass die Familie im Winter hungern musste.

Hmmmm-beeren. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.
Hmmmm-beeren. Foto: A. Segbers, LVR-LandesMuseum.

Im Sommer dagegen wuchsen im Rheinland zum Glück schon Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren – natürlich waren die Beeren deutlich kleiner als heute, aber bestimmt genauso lecker und süß.   Die Pflanzkästen sind Teil der „REVOLUTION jungSTEINZEIT. Archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen„, die ab dem 5. September bei uns zu sehen ist.   Anne Segbers

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