My museum – Ein Museumsporträt entsteht

Im letzten Jahr lief das Projekt „My museum“ in dem Kinder und Jugendliche das LVR-LandesMuseum Bonn neu entdecken konnten. Wir haben uns sehr viel Zeit genommen die Sammlung des Museums zu erkunden. Etwas Besonderes war, dass die Kinder und Jugendlichen das Museum aus unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt haben.

Beim ersten Treffen sind die Projektteilnehmer dem Museum ganz frisch und unvoreingenommen begegnet. Einige Kinder und Jugendliche kannten zwar unterschiedliche Bereiche wie die Steinzeit oder die Römer schon von Besuchen mit ihrer Schulklasse, aber wir haben bewusst das Thema der Sammlung offen gelassen. Die Kinder und Jugendlichen machten sich frei auf die Suche nach dem besonderem Kunstwerk oder Objekt, das ihnen besonders gefallen oder fasziniert oder sogar abschreckt hat. Anschließend tauschten sie sich vor den Objekten über die Objekte aus und versuchten die ausgewählten Kunstwerke den Begriffen „Schön“, „Gerecht“ und „Mutig“ zuzuordnen.

Fotoworkshop
Während des Fotoworkshops gab es nicht nur profissionelle Kameras, sondern auch merkwürdige Perspektiven. Alles wurde ausprobiert.

Die Kinder und Jugendlichen trafen z. B. eine Restauratorin, einen Techniker und Museumspädagogen, die ihnen ausführlich in mehreren Treffen ihre Arbeit und vor allem auch ihre Arbeitsplätze zeigten und erklärten. So konnten sie Einblicke in die Restaurierungswerkstatt nehmen, einen Rundgang durch die Technikzentralen des Museums sowie natürlich Führungen durch das Museum selbst.

In den Herbstferien fand dann ein Workshop statt, der die Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen erweiterte: Ein promovierter Museumspädagoge berichtete ihnen aus seinem Alltag, unterschiedlichste Besuchergruppen zu unterschiedlichsten Themen zu begleiten und ihren Museumsbesuch zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Wie viele Stolpersteine man für eine gute Führung überwinden muss, erfuhren die Kinder und Jugendlichen und nahmen sich viele Tipps für ihre eigene Führung mit, die sie für die Abschlusspräsentation vorbereiteten.

Dann ging es weiter mit einer Fotografin, die den Kindern und Jugendlichen den sicheren Umgang mit einer Spiegelreflexkamera zeigte. Sie erklärte ihnen technische Kniffs und praktische Tricks und führte sie in den gezielten Umgang mit der Perspektive und Bildkomposition ein. Erneut öffnete sich den Kindern und Jugendlichen ein neuer Blick auf die Sammlung des Museums. Sie begannen die Architektur des Museums wahrzunehmen und erschlossen die Räume mit Hilfe der Kamera. Dabei bot ihnen der Blick durch das Objektiv der Kamera eine andere Sicht auf bereits bekannte Räume und Objekte.

Özi, ein Comiczeichner, der auch schon für unsere Museumszeitschrift JuLe gezeichnet hat, zeigte den Kindern und Jugendlichen eine ganz andere Art der Vermittlung: Ein modernes Medium – der Comic -, das in erster Linie der Jugendkultur zuzuordnen ist, trifft auf Museumskultur. Im Museumscomic gelingt jedoch eine ausgeglichene Mischung, die sowohl historische Fakten als auch lustige Unterhaltung verbindet. Özi erklärte den Kindern und Jugendlichen wie diese Mischung gelingt. Er zeigte ihnen, wie leicht es tatsächlich ist, einen Comic zu zeichnen: Man braucht eine Geschichte und mindestens zwei Charaktere, die miteinander agieren. Die Geschichte muss nicht kompliziert sein, oft bringen die Objekte im Museum eine eigene Geschichte bereits mit. Die Ereignisse der Geschichte unterteilt man vor dem Zeichnen in eine bestimmte Zahl an Kästen. Die Charaktere können einfach nur Strichmännchen sein, wichtig ist nur, dass sie ein charakteristisches Wiedererkennungsmerkmal besitzen: Ein König trägt eine Krone, ein Maler hat Pinsel dabei, ein Kelte karierte Hosen, ein Krieger hat ein Schwert, Maria trägt einen blauen Mantel und ein Skater hat ein Skateboard bei sich.

Comicworkshop1
Wie zeichnet man einen Comic? Was gehört zum Geschichtenerzählen in Bildern dazu? Özi beantwortete Fragen und inspirierte die Teilnehmer.

Dieser Blogbeitrag ist ein weiterer unter vielen, der zeigt das Museum viel mehr ist als ein Gebäude, das sich mit der Pflege und Vermittlung von Kulturgut befasst. In unserer digitalisierten Gesellschaft haben auch die Kultur und das Museum einen Platz in der digitalen Welt gefunden. Dabei bieten Plattformen wie Facebook, Twitter, Blog und Co. dem Museum die Möglichkeit mit den Besuchern und einem weiteren interessierten Publikum unkompliziert und direkt in Kontakt zu treten. Sie bieten den Museumsmitarbeitern die Möglichkeit aus besonderen Perspektiven und von besonderen Ereignissen zu berichten. So positiv die Möglichkeiten sind, so bringen sie auch Gefahren mit sich. Im Social-Media Workshop, der am letzten Tag unseres Herbstferienworkshops stattgefunden hat, wurden die Kinder und Jugendlichen über die Vor- und Nachteile von Facebook, Twitter und Co. aufgeklärt. Die Unterschiede der digitalen Netzwerke wurden aufgezeigt und Persönlichkeitsrechte und Bildrechte definiert. Die Teilnehmer kannten alle vorgestellten Netzwerke und einige nutzen sie natürlich auch. Spielerisch und kreativ, mit Hilfe des persönlichen Skizzenbuches, lernten sie zugleich Fachbegriffe wie Profil-Leiste, Teaser, Titelbild, Profilbild, Like und Favs aus dem Social-Media-Bereich kennen. Gleichzeitig sensibilisierten sie sich für Bilder im Netz, was ist erlaubt, wen muss ich fragen, wenn ich ein Foto online stellen will und was sollte ich nicht veröffentlichen.

Präsentation1
Warten auf die große Abschlusspräsentation. Jeder hatte sich auf ein eigenes Thema oder Objekt vorbereitet.

 

Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen von „My museum“ haben wir Museumspädagogen und Fachreferenten eine sehr intensive und kreative Workshop-Woche verbracht. Wir alle zeigten ihnen unser Museum. Die Kinder und Jugendlichen machten aus unserem Museum ihr Museum.

Anna Herber

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