My Museum – Blick in die Gemälderestaurierung

Die zweite Station der Truppe von „My Museum“ war die Gemälderestaurierung, die wir am Samstag, den 13.09 2014 besuchten. Die Restauratorin Katharina Liebetrau erklärte uns ihre Arbeit und zeigte uns ihren Arbeitsplatz sowie das Gemäldedepot. Ihr Spezialgebiet sind Gemälde und gefasste Holzskulpturen. Da Kunstwerke und Objekte aus bemaltem Holz und bemalter Leinwand sehr empfindlich sind, müssen sie genau beobachtet und ständig gepflegt werden.

Vielfalt in der Restaurierung

Die Arbeit in der Restaurierung ist vielfältig. So lernten wir etwa, dass das LVR-LandesMuseum über eine der modernsten Restaurierungswerkstätten in Europa verfügt. Sie besitzt einen 3D-Scanner, ein Digitalmikroskop, eine portable Röntgenfluoreszenz-Anlage und wird kontinuierlich durch neue Geräte erweitert. Die Restaurierungswerkstatt vereint folgende Fachbereiche: Metallrestaurierung, Glasrestaurierung, Restaurierung von archäologischem Nassholz, Keramik- und Steinrestaurierung, Restaurierung von organischen Funden, Wandmalerei- und Mosaikrestaurierung, Gemälderestaurierung sowie Restaurierung von gefassten Holzskulpturen.

Die zentralen Aufgaben eines Museums sind Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln. Dabei bedeutet Bewahren, ein archäologisches oder historisches Objekt oder ein Kunstwerk für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die Hauptaufgabe der Restaurierung ist es, ein Objekt oder Kunstwerk in seinem gewachsenen Bestand zu sichern und zu bewahren, wie uns Katharina Liebetrau erzählte. Bei der wissenschaftlichen Forschung kommt es heute nicht mehr nur auf die Geschichte und die Zusammenhänge des Objektes an, sondern auch wie es hergestellt, im Lauf seiner Geschichte verändert, restauriert und erhalten wurde. Das Fachwissen und die Erfahrung der Restauratorinnen und Restauratoren zu bestimmten Materialgruppen und historischen Herstellungstechniken, erweitern und bereichern die wissenschaftliche Fragestellung der Kunsthistoriker und Archäologen.

Neben dem übergeordneten Auftrag des Bewahrens fallen wichtige Aufgaben im alltäglichen Arbeitsablauf an, die das Berufsbild der Restauratorinnen und Restauratoren hier maßgebend prägen. Unsere Restauratorinnen und Restauratoren übernehmen die konservatorische Betreuung bei der Bergung von archäologischen Objekten sowie bei Ausstellungen. Einen weiteren großen Aufgabenbereich bildet das Forschen und Veröffentlichen der Ergebnisse. Neben der Ausbildung von Studenten und Praktikanten und der Durchführung von Informationsveranstaltungen und Seminaren, beraten sie desweiteren zu Fragen der Restaurierung, Lagerung und Klimatechnik, Ausstellungsorganisation, Kunstfälschung sowie Kunsttransporten.

 

Meister des Aachener Marienlebens  „Der heilige Petrus mit dem Kölner Erzbischof Hermann IV. als Stifter“, letztes Viertel des 15. Jh.  Zu sehen ist die Rekonstruktionen der ursprünglichen  Gestaltung mit Azuritblau, der „Neutralretu-sche“ in Grau (bereits auf einem Foto von 1860 belegt), der Ergänzung in Blattvergoldung (Ende 19.  Jh.?) und der Ergänzung in Himmelblau (20. Jh.).
Meister des Aachener Marienlebens „Der heilige Petrus mit dem Kölner Erzbischof Hermann IV. als Stifter“, letztes Viertel des 15. Jh.
Zu sehen ist die Rekonstruktionen der ursprünglichen Gestaltung mit Azuritblau, der „Neutralretusche“ in Grau (bereits auf einem Foto von 1860 belegt), der Ergänzung in Blattvergoldung (Ende 19. Jh.?) und der Ergänzung in Himmelblau (20. Jh.).

Wie ein Detektiv

Gemälde und Skulpturen wurden als Raumschmuck geschaffen und befanden sich als Dekoration sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Raum. Sie sind zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, die die Substanz in ihrem Erhaltungszustand gefährden. Ob in Kirchen, auf einem Marktplatz, Besprechungsräumen oder zu Hause waren sie unter anderem dem Sonnenlicht und jahreszeitenbedingten Temperaturschwankungen und Veränderungen der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Holz ist ein lebendiges Material, das auf Veränderungen in der Umgebung reagiert und sich immer wieder verändert. Viele mittelalterliche Skulpturen im LandesMuseum sind aus Holz gefertigt und viele Gemälde auf Holz oder auf einen Holzrahmen gespannte Leinwand gemalt. Neben der Aufgabe, zunächst durch sog. präventive Konservierung, zum Beispiel mittels der Steuerung des Raumklimas, ein Objekt zu erhalten, wird ein Objekt konserviert, wenn sich Schäden an dem Objekt feststellen lassen. Der letzte Schritt ist die Restaurierung, wenn über die Konservierung hinaus Veränderungen vorgenommen werden, beispielsweise durch Entfernung späterer, die historische Substanz verfälschender Farbschichten.

Im Grunde, so haben die Kinder und Jugendlichen festgestellt, arbeitet Katharina Liebetrau wie ein Detektiv, weil sie Rätsel aufdeckt. Sie erkennt an einem Kunstwerk, dass etwas nicht stimmt, weil zum Beispiel die Farbkombination in einem Gemälde nicht der üblichen Farbauswahl der Zeit entspricht, in der das Gemälde hergestellt wurde; So auch bei dem Gemälde „Der heilige Petrus mit dem Kölner Erzbischof Hermann IV. als Stifter“, das dem Meister des Aachener Marienlebens zugeschrieben und ins letzte Viertel des 15. Jh. datiert wird, Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, nutzt Katharina Liebetrau UV-Lampen, Skalpelle, Mikroskope, Röntgengeräte und viele andere technische und chemische Hilfsmittel. In minimaler Kleinarbeit untersucht sie dann ein Objekt, zieht Vergleichsbeispiele heran und tauscht sich mit anderen Kollegen und Kolleginnen aus. Wenn sie das Rätsel gelöst hat erstellt sie ein Protokoll, um die Erkenntnisse zu dokumentieren. Manchmal ist ein Rätsel schnell gelöst und manchmal kann es mehrere Jahre dauern, wie etwa bei der kleinen Holzskulptur vom Nikolaus aus Füssenich. Das My Museum-Team durfte auch gleich einmal selbst durch das Mikroskop schauen und sich ein echtes Kunstwerk ansehen. Erstaunlich, wie viele Details man dann sieht.

Katharina Liebetrau erklärt die Benutzung des Mikroskops.
Katharina Liebetrau erklärt die Benutzung des Mikroskops.

Faszinierende Wattestäbchen

Kaum zu glauben, dass Wattestäbchen drehen, so eine faszinierende Wirkung auf Kinder und Jugendliche ausüben kann. Als die Restauratorin uns die Chemikalien erklärte, die sie verwendet, zeigte sie uns auch wie vorsichtig sie damit umgehen muss.

Wir versuchen uns im Wattestäbchendrehen.
Wir versuchen uns im Wattestäbchendrehen.

Sie arbeitet mit Pipetten und Wattestäbchen. Die Wattestäbchen dreht jeder Restaurator selbst, erzählte sie, so können Größe und Festigkeit individuell an den Zweck angepasst werden. Sie führte es uns vor und wir durften uns auch im Wattestäbchendrehen üben. Was nicht so einfach ist, wie es sich jetzt anhört, denn der Wattebausch sollte fest am Holzstäbchen sitzen und nicht abfallen.

Wir haben einen spannenden Einblick in die Restaurierung erhalten und die Zeit verging wie im Flug. Die Kinder und Jugendlichen wollten gar nicht gehen. Wer weiß, vielleicht haben wir einen zukünftigen Restaurator oder eine Restauratorin unter uns.

Anna Herber

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