Goldfingers Cocktail – gerührt, nicht gediegen oder: Was ist eigentlich Bronze?

Man nehme gut 9 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn und erhitze beides zusammen bei etwa 1000 °C in einem Schmelztiegel. Voilà: Eine klassische Bronze! Schon mehr als zwei Jahrtausende vor den Römern kannte man diese Rezeptur im gesamten Mittelmeerraum und auch nördlich der Alpen. Die Römer dagegen streckten das Gemisch gerne mit einem großzügigen Schuss billigen Bleies. Das machte den glühenden Metall-Cocktail nicht nur kostengünstiger, sondern auch besser gießbar. Die perfekte Legierung für den massenhaften Hohlguss von Bronzestatuen war erfunden.

Bronze: Ein heißes Gemisch aus Kupfer und Zinn (Foto: J. Ott. Gießerei Sander, Bonn-Beuel).
Bronze: Ein heißes Gemisch aus Kupfer und Zinn (Foto: J. Ott. Gießerei Sander, Bonn-Beuel).

Cuprum, Stannum …

Im Gegensatz zu Metallen wie Gold oder Kupfer kommt Bronze nicht in der Natur (gediegen) vor, sondern muss durch den Menschen zusammengeführt (legiert) werden. Die Legierung ist eine bahnbrechende Erfindung der Menschheit. Kupfererze sind in vielen Regionen verfügbar und wurden seit dem Ende der Jungsteinzeit (auch Kupferzeit) gezielt gesammelt und verhüttet. Doch erst die Verbindung des alleinig viel zu weichen Kupfers (chemisch Cu für Cuprum) mit anderen Elementen läutete das erste Metallzeitalter ein. Aus dem Gemisch mit Zinn ließen sich endlich robuste Waffen, Schmuck, Gefäße und viele Gegenstände des alltäglichen Bedarfs herstellen. Der zweite wichtige Bestandteil der Bronze, das Zinn (chemisch Sn für Stannum), war zu keiner Zeit leicht zu beschaffen. Die Bronzeherstellung setzte darum seit jeher ein europaweites Netzwerk aus Händlern und Handwerkern voraus.

… Plumbum …

Schon seit der Frühzeit gehörten auch Skulpturen zum Repertoire spezialisierter Bronzegießer, zunächst nur in Form kleiner massiv gegossener Statuetten, später auch als kolossale Statuen. Die griechischen Künstler betrieben Statuenguss bereits im 5. Jahrhundert vor Christus in höchster Perfektion. Auch die Römer strebten diesem Ideal nach und verwendeten beim Hohlguss von Statuen etwa bis zur Zeitenwende die klassische 9:1(Cu:Sn)-Rezeptur.

Im Zuge eines gigantischen Bildprogramms des Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) und seiner zahlreichen Nachfolger musste Material für regelrechte Massen an Statuen herbeigeschafft werden. Doch woher sollte man es nehmen? Die Lösung klingt moderner als sie ist: Recycling. Ausgediente Statuen landeten nicht selten zusammen mit alten Töpfen und Pfannen im Schmelztiegel. Ein bisschen Zinn blieb also immer im Umlauf und den Rest ersetzte man durch Blei (chemisch Pb für Plumbum). „Plumbum germanicum“ – das germanische Blei – kam z. B. aus der Eifel und war für römische Bronzegießer am Mittel- und Niederrhein die erste Wahl.

Die Zutaten für einen gelungenen Statuen-Guss nach Römer-Art: Kupfer, Zinn und Blei (Foto: M. Mirschenz).
Die Zutaten für einen gelungenen Statuen-Guss nach Römer-Art: Kupfer, Zinn und Blei (Foto: M. Mirschenz).

… und ein bisschen Aurum drumherum

Oberflächlich mit Blattgold veredelt wurde jede Statue zum Hingucker auf dem Forum. Dass so mancher Goldfinger einer römischen Statue nicht aus purem Aurum (chemisch Au für Gold), sondern aus vergoldeter Bronze hergestellt wurde, lässt sich heute an den verschliffenen und zerborstenen Statuenfragmenten bereits mit bloßem Auge erkennen. Der römerzeitliche Betrachter ließ sich von Goldpracht der einst intakten Statuen natürlich zutiefst beeindrucken. Hinter diesem antiken „Fake“ verbirgt sich allerdings kein illegaler Betrug, sondern eine ganz gängige Methode der römischen Bronzewerkstätten.

Nun sind ja auch unsere heutigen „Gold“-Medaillen nicht aus purem Gold sondern ebenso aus vergoldeter Bronze gemacht. Übrigens wird auch der Sieger der diesjährigen Fußball-WM nur ein vergoldetes Bronzereplikat des Pokals mit in sein Heimatland nehmen. Und wer weiß möglicherweise befindet sich in dieser Soccer-Trophäe noch ein recycelter Kaiser.

  

Mehr erfahren: Ausstellung „Gebrochener Glanz – Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“ (LVR-LandesMuseum Bonn. 20.03.-20.07.2014).

Manuela Mirschenz

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