Was euch 2014 im LVR-LandesMuseum Bonn erwartet!

In den letzten zehn Jahren nach der Wiedereröffnung des Museums konnten wir rund 1,2 Millionen Besucher begrüßen. Darüber freuen wir uns sehr. Die Treue unserer Besucher ist uns ein großer Ansporn, auch dieses Jahr wieder viele interessante Ausstellungen zu zeigen. Diese begeistern hoffentlich unsere Stammgäste und machen viele andere Menschen neugierig, das LandesMuseum zu besuchen. Besucht man dieser Tage unser Haus, erlebt man die Ausstellung „1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg“, die zugleich das LVR-Verbundprojekt „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ eröffnet. Sie tauscht unsere schwarzweißen Bilderinnerungen in farbige, faszinierende Zeitzeugnisse um. Im Zentrum stehen die bislang fast vergessenen Farbfotografien und Filme des französischen Bankiers Albert Kahn und des russischen Fürsten Prokudin-Gorskii. Sie beauftragten in einer Zeit, als die Nationalstaaten Europas bereits zum Großen Krieg rüsteten, zahlreiche Fotografen, um mit Farbbildern aus aller Welt ein planetarisches Bildarchiv aufzubauen und um auf diese Weise eine Friedensmission zu erfüllen.

Bis zum 23. März haben Sie zudem die Möglichkeit, eine Präsentation über den Künstler Manfred Vogel mit dem Titel „Agape“ zu sehen. Griff dieser zum Pinsel oder zum Zeichenstift vertrat er stets eine Haltung, bezog Position und unterwarf sich und die Betrachter seiner Bilder fast unausweichlich der Reflexion über Inhalte und deren Auswirkungen auf die Menschen. Seine Bildwerke sind Belege einer lebenslangen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und ihren existenziellen Fragen. Auch die Liebe – die reine „Agape“ – befasste ihn über einen längeren Zeitraum. Diese Serie mit Reiseskizzen und Gemälden seiner verschiedenen Ortswechsel zeigt die Ausstellung des 2008 verstorbenen Künstlers.

Die Präsentation eines umfangreichen Forschungsprojektes erwartet uns ab dem 20. März 2014: „Gebrochener Glanz. Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“.
Die Ausstellung vermittelt uns den sprichwörtlichen Glanz der römischen Epoche und die faszinierenden Einblicke in das antike Bronzehandwerk nördlich der Alpen. Sie präsentiert erstmalig die Erkenntnisse aus den Untersuchungen von mehr als 4.000 hierzulande gefundenen Fragmenten römischer Bronzestatuen und überrascht mit dem neuen Bild einer schmuckvollen Welt an den äußeren Grenzen des Imperium Romanum. Vergleiche mit herausragenden Ausstellungsstücken aus internationalen Sammlungen schärfen den Blick des Betrachters für die aufschlussreichen motivischen Details und lassen aus unscheinbaren Kleinteilen jene Großbronzen wieder in Erscheinung treten, die in den ersten Jahrhunderten nach Christus in den römischen Städten und Militärlagern am Limes aufgestellt waren: Statuen des Kaisers und seiner Familie sowie Götterbilder, oft von kolossaler Größe, nicht selten vergoldet.

Ab dem 10. April 2014 bietet uns Claudia Desgranges ein Erlebnis von und mit Farbe. In den Arbeiten auf Aluminium, Leinwand, Papier, Projektionen und Filmen tritt Farbe als Ereignis und Erfahrung in den Dialog mit dem Besucher. Sie verbindet sich mit dem Ort und den Momenten des Betrachtens. Im Pinselstrich, in Tropfen, Schichten und Verläufen ist Farbe Ausdruck von Bewegung und Spur von Zeit. Pastoser und hauchdünner Auftrag, die Anordnung von verschiedenen Farben zueinander und auf dem Bildträger, Schichtungen und freigelassene Stellen machen die Farben zu Präsenzen im Raum. Die Malerei von Claudia Desgranges ist daher immer auch ortsbezogen: auch für die Räume des LVR-LandesMuseums entstehen zur Ausstellung neue Arbeiten der Künstlerin.

Ausstellungsvorschau_2014_screenUlrike Rosenbach erhielt den Rheinischen Kunstpreis des Rhein-Sieg-Kreises 2012 für ihr Lebenswerk. Die zugehörige Ausstellung bietet ab dem 15. Mai einen Überblick über mehr als 30 Jahre künstlerischen Schaffens und belegt die enorme Bedeutung Ulrike Rosenbachs für die Entwicklung der Video- und Performancekunst auf nationaler und internationaler Ebene und zeigt, dass sie dabei immer auch Vorbild und Impulsgeberin für jüngere Positionen gewesen ist.

Jedes Kind kennt Asterix und Obelix – doch wie lebten ihre Verwandten im Rheinland? Ab dem 5. Juni 2014 wird diese Frage im neuen Teil der Dauerausstellung gelüftet unter dem Titel: „Die Kelten – Ambiorix & Co“. Seit etwa 600 v. Chr. sind die Kelten in unserer Region durch Handwerk und Handel zu Wohlstand gelangt. Er führte zur Herausbildung einer elitären, an der Kultur des Mittelmeergebietes orientierten Oberschicht. Das LVR-LandesMuseum besitzt mit Goldschmuck aus dem Grab einer keltischen Prinzessin, hochwertigen bronzenen Trinkgefäßen aus mehreren Fürstengräbern und einem der bedeutendsten keltischen Steinmonumente, der sog. „Pfalzfelder Säule“, einige der wichtigsten Zeugnisse dieser Epoche in Europa. In der neuen „keltischen Schatzkammer“ des LVR-Landes-Museums werden sie zusammen mit Funden aus Handwerk und Handel, selten erhaltenen Holzgeräten und überraschenden Objekten wie einer keltische Wäscheklammer und einem Spielzeugschwert präsentiert. Die Objekte aus der Welt der Kelten berichten so eindrücklich vom Alltag vor über 2000 Jahren.

Zudem zeigen wir ab dem 19. September die Ausstellung „Eiszeitjäger – Leben im Paradies? Europa vor 15000 Jahren“. Vor 100 Jahren, im Februar 1914, machten Steinbrucharbeiter in Bonn-Oberkassel eine sensationelle Entdeckung: Die Skelette eines Mannes und einer Frau samt Hund und aus Knochen geschnitzte Kunstwerke. Schon die 14000 Jahre alte Doppelbestattung mit den frühesten Homo sapiens-Resten in Mitteleuropa ist einzigartig. Durch die Verbindung mit eiszeitlicher Kunst und einem der frühesten Hunde der Menschheitsgeschichte wird die Bedeutung noch gesteigert. Im Hinblick auf das 100jährige Jubiläum der Entdeckung ringt seit 2008 ein internationales Team von 30 Wissenschaftlern den Funden mit den Methoden des 21. Jahrhunderts neue Erkenntnisse zum Leben der Eiszeitjäger ab. Sie werden in dieser Ausstellung erstmals präsentiert. Gruppiert um hochwertige Exponate und ergänzt durch zahlreiche Mitmachangebote lernen die Besucher alle Bereiche des Lebens in der späten Eiszeit kennen.

Wieder in der Jetzt-Zeit angekommen: Oliver Jordan präsentiert ab dem 19. Juni seine Hochzeit des Lichts. Angeregt durch seine in Paris geborene französische Ehefrau Héléna, setzt sich Oliver Jordan bereits seit über 30 Jahren malerisch mit Albert Camus und dessen Texten, insbesondere mit der Hochzeit des Lichtes und mit der Heimkehr nach Tipasa auseinander. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, aus Anlass des 100. Geburtstages von Albert Camus, ein Einzelausstellungsprojekt im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas Marseille/Provence 2013 in Kooperation mit dem LVR-LandesMuseum 2014 in Bonn zu organisieren. Gezeigt werden unter anderem großformatige Ölbilder auf Leinwand und Pappe in der expressiv gestalterischen Stilistik von Oliver Jordan, die sich mit den Orten auseinander setzen, die Camus selbst gesehen hat und sich mit seiner Gestalt in Portraits und Aneignungen beschäftigen.

Wir beschließen das Jahr mit einer sehr poetischen Ausstellung von René Böll mit dem Titel „Cilliní – Kinderfriedhöfe“ (2. Oktober – 4. Januar 2015) René Böll besuchte in seiner Kindheit jeden Sommer viele Monate lang die Achill Island in Irland. Er lernte dort Friedhöfe, sogenannte Cilliní, kennen, auf denen ungetaufte Kinder und Totgeburten anonym nachts begraben wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurden auch tote Soldaten, die die Flut angeschwemmt hatte, hier beerdigt, da nicht bekannt war, welcher Religion sie angehörten und sie deshalb nicht auf den katholischen Friedhöfen beigesetzt werden durften. Diese besonderen Friedhöfe waren tabu und wurden niemals erwähnt, obgleich sie im Bewusstsein der Menschen immer präsent waren. René Böll setzt sich seit vielen Jahren mit diesen verlassenen Orten auseinander, in Fotografien und Ölbildern, in denen er der besonderen Atmosphäre der Orte nachspürt.

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