„Mein“ Gefährliches Pflaster

Die Ausstellung „Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich“ neigt sich dem Ende zu. Nur noch zweieinhalb Wochen bis zum 18. August ist die Ausstellung bei uns im Haus zu sehen. Wer sie noch nicht gesehen hat, jetzt wäre die letzte Möglichkeit! Die letzte Möglichkeit auch nochmal für mich, meine ganz persönlichen Highlights aus dieser Ausstellung zu besuchen und Revue passieren zu lassen. Denn es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die nicht nur einfach schlichte „schöne“ oder kostbare Exponate zeigt, sondern die realen Zeugnisse antiker Straftaten, Gewaltverbrechen und solcher des römischen Strafvollzuges. Ein eher unübliches Thema, das aber damals wie heute aktuell ist und fasziniert: Wie gefährlich war das Leben im alten Rom denn wirklich?

Gefährliches Pflaster Plakat
Das Plakat der aktuellen Ausstellung: Gefährliches Pflaster

Schon in der Vorbereitung der Ausstellung gab es spannende Einblicke: Neben eher lustigen Exponaten im Bereich Betrug oder „Magische Unheilabwehr“ sind es vor allem Belege für dramatische Ereignisse wie die in einer römischen Siedlung bei Frankfurt, in der eine junge Familie ausgelöscht wurde, Grabinschriften mit Hinweisen auf Kinder und andere Reisende, die überfallen, bestohlen und dann ermordet wurden, sowie Papyri mit Anzeigen häuslicher Gewalt. Die Beschäftigung mit Opfern und Tätern, darunter auch Tätern im kaiserlichen Purpur, deren Morde durch Macht- oder Gewinnstreben bedingt waren, auf Misstrauen oder einfach Sadismus beruhten, führt vor Augen, wie wesentlich es ist, dass die Regierenden nicht über dem Gesetz stehen. Denn Macht verdirbt offensichtlich den Charakter.

Die archäologischen Kollegen aus Rheinland-Pfalz unterstützten die Ausstellung durch beeindruckende Leihgaben. Dazu gehört etwa der Schädel eines skalpierten und geköpften Mannes, der zusätzlich zur öffentlichen Zurschaustellung an einer Kette befestigt wurde und viele Besucher verstört. Ist das ein Beleg für den berüchtigten keltischen Kopfkult? Nein, das war Teil des römischen Strafvollzuges und gehörte zu den gelegentlich ergriffenen Maßnahmen, die von bestimmten Vergehen wie Verrat abschrecken sollten. In welcher Reihenfolge was davon passierte, ist unklar. Aber manche Details will man nicht wirklich wissen.

Positiv beeindruckte mich bei den Recherchen zur Ausstellung auch, wie man sich in manchen Fällen um die Klärung von Straftaten im Römischen Reich bemühte. Sicher oft ein fast aussichtsloses Unterfangen, ohne die heutigen erkennungsdienstlichen Hilfsmittel.

Keine Frage: Das Leben war gefährlich, sowohl für den „normalen“ Bürger, als auch für diejenigen, die zu Unrecht beschuldigt wurden und – angesichts des römischen Strafenkataloges, nicht zuletzt auch für die Straftäter. Denn die Beschäftigung mit dem Thema zeigt, dass, abgesehen von Verbannung, Auspeitschen oder Geldstrafe es noch die am wenigsten grausame Bestrafung sein konnte, einfach geköpft zu werden.

Das war das Römische Reich, jenseits imposanter Wasserleitungen, Bauwerke und Kunstobjekte, jenseits seines Militärapparates und seiner ausgeklügelten Verwaltung. Wie schön es doch ist, heute und hier zu leben.

Noch bis zum 18. August 2013: „Gefährliches Pflaster – Kriminalität im Römischen Reich“

Claudia Klages

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