Heute schon gepuzzelt? – Das bronzene Erbe Roms in 5000 Teilen

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Welcher Herrscher oder Gott verbirgt sich hinter diesem Fingerabdruck? Ein Fragment aus Bonn in „Untersuchungshaft“. (Foto: Frank Willer, LVR-LandesMuseum Bonn)

Kolossale Statuen mit goldener Aura, römische Kaiser, die aus allen Winkeln behäbig grüßen, Göttinnen von edler Einfalt und stiller Größe – so möchte man sich das alte Rom vor 2000 Jahren gerne vorstellen. Im Allgäu, im Odenwald und am Niederrhein vermutet man Glänzendes und Marmornes dagegen nur als Seltenheit. Zu Unrecht. Masse und Verbreitung der bronzenen Bruchstücke zeigen eindeutig: Die Statuen-Manie machte nicht am Alpenkamm Halt, sondern erfasste das gesamte Imperium entlang des Limes bis an die Nordseeküste. Reiter-, Toga-, Panzer- und göttliche Idealstatuen waren fast allerorts anzutreffen.   

Wiederentdeckung einer Fundgruppe

Warum wir bisher zu wenig über diese Fundgruppe wussten? Die meisten Bronzestatuen landeten noch während der Antike im Recycling, wurden zerkleinert und umgeschmolzen. Nicht immer waren die „bösen Barbaren“ an der Zerstörung der Bronzestatuen schuld. Auch die Römer selbst dachten sehr pragmatisch und so endeten viele Kunstwerke in der Wertstoffkette. Sie sind für immer verloren. Der bescheidene Rest ist für die provinzialrömische Forschung daher umso bedeutender.

Köpflein wechsle Dich

Während das Material von bleibendem Wert war, konnte sich dies für das Ansehen des Dargestellten durchaus ändern. Nach dem Machtwechsel ging es dem bronzenen Kaiser deshalb schon mal an den Kragen. Es gibt mehrere Belege dafür, dass schlicht und ergreifend der Kopf einer Statue ausgetauscht wurde. Im krisengeschüttelten dritten Jahrhundert nach Christus, als von der Armee ständig neue Kaiser ausgerufen wurden, waren spezielle Montagevorrichtungen für eine komfortable Kopfauswechslung besonders nützlich. Der abmontierte Kopf des in Ungnade gefallenen Kaisers diente oft als Zielscheibe für die Wut der Soldaten. Der im LVR-LandesMuseum ausgestellte Kopf des Gordian III. hat dieses Schicksal durchlitten. Dass die Täter mit äußerster Brutalität vorgingen, verraten Hieb- und Pfeilschussspuren.

325 Kilo Zerhacktes, bitte

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Dieser Kopf des Kaisers Gordian III. (240-244 n. Chr.) wurde nach der Demontage zur Zielscheibe wütender Soldaten. Das Ausmaß der Zerstörung lässt sich mithilfe von CT-Aufnahmen unter den neuzeitlichen Reparaturen erkennen. (Foto links: LVR-LandesMuseum Bonn, Foto rechts: Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM))

 In dem von der VolkswagenStiftung geförderten Forschungsprojekt „Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes“ wurden bislang 4.771 Fragmente römischer Bronzestatuen mit einem Gesamtgewicht von 325,2 kg erfasst und analysiert. Mit etwas Glück ist ein ganzer Kopf erhalten, daneben ist alles von Wert, was sich von der Nase über die Finger bis hin zum Gewandsaum oder der Rüstung einer Bronzestatue zuweisen lässt. Die programmatische Verwendung von Bildformeln in der römischen Kunst macht es möglich, die Fragmente zum Teil bestimmten Statuentypen zuzuordnen. Auch der Fundort bzw. Aufstellungsort grenzt die Interpretationsmöglichkeiten ein. 

Glänzende Aussichten für Museumsfreunde

Im März 2014 startet im LVR-LandesMuseum Bonn eine dreimonatige Ausstellung über die Großbronzen am Limes. Hier sollen die spannenden Ergebnisse des Forschungsprojektes allen Interessierten vorgestellt und eine repräsentative Auswahl der Studienobjekte in Szene gesetzt werden. Im Anschluss ist die Ausstellung im Limesmuseum Aalen und im Museum Het Valkhof in Nijmegen (NL) zu besichtigen.

Manuela Mirschenz

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