Die Ankunft des „verletzten Menschen“

Nach langer Planung mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Berlinischen Galerie und dem Kunstspediteur Hasenkamp stand nun letzte Woche Dienstag um Punkt 9.00 Uhr der LKW mit der überdimensionalen Leinwandarbeit von Wolf Vostell auf dem Betriebshof. „Der verletzte Mensch“ entstand 1977 als großformatiges Wandbild im Auftrag des Bundes als Kunst-am-Bau-Werk für die Mensa des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Berlin. Als dieser nach Bonn umzog, verblieb das Werk als Dauerleihgabe in der Berlinischen Galerie und wird nun bis zur Realisierung des neuen Gebäudes der GIZ, in der der Deutsche Entwicklungsdienst mittlerweile aufgegangen ist, im LVR-LandesMuseum in Bonn gezeigt. Das Bleibild mit den Maßen 242 x 514 x 55 cm erforderte einen ganz besonderen Transport, wie man gleich sehen wird.

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Der sperrige Transportrahmen, das Gewicht der Bleiplatten auf der Bildoberfläche und die Gesamtlänge von 5,14 Metern hatten im Vorfeld der Anlieferung eine Debatte darüber ausgelöst, wie dieses Werk denn nun in den zweiten Stock unseres Museums befördert werden könne. Die Maße des Objekts waren für unseren eigentlich sonst schon recht geräumig ausgelegten Lastenaufzug einfach zu groß. Auf „normalem“ Wege war „Der verletzte Mensch“ also nicht an seinen neuen Standplatz zu bringen. Was also tun?

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Das Werk von einer kräftigen Mannschaft einfach die Treppen hinauf zu tragen, verbot sich schon angesichts der Instabilität der drei zur Gesamtlänge verbundenen Keilrahmen. Zudem wäre das Tragen über die Treppen nicht nur für das Kunstwerk, sondern auch für die Männer zu gefährlich gewesen, denn auch das Gewicht der Arbeit war nicht unerheblich. Die einzige Lösung bot ein Spezialkran eines Kunstspediteurs, mithilfe dessen der „Vostell“ durch den großzügigen Luftraum im Treppenhaus nach oben manövriert werden konnte. Nach etwa eineinhalb Stunden Vorbereitungszeit, während derer Lastverteilungsplatten ausgelegt, der Kran aufgebaut und die Schlaufenlängen angepasst wurden, war es dann endlich soweit: Das Kunstwerk ging an den Haken und schwebte  völlig mühelos langsam aufwärts.

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Ein letzter gefährlicher Akt war die Überquerung des Geländers im zweiten Stock. Zwischen dem höchsten Punkt des Kranauslegers und der Decke des Raumes waren nur noch wenige Millimeter Platz, aber noch immer hing die Unterkante des Bildes einige Zentimeter unterhalb des Geländers. Hatte sich doch jemand bei der Vorbereitung dieser Aktion vermessen? Waren die Schlaufen überdehnt und hatten zu viel nachgegeben? Nach kurzem Überlegen brachten ein paar entschlossene Männerhände dann das am Haken baumelnde Bild in Schräglage, überwanden so zunächst mit der einen Bildecke das Geländer und nach einem weiteren beherzten Ruck war auch dieses letzte Hindernis überquert. Es war geschafft. Das Kunstwerk war heil im zweiten Obergeschoss angekommen und musste dann nur noch an seinen jetzigen Standort transportiert werden. Im Vergleich zu der vorhergehenden Aktion eine Leichtigkeit.

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Der „verletzte Mensch“ ruht nun wie selbstverständlich auf seinem Sockel in unserer Oberlichthalle und steht in Gesellschaft zweier Werke des Düsseldorfer Künstlers Günther Uecker und ganz von rechts schaut Heinrich Böll, in Holz verewigt von Peter Nettesheim, auf den Geschundenen.

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Eva Gebhard

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