Lesen retten!

Dass das LVR-LandesMuseum auch eine eigene Bibliothek hat, wissen die wenigsten unserer Museumsbesucher. Dabei ist sie keineswegs nur für die Museumsmitarbeiterinnen und für Archäologie-Spezialisten geöffnet, sondern steht auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung! Mit 180.000 Bänden gehört sie zu den großen Museumsbibliotheken in Deutschland. Im Magazin reihen sich Regalmeter an Regalmeter: Bücher zu Archäologie und Kunstgeschichte, Ausstellungskataloge aus dem In- und Ausland, Zeitschriften, CDs und DVDs. Einige der Bücher sind schon sehr alt, denn die Bibliothek existiert schon seit fast 200 Jahren – und das Alter hat seine Spuren hinterlassen! Stockflecken oder Tintenfraß haben die Seiten befallen, Einbände und Buchblöcke sind durch häufige Nutzung beschädigt worden. Um diesen „Senioren“ im Bücherregal zu helfen, wurde die Aktion „Lesen retten“ ins Leben gerufen: für besonders gefährdete Bände unseres wertvollen historischen Altbestands suchen wir Patinnen und Paten, die mit ihren Spenden Restaurierungsmaßnahmen ermöglichen. 23 besonders wertvolle Bände konnten bisher mit Hilfe unserer Buchpaten restauriert werden! Doch noch immer warten zahlreiche Bücher auf ihre Rettung!

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Ein Band des „Denkwürdigen und nützlichen Rheinischen Antiquarius“, 1845. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn

Da ist zum Beispiel ein Band des „Denkwürdigen und nützlichen Rheinischen Antiquarius“, 1845 veröffentlicht von „einem Nachforscher in historischen Dingen“, wie sich der Autor Johann Christian von Stramberg nannte. Besonders wissenschaftlich ist das Buch nicht gerade, es besteht eher aus Anekdoten, Geschichten, weitschweifigen Exkursen und Kommentaren zur rheinischen Geschichte. Insgesamt 34 Bände brauchte Stramberg, um „die wichtigsten und angenehmsten geographischen, historischen und politischen Merkwürdigkeiten des ganzen Rheinstroms“ zu schildern! Doch gerade diese Detailverliebtheit macht 168 Jahre später den Reiz der Schilderungen aus! Unser Band fällt leider fast auseinander: der Buchrücken hat sich gelöst und der Buchblock ist locker. Wenigstens konnte die Titelvignette vom Buchrücken gerettet werden, die bei der Restaurierung wieder mit eingearbeitet werden wird.

Wissenschaftlicher ist dagegen das Verzeichnis der „Wüstungen der Altmark“ im heutigen Sachsen-Anhalt. Wilhelm Zahn, ein geschichtsinteressierter Pfarrer aus Tangermünde, veröffentlichte den Band 1909. Nach eigenen Aussagen ist der Autor „mit seinen jungen Töchtern hinausgezogen und hat die Altmark kreuz und quer durchstreift“. 614 Wüstungen beschreibt Zahn in seinem Buch und alle hat er persönlich besucht (ob seine Töchter immer mit mussten, ist nicht eindeutig geklärt. Doch wir fühlen mit ihnen und hören sie im Geiste leise quengeln: „Ist es noch weit? Wann sind wir da? Krieg ich ein Eis?“) Zu jeder Wüstung finden sich Beschreibungen der Topographie und Ortsgeschichte, namenkundliche Erläuterungen, Literatur- und Urkundennachweise. Eine ausfaltbare farbige Karte im Anhang verzeichnet alle vorgestellten Wüstungen.

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„Wüstungen der Altmark“. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn

Das Buch ist eine Art „frühes Taschenbuch“: es hat keinen festen Einband, sondern wurde lediglich in einen Papierumschlag gelegt und notdürftig zusammengeklebt. Der Kleber ist ausgetrocknet, der Buchblock fällt auseinander und müsste dringend neu geheftet werden.

Auch Zeitschriftenbände brauchen Rettung, vor allem, wenn sie nicht nur beschädigt sind, sondern durch ihren prominenten Vorbesitzer einen besonderen Wert für die Bibliothek und das Museum haben. Die beiden Hefte des „Journal of the Anthropological Institute of Great Britain and Ireland“ aus den Jahren 1878 und 1879 stammen aus der Handbibliothek Hermann Schaaffhausens, dem Mitbegründer des LVR-LandesMuseums.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere hilfebedürftige Bücher und Zeitschriftenbände. Für alle Interessenten gibt es einen kleinen Katalog, den Sie sich entweder auf der Internetseite der Bibliothek ansehen können oder als gedrucktes Exemplar in der Bibliothek bestellen können.

Bis bald in der Bibliothek!

Susanne Haendschke

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Ein Gedanke zu „Lesen retten!

  1. Mir gefällt natürlich ’nur‘ die Idee, die sicher teils mehr als wertvollen Schriften mit Hilfe einer Patenschaft vor dem endgültigen Zerfall zu retten!
    Auch wir, das OKM-Velten, kennen das Problem, dass diverse Bücher und Zeitschriften mit den Zeichen der Zeit ‚gezeichnet‘ sind. Auch wenn unsere Bibliothek nicht grundsätzlich für die Öffentlichkeit zugänglich ist, sind die zusammengetragenen Werke äußerst wertvoll und wichtig für unsere Arbeit.

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